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Spitzbergen - Eisbärenland am Rande Europas

Spitzbergen ist eine norwegische Inselgruppe auf halbem Weg zwischen Nordkap und Nordpol. Eine eisige Schönheit: rau, karg, unwirtlich im Winter wie im Sommer. Menschen leben hier nur wenige, und die, die es nach Spitzbergen verschlägt, bleiben lediglich ein paar Jahre. Die eigentlichen Herren auf Spitzbergen sind dagegen die Eisbären.

Photographie des Mayerbreen Gletschers. (Rechte: dpa)

Der Mayerbreen Gletscher in Spitzbergen

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Raues Land zwischen den Nordmeeren

Spitzbergen umfasst fünf größere Inseln, deren größte den Namen Spitzbergen trägt, sowie viele kleinere Inseln. Im Norwegischen heißt die Inselgruppe seit 1925 Svalbard, was sich im deutschen Sprachgebrauch aber nicht durchgesetzt hat. Spitzbergen liegt nördlich des Polarkreises zwischen dem 74. und 81. Breitengrad, da wo vier Nordmeere zusammen treffen: die Grönlandsee, das Europäische Nordmeer und die Barentssee liegen südlich, östlich und westlich von Spitzbergen, und im Norden grenzt die Inselgruppe ans Nordpolarmeer. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei minus 4,5 Grad, sodass die Küstenregionen nur für etwa sechs Wochen im Sommer auftauen. Geologen fanden allerdings heraus, dass das Klima keineswegs schon immer so eisig war wie heute: Vor 150 Millionen Jahren hatten die Kontinentalplatten noch nicht die jetzige Position erreicht, zeitweise befand sich Spitzbergen sogar auf der Südhalbkugel, wie versteinerte Korallenfunde belegen. Heute gilt Spitzbergen als "größtes Labor der Erde" - hier wird von vielen Nationen vor allem Arktis- und Klimaforschung betrieben.

Photographie des spitzbergischen Haupstadt vom Wasser aus. (Rechte: mauritius images)

Die Hauptstadt : Longyearbyen

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Arktisches Leben auf Zeit: die Menschen

Erst 1906 siedelten die ersten Menschen auf der Hauptinsel Spitzbergen, denn wertvolle Kohlevorkommen waren entdeckt worden. Die Stadt, die nahe bei der ersten ständigen Grube entstand, war Longyearbyen - bis heute die "Hauptstadt" der Insel. In den Jahrhunderten zuvor wurde Spitzbergen zwar auch genutzt, es gab beispielsweise im 17. Jahrhundert Walfänger und im 18. Jahrhundert Robbenjäger, und ab dem 19. Jahrhundert interessierte sich die Wissenschaft für Spitzbergen. Aber ständige Bewohner sind bis heute die Ausnahme. Nur rund 1800 Einwohner leben in Longyearbyen, dazu kommen noch ein paar Forscher, von denen aber nur die wenigsten auch die dunklen Wintermonate bleiben. Auch wenn das Leben in Longyearbyen auf den ersten Blick normal scheint, gibt in Wahrheit der Mutterstaat Norwegen enorme Anreize, um die Menschen dort zu halten: gute Jobs bei wenig Steuern und Sozialabgaben machen das Leben jenseits des Polarkreises attraktiv, zumindest wenn man Ruhe, Abgeschiedenheit und weite Eislandschaften mag.

Photographie eines Eisbären in einer Eislandschaft. (Rechte: mauritius images )

In Spitzbergen regiert der Eisbär

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Herr auf dem Land: der Eisbär

Spitzbergen ist Eisbärenland. Überall warnen Schilder vor den weißen Riesen, denn oft genug sind Menschen von Eisbären angefallen worden. Rund 3000 Tiere, also mehr als Menschen, leben auf der Inselgruppe. Da jederzeit damit gerechnet werden muss, dass ein Eisbär auftaucht, ist es verboten, außerhalb der Siedlungen ohne Gewehr oder ohne bewaffneten Führer unterwegs zu sein. Selbst in den Siedlungen ist man nicht sicher, daher werden Kinderspielplätze hoch umzäunt. Dennoch stehen die Eisbären natürlich ganzjährig unter Schutz. Ihre Lieblingsbeute sind Robben. Daher wandert der Eisbär an der Packeisgrenze entlang, wo auch die Robben leben. Außer dem Eisbären gibt es nur noch wenige Landsäugetiere, die in dieser eisigen Welt überleben können: etwa das Rentier und der Polarfuchs.

Photographie der Antenne, mit einer Bergkette im Hintergrund. (Rechte: mauritius images)

Das Alfred-Wegener-Institut untersucht die Stratosphäre

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Spitzbergen: das größte Forschungslabor der Erde

Spitzbergen gehört zwar zu Norwegen, aber über zehn Nationen haben das Recht dort zu forschen. Die Forschungssiedlung Ny Alesund war vormals eine Kohlesiedlung, aber das Bergwerk wurde nach mehreren Unfällen geschlossen. Auch Deutschland hat seit den 90er Jahren in Zusammenarbeit mit Frankreich eine Forschungsstation auf Spitzbergen. Das Alfred-Wegener-Institut untersucht vor allem die nordpolare Stratosphäre, um die Konzentration von Ozon und Aerosolen in der Atmosphäre zu erfassen - wichtige Messungen für die Erforschung des Klimawandels. Im Sommer finden aber auch meeresbiologische Untersuchungen statt. Daneben spielt auf Spitzbergen der Bergbau immer noch eine wichtige Rolle. Die Kohlevorkommen reichen nach wissenschaftlichen Schätzungen immerhin noch die nächsten 20 bis 25 Jahre und sind mit die besten Vorkommen überhaupt. Die Kohle Spitzbergens dient daher nicht der Energiegewinnung, sondern wird in der Stahlverarbeitung verwendet. Auch der Tourismus spielt zunehmend eine Rolle. Vor allem Skandinavier machen Tagesreisen nach Spitzbergen, denn hier kann man winterliche Touren mit Hundeschlitten oder Snowscootern in gigantischer Eisbergkulisse machen oder sich mit dem Helikopter zum Nordpol bringen lassen.

Christiane Gorse, Stand vom 15.02.2012
Sendung: Von Grönland bis Spitzbergen - Abenteuer im hohen Norden, 15.02.2012

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