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Kanäle unter Fremdherrschaft

Wer sich das Umschiffen von Kontinenten ersparen konnte, hatte wirtschaftliche und strategische Vorteile. Das Motiv galt im Altertum ebenso wie im 19. Jahrhundert beim Bau des Suez- und des Panamakanals. Tausende von einheimischen Arbeitern bezahlten den Bau der beiden Wasserstraßen mit ihrem Leben. Die ausländischen Geldgeber aber besaßen über Generationen das Recht am Kanal. Die ungewollte Fremdherrschaft löste immer wieder kriegerische Auseinandersetzungen aus.

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Der Suezkanal (1'53'')
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Suez - Traum von der Abkürzung

Der 169 Kilometer lange Suezkanal verkürzt die Route von Europa nach Indien um rund 10.000 Kilometer. Diesen Vorteil erkannten schon ägyptische Herrscher im 14. Jahrhundert vor Christus. Sie wollten ihre Flottenstützpunkte im Mittelmeer und im Roten Meer miteinander verbinden. Nach 1000-jähriger Bauzeit hatte der Kanal 120.000 Menschenleben gekostet. Er versandete und wurde immer wieder erneuert, bis er im 8. Jahrhundert unbrauchbar war. Vergessen war er aber nicht. Um 1500 wollten die Venezianer den Kanal wiederherstellen. Damit hätten sie beim Handel mit Fernost der portugiesischen Konkurrenz aus dem Weg gehen können. Später war es Napoleon Bonaparte, der sich für das Projekt interessierte. Er sah Ägypten als Brückenkopf für seinen Angriff auf Britisch-Indien. Doch die Berechnungen seines Ingenieurs ergaben, dass der Wasserspiegel des Roten Meeres zehn Meter höher sei als der des Mittelmeeres. Damit war der Traum geplatzt. 50 Jahre später, 1847, erkannte man, dass das ein Rechenfehler war. Die Meeresspiegel sind nahezu gleich hoch.

Der Blick vom Satelliten zeigt links im Bild einen Teil des Mittelmeers und rechts die längliche Form des Roten Meeres. Dazwischen der Kanal als kleine geschlängelte Linie in sandiger Umgebung. (Rechte: dpa)

Satellitenbild des Suezkanals

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Polit-Kanal

Die Franzosen blieben am Ball. Sie überzeugten die ägyptische Regierung von der Wirtschaftlichkeit eines Kanals zwischen Suez und Port Said. Zur Finanzierung des Baus gründeten sie eine Aktiengesellschaft, die für 99 Jahre die Rechte am Kanal erhielt. Die Ägypter bekamen aber nur 44 Prozent der Aktien. Der französische Unternehmer Ferdinand de Lesseps wurde mit dem Bau beauftragt. Dann wurden alle notwendigen Maschinen und Werkzeuge aus Europa herangeholt, auch Materialien wie Holz und Kohle. 1858 begann der Bau des Kanals in die Sandwüste: von Port Said am Mittelmeer bis nach Suez am Roten Meer. 1869 konnte der Kanal eröffnet werden. Doch in den ersten Jahren war der Betrieb unrentabel und die ägyptische Regierung bankrott. Daraufhin kauften die Engländer 1875 die Aktien auf und damit auch den Einfluss auf den Kanal. Es kam zum Widerstand in der ägyptischen Bevölkerung und zum Einmarsch britischer Truppen. Ägypten wurde besetzt. Um die Durchfahrtserlaubnis der Schiffe zu garantieren, wurde 1888 ein Abkommen vereinbart: Der Suezkanal wurde zur neutralen Zone erklärt und die Briten zu Schutzherren.

Blauer Himmel, sandige Wüstenlandschaft, dazwischen der Kanal mit einem weißen Luxusliner. Im Vordergrund zwei Beduinen auf Kamelen. (Rechte: Mauritius)

Suezkanal mit Kamelreitern

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Kanal offen, Kanal zu

Der Suezkanal entwickelte sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einer lukrativen Einnahmequelle für die Suezgesellschaft. Doch als der ägyptische Präsident Nasser, zwölf Jahre vor Ablauf der Konzession, den Kanal verstaatlichen ließ, löste er 1956 die sogenannte Suezkrise aus. Israelische, britische und französische Truppen griffen Ägypten an. Nur durch das Eingreifen internationaler Schutztruppen konnte der Krieg sechs Monate später beendet werden. Die versenkten Schiffe aber versperrten noch lange Zeit die Durchfahrt. 1967 griff Israel im Sechstagekrieg wieder an. Die Folge: Der Kanal blieb bis 1975 geschlossen. In dieser Zeit mussten die Erdöltanker wieder den weiten Weg rund um Afrika fahren. Um den Transportpreis trotzdem niedrig zu halten, baute man immer größere Tankschiffe. Das Problem schien vorhersehbar: Nach der Wiedereröffnung des Kanals würde keiner dieser Schiffsgiganten hindurchfahren können, eine Kanalerweiterung wäre zu teuer. Der Kompromiss: Der Kanal wurde stellenweise vertieft und die Tanker kleiner gebaut.

