Lebensraum Moor
Die Entstehung der Moore
Wie ein Moor entsteht, war lange Zeit ein Rätsel. In einem der ersten Bücher, die sich mit Torf befassten, aus dem frühen 18. Jahrhundert, spekuliert der Autor noch darüber, "ob der Torf etwa Faulholtz sey" oder "ob er Erde sey", ob er ein "harzigt oder schweffelhafte Materie sey" oder gar ein "Auswurf des Meeres".
Im 19. Jahrhundert setzte sich dann die Erkenntnis durch, Torf sei eine "Komposition von hübschen, halbzerstörten Moosen, Sumpfgräsern, zierlichen Haideblumen, Blättern, Knospen Stengeln und Zweiglein vieler andern See- und Landpflanzen."
Nach dem Ende der letzten Eiszeit, als sich das Klima allmählich wieder erwärmte, begann in weiten Gebieten die Moorbildung. In dieser Periode fielen sehr viele Niederschläge. Dadurch, dass die Eispanzer schmolzen, wurde weiteres Wasser freigesetzt. Der Grundwasserspiegel stieg, zahlreiche Täler, Senken und Niederungen wurden überflutet. So veränderte sich die Vegetation: es wuchsen mehr und mehr feuchtigkeitsliebende Pflanzen und dort, wo die Pflanzen auch nach ihrem Absterben nicht abgebaut werden konnten, bildeten sich Moore. Vor etwa 12.000 Jahren begann die Hochzeit der Moore in unseren Breiten.
Hochmoor
Hochmoore sind Regenwassermoore. Sie entstehen in Gebieten, in denen die Niederschlagsmenge größer ist als der Wasserverlust durch Verdunstung und Abflüsse. Außerdem müssen sich die Niederschläge annähernd gleichmäßig über das ganze Jahr verteilen, damit das Gebiet nie trocken fällt. Entsprechende Voraussetzungen finden sich bevorzugt in Gebieten mit regenreicher, atlantischer Klimaprägung. Ein weiteres Kennzeichen für Hochmoore ist ein sehr saurer, mineral- und sauerstoffarmer Wasserhaushalt.
Hauptmoorbildner sind die Torfmoose (Sphagnum). Charakteristisch für das Moor ist, dass in ihm (durch den hohen Wasserstand und den Mangel an Sauerstoff) die Stoffproduktion der Pflanzen größer ist als ihr Abbau – es entsteht mehr Biomasse als wieder abgebaut wird. Das Pflanzenmaterial sammelt sich an und wird nach und nach zu Torf. So kann ein Moor allmählich – wenn auch sehr langsam - immer weiter wachsen und immer mächtiger werden. Pro Jahr wächst die Torfschicht eines intakten Hochmoores um rund einen Millimeter.
Hochmoore sind Standorte seltener Pflanzenarten und Rückzugsgebiete für viele bedrohte Tierarten. Da Hochmoore nicht mit dem Grundwasser in Verbindung stehen, sondern vom Regenwasser gespeist werden, sind sie sehr nährstoffarm. Solche Bedingungen ertragen nur wenige Organismen. Daher ist das Hochmoor sehr artenarm.
Niedermoor
Niedermoore können sich dann bilden, wenn sich in Senken nährstoffreiches Wasser sammelt. Niedermoore sind dadurch charakterisiert, dass sie nicht nur Regenwasser abbekommen, sondern auch im Bereich des Grundwassers liegen. Sie sind oft aus verlandeten Seen und Teichen entstanden. Durch den Nährstoffreichtum bieten sie günstige Bedingungen für einen individuen- und artenreichen Pflanzen- und Tierbestand. Oft finden sich in Niedermooren Schilfrohr, Rohrkolben, Binsen, Erlenbruchwälder oder Weiden-Faulbaumgebüsche.
Zwischenmoor
In Regionen mit vielen Niederschlägen kann sich ein Niedermoor auch zu einem Hochmoor entwickeln. Die Übergangsphase, in der das Moor sowohl vom Grundwasser als auch vom Regenwasser gespeist wird, nennt man "Zwischenmoor" oder "Übergangsmoor". Die Entwicklung verläuft folgendermaßen: Der im Niedermoor ständig neu entstehende Torf presst die darunter liegenden Torfschichten immer weiter zusammen. So bilden diese Schichten mehr und mehr eine Barriere für einströmendes Grundwasser. Das Regenwasser bringt keine Nährstoffe ein. Das Pflanzenwachstum entzieht dem Boden Nährstoffe. Durch mangelnde Zersetzung der Pflanzen können sie dem Nahrungskreislauf nicht wieder zugeführt werden. Die saure, feuchte und nährstoffarme Umgebung, die so entsteht, bietet dem Torfmoos ideale Wachstumsbedingungen. Durch all diese Faktoren wächst das Moor in die Höhe und wird zum Hochmoor.
Siegfried Klaschka, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Moor - Landschaft aus Urzeiten, 18.07.2008








