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Bär und Mensch

Seit Jahrtausenden wird der Bär von den Menschen gleichermaßen verehrt und gefürchtet. Dieses zwiespältige Verhältnis führte dazu, dass Bären bis heute verfolgt und gejagt werden. Die einst als stark und unbesiegbar geltenden Raubtiere wurden im Lauf der vergangenen Jahrhunderte in vielen Teilen der Erde fast völlig ausgerottet. Die Bejagung und die Zerstörung ihrer Lebensräume bedrohen inzwischen viele Arten. Der Mensch ist zum gefährlichsten Feind des Bären geworden.

Bär im Fluss mit Fisch im Maul (Rechte: SWR)

Die Arbeit des Tierfilmers Andreas Kieling (3'59'')
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Der Bär ist allgegenwärtig - allerdings weniger in der Natur als vielmehr in der Kulturgeschichte des Menschen. Bärenmotive zählen zu den ältesten Felsgravuren und Höhlenmalereien. Bei vielen Völkern galt das kräftige Tier als heilig: Ein erlegter Bär versorgte viele Menschen mit Nahrung und warmer Kleidung. In Japan wurden jährlich zum "Bärenfest" dort lebende Braunbären getötet und gegessen. Wer von dem Bärenfleisch aß, so glaubte man, nahm den Geist des Bären in sich auf und wurde ein großer Krieger.

Das Schwarzweiß Foto zeigt einen Indianer, der fast vollständig in ein Bärenfell eingehüllt ist. (Rechte: AKG)

Ein erlegter Bär brachte Kraft und Ansehen

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Während der Bär in freier Wildbahn immer seltener wird, ist er in den Märchen und Mythen lebendig geblieben: Nur gelegentlich schlüpft er dabei in die Rolle der wilden Bestie. Meistens ist er der liebenswerte Freund, mal fürsorglich, mal tollpatschig, mal schlau. Zu den berühmtesten Bären des 20. Jahrhunderts zählen die Zeichentrickfiguren und Abenteurer Winnie Puuh und Paddington, der etwas ungeschickte Riesenbär Samson aus der Kinderfernsehsendung "Sesamstraße" und natürlich Balou, der weise Bär aus dem "Dschungelbuch", der in der Walt-Disney-Verfilmung für "Ruhe und Gemütlichkeit" plädierte. Auch in vielen Kinderzimmern wird es erst dann behaglich, wenn ein kuscheliger Plüschbär im Arm liegt: Seit über hundert Jahren sind Teddys geduldige Tröster und Zuhörer.

Die Zeichnung zeigt eine Bärenjagd in einem verschneiten Wald. Ein großer Bär steht brüllend auf seinen Hinterbeinen, ihm gegenüber steht ein Jäger mit gezücktem Messer. Im Hintergrund zielt ein weiterer Jäger mit seinem Gewehr auf den Bären. (Rechte: AKG)

Der Mensch ist der größte Feind des Bären

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Der Mensch drängt die Bären zurück

Viele Bärenarten leben heute nur noch in sehr kleinen, weit verstreuten Gruppen. Die Mehrzahl der Großbärenarten verzeichnet einen starken Rückgang ihrer Bestandszahlen. Die meisten Tiere sind in Reservaten und Nationalparks zu Hause und durch Gesetze wie Jagdverbote geschützt. Ihre eigentlichen Lebensräume, die Wälder, sind durch die Expansion des Menschen gefährdet, die Zersiedelung der Landschaft treibt den Bären immer weiter zurück.

In Europa waren Braunbären noch bis vor 1000 Jahren fast überall zu finden. Bis ins Mittelalter konnten sie sich in den großen Waldgebieten ungestört ausbreiten. Erst durch den Anstieg der Bevölkerung und die großflächige Vernichtung von Wald für die Gewinnung von Brennholz, Acker- und Siedlungsfläche wurde der Lebensraum für die gewichtigen Tiere immer kleiner, bis sie mehr und mehr verschwanden. In Deutschland lebten die letzten Braunbären bis 1836 im Bayerischen Wald. Einen kurzen Ausflug in die bayerischen Alpen bezahlte Braunbär "Bruno" im Jahr 2006 mit dem Leben, weil er sich zu oft menschlichen Siedlungen näherte. In Europa findet man Braunbären vor allem noch in Skandinavien sowie den östlichen Ländern wie zum Beispiel Bulgarien, Kroatien und Rumänien.

Ein schwarzer Bär streckt seine Nase durch die Gitterstäbe seines Käfigs. (Rechte: AFP)

Auf Bärenfarmen herrschen schlimme Bedingungen

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Bäriges Objekt der Begierde

Die kommerzielle Ausbeutung von Bären ist vor allem in Asien grausige Realität. Frisches oder in Dosen konserviertes Bärenfleisch (insbesondere Bärentatzen) gilt als exquisite Delikatesse, die angeblich Erkältungen vorbeugen und vitalisierend wirken soll. Da Bären die einzigen Säugetiere sind, die große Mengen an Gallensäure (Ursodesoxycholsäure, UDCS) produzieren, hat man in den 1980er Jahren in China hunderte von Bärenfarmen gegründet. Dort werden in engen schmutzigen Käfigen mehr als 7000 Tiere gefangen gehalten, die man in der freien Wildbahn meist brutal mit dem Fangeisen gestellt hat.

Durch die Bauchdecke hindurch wird ihnen an der Leber vorbei bis zur Gallenblase ein etwa 15 Zentimeter langes Metallrohr getrieben. Zweimal am Tag wird aus dem Metallrohr der Propfen herausgezogen, um etwa 100 Milliliter Gallensaft abzuzapfen, der zu Bärengallenpulver verarbeitet wird. Dieses Mittel wird in der traditionellen östlichen Medizin eingesetzt und soll Erkrankungen der Leber, des Herzens, des Verdauungstraktes und bei vielen anderen Leiden helfen. Die Wunden der Bären sind vereitert, die Tiere müssen unvorstellbares Leid ertragen.

Auch in Vietnam gibt es Bärenfarmen. Dort werden die Bären alle drei Monate einer Operation unterzogen, um den Gallensaft direkt entnehmen zu können. Die meisten Bären stehen maximal vier der unter schmerzhaften und unhygienischen Umständen stattfindenden Eingriffe durch, bevor sie daran qualvoll zugrunde gehen. Laut Washingtoner Artenschutzabkommen ist der Export von Bärengallenpulver verboten, aber dennoch blüht der Handel auch im Westen. Tragisch und verrückt: Seit den 1950er Jahren lässt sich UDCS auf synthetischem Weg wesentlich billiger und schneller herstellen, allein die USA produzieren jährlich etwa 100 Tonnen. Und auch in der traditionellen chinesischen Medizin gibt es genügend Kräuter, die die Säure vollständig ersetzen können.

Susanne Wagner, Stand vom 23.10.2009

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