Die stilisierte Grafik zeigt den Verlauf des Kanals über ein Gebirge im Querschnitt. Ein blauer Streifen steigt stufenförmig über den Berg und stufenförmig herab. Die Stufen stellen die entsprechenden Staustufen dar. (Rechte: AKG)

Profil des Panamakanals mit Staustufen

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Panama: Kanal statt Schiffsbahn

Die Idee, eine Wasserstrasse durch Mittelamerika zu stechen, ist uralt. Es gab sehr viele Vorschläge, wie man den Seeweg von New York nach San Francisco verkürzen könnte, um nicht den ganzen südlichen Kontinent umfahren zu müssen. Eine Durchfahrt an der engsten Stelle der beiden amerikanischen Kontinente würde die Strecke um rund 15.000 Kilometer verkürzen. James Eads machte 1880 den Vorschlag, eine 215 Kilometer lange Schiffseisenbahn über den Bergrücken von Tehuatepec in Mexiko zu bauen. Statt einen Kanal zu bauen, sollten die Schiffe auf Eisenbahnen verladen werden, um die andere Meeresseite zu erreichen. Man entschied sich jedoch für den Kanal.

Da der Bau des Suezkanals in der ägyptischen Wüste erfolgreich war, wollten sich die Franzosen 1881 auch an den Bau des Panamakanals durch den Dschungel wagen. Zur Finanzierung wurde die Panama-Gesellschaft gegründet und wieder erhielt der inzwischen renommierte Kanalbauer Ferdinand de Lesseps den Auftrag. Aber dieses Mal verkalkulierte er sich. Acht Jahre später war kein Geld mehr da und 45.000 Arbeiter und Techniker erlagen der Malaria. Der Bau wurde abgebrochen. Ursprünglich hatte Lesseps einen schleusenlosen Kanal vorgesehen. Doch er musste den Plan ändern. 1887 trat er an Gustave Eiffel, den Erbauer des Eiffelturms heran. Mit seiner Hilfe sollte nun doch ein Schleusenkanal gebaut werden. Doch wieder kam es zu Fehleinschätzungen und Pannen. 1889 gaben die Franzosen das Projekt auf. Die Panama-Gesellschaft war bankrott und nur ein Sechstel des Kanals war fertiggestellt. Eine Nachfolgegesellschaft war nach diesem Desaster nicht so schnell zu finden.

Ein Kanalabschnitt in sanft hügeliger, saftig grüner Landschaft. Im Hintergrund erheben sich bläuliche Berge. (Rechte: Mauritius)

Der Panamakanal verbindet Pazifik und Atlantik

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Wem gehört der Panamakanal?

1902 verkaufte eine Liquidationsgesellschaft das französische Kanalprojekt an die Vereinigten Staaten von Amerika. Die mussten nun Verhandlungen mit Kolumbien aufnehmen, zu dem Panama damals noch gehörte. Die Kolumbianer weigerten sich aber, auf die Forderungen ihrer Verhandlungspartner einzugehen. Doch den Amerikanern kamen die panamaischen Unabhängigkeitsbestrebungen zu Hilfe. Sie nutzten die Gelegenheit und hinderten mit ihren Kriegsschiffen die Kolumbianer daran, den Aufstand niederzuschlagen. Der "Freundschaftsdienst" bescherte ihnen 1904 das vertragliche Recht, den Kanal auf unbeschränkte Zeit zu nutzen und einen Fünf-Meilen-Streifen neben dem Kanal zu kontrollieren. Die territoriale Souveränität sollte aber bei Panama bleiben. Die Bauarbeiten am Kanal wurden fortgesetzt, und zehn Jahre später, am 14. August 1914, passierten die ersten Schiffe den Kanal.
Dass der Landstreifen neben dem Panamakanal unter amerikanischer Hoheit lag, führte immer wieder zu Auseinandersetzungen. Zur Schlichtung gab der amerikanische Präsident Eisenhower 1960 bekannt, dass beide Flaggen auf dem Landstreifen gehisst werden sollten. Doch der Flaggenstreit ging weiter. Er endete erst, als Präsident Jimmy Carter 1977 verkündete, dass der Panamakanal bis zum Jahr 2000 an Panama zurückgegeben werden müsse. Am 31. Dezember 1999 übernahm die "Panama Canal Authority" schließlich die Verwaltung des Kanals.

Bärbel Heidenreich, Stand vom 15.11.2010

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