Dressurgeschichte

Tier und Mensch

Dressurgeschichte

Die Geschichte der Dressur beginnt mit der Domestizierung von Tieren. Im Laufe der Jahrhunderte sind zahlreiche Tierarten dressiert und abgerichtet worden. Einige Tiere lassen sich jedoch nur sehr schwer dressieren.


Die Anfänge

Als frühester tierischer Begleiter der Menschen gilt der Hund. Deswegen beginnt die Geschichte der Dressur schon mit der Domestizierung von Wölfen, die sich dem Menschen angeschlossen haben.

Vor ungefähr 15.000 bis 20.000 Jahren, vielleicht aber auch schon