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Watt in Gefahr?

Wenngleich das Wattenmeer an der Nordsee geologisch betrachtet eine sehr junge Naturerscheinung ist, handelt es sich doch um ein hochsensibles Ökosystem, das auf äußere Einflüsse empfindlich reagiert. Es ist der Mensch, der immer wieder durch rücksichtslose Umweltverschmutzung oder Unachtsamkeit zerstörerisch auf das Wattenmeer einwirkt.

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Forschung im Nationalpark Wattenmeer (4'40'')
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Giftige Altlasten

Noch vor wenigen Jahrzehnten verpesteten Gifte, chemische Altlasten und mit Schwermetallen belastete Abwässer aus den Flüssen Rhein, Ems, Weser und Elbe rings um die Nordsee das Wattenmeer. Durch Tanker und Ölbohrinseln verursachte Ölverschmutzungen taten ihr Übriges, um Flora und Fauna des Wattenmeers zu gefährden. Nach wie vor ist die Überdüngung des Wassers ein reelles Problem. Die übermäßige Zuführung von Nährstoffen wirkt sich schädlich auf den ökologischen Kreislauf des Watts aus.

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Fischerei im Nationalpark Wattenmeer (4'33'')
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Störenfriede im Watt

Heute gibt es eine Reihe von Interessensgruppen, die Ansprüche auf die Nutzung des Wattenmeeres erheben. Obwohl das Wattenmeer eine geschützte Landschaft ist und nur für drei Prozent ausgewiesener Wattenmeerfläche ein ausdrückliches Fischfangverbot besteht, wird auch in den geschützten Gebieten weiterhin gefischt. Neben der Überfischung gibt es auch immer noch Umweltverschmutzungen durch Ölbohrungen und -transporte.

Auch die an den Wattküsten inzwischen großflächig errichteten Windkraftanlagen werden kritisch beurteilt, da sie einen gewaltigen Eingriff ins Landschaftsbild darstellen. Ein besonders aktuelles Problem stellt der zunehmende Massentourismus dar, der das Wattenmeer als Urlaubsregion und Naherholungsgebiet für sich entdeckt hat. So stellen Reiter, Liebhaber extravaganter Fun-Sportarten sowie unkundige, unbedachte und laute Wattwanderer belastende Störfaktoren für brütende Vögel und Robbenkolonien dar.

Ein Informationsplakat am Eingang zum Nationalpark Wattenmeer. (Rechte: Gregor Delvaux de Fenffe)

Erfolgreicher Naturschutz dank der Nationalparks

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Nationalpark Wattenmeer

Demgegenüber gibt es jedoch internationale Initiativen, die sich zum Schutz der Wattenmeere zusammenfinden. So erklärten die Bundesländer Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein die unter ihrer Verwaltung stehenden Wattenmeerterritorien in den 1980er und 1990er Jahren zu Nationalparks, was erheblich zu einer Regenerierung der ökologisch wertvollen und einzigartigen Landschaft beitrug. Inzwischen ist das weltweit einzigartige Wattenmeergebiet der Nordsee auch von der Unesco als Weltnaturerbe anerkannt worden.

Eine Gruppe Jugendlicher steht am Strand, vor ihnen liegt ein großer Haufen mit Müll (Rechte: Gregor Delvaux de Fenffe)

Umweltbildung vor Ort: Freiwillige sammeln Müll

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Umweltschutz durch Umweltbildung

Dabei darf man sich keineswegs vorstellen, dass die Nationalparks und ihre Befürworter sich grundsätzlich gegen den Tourismus in der Wattenmeerregion aussprechen. Das Gegenteil ist der Fall: Die Umweltschützer der Nationalparks verfolgen sowohl die Förderung des Naturschutzes als auch des Naturerlebnisses. Das bewusste Erleben einer der größten zusammenhängenden Naturlandschaften Europas soll durch eine aktive Landschaftsbewahrung auch für künftige Generationen garantiert werden. Genau das kann aber nur der aktive Schutz der Region durch die Nationalparkidee leisten. Daher betreiben Umweltverbände vor Ort einen bildungsorientierten Naturschutz. Neben dem Umweltschutz spielt damit auch die Umweltbildung eine große Rolle. So sollen Einheimische sowie Besucher und Touristen vor Ort mit Kampagnen, Wattführungen und gezielter Informationsarbeit über die komplexe Tier- und Pflanzenwelt des Wattenmeergebiets genau informiert und zur Eigenverantwortung und Mitarbeit inspiriert werden.

Natur- contra Küstenschutz?

Ein besonders wunder Punkt für die Naturschützer ist der aktiv betriebene Küstenschutz. Gerade durch die historischen, oft leidvollen Anstrengungen, dem Meer Land abzuringen, ist der Küstenschutz für die Nordfriesen zu einer sehr emotional besetzten Angelegenheit geworden. So liegt es in der Natur der Sache, dass Konfrontationen unvermeidlich sind zwischen dem Naturschutz, der die natürlichen Gegebenheiten grundsätzlich unangetastet lassen will und dem Küstenschutz, der immer auch einen Eingriff in die Natur bedeutet. Aus Sicht der Umweltschützer sind die Eingriffe des Menschen in die Natur selten von Vorteil. Es gilt vielmehr mit größerer Verantwortung und Voraussicht zu handeln, da die sensible Wattenmeerregion durch künstliche Veränderungen immer wieder gefährdet ist.

Luftaufnahme eines Küstenabschnittes mit vorgelagertem Deich. (Rechte: Rainer Borcherding, Schutzstation Wattenmeer)

Der aufwändige Deichbau sollte sich auch rechnen

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Der Biologe und Wattexperte Rainer Borcherding gibt etwa zu bedenken: "Durch die zunehmende globale Erwärmung dehnt sich das Wasser weiterhin aus, das heißt der Meeresspiegel steigt auch in Zukunft beständig. Durch die Deiche kann die See aber nicht länger landeinwärts wandern – das Wattenmeer ertrinkt also bald an sich selbst. Dieser Tatbestand stellt künftig eine echte Bedrohung für das Ökosystem Wattenmeer dar, wenn der Mensch nicht von sich aus zurückweicht."

Dabei könnten sich die Interessen der Natur- und Küstenschützer nach rationalen Kriterien durchaus in der Mitte treffen, so Borcherding: "Das Stichwort heißt Rückdeichung, was zum Beispiel die Engländer ganz gut beherrschen. Das heißt, man rechnet vorher aus, was die Erhaltung von Land kostet. Wenn der Kosten-Nutzen-Faktor nicht mehr gegeben ist, die Erhaltungskosten einer bestimmten Fläche höher sind, als das Land letzten Endes wert ist, dann sollte man das Stück Boden besser wieder der Nordsee überlassen."

Gregor Delvaux de Fenffe, Stand vom 29.02.2012
Sendung: Faszinierende Meere!, 01.03.2012

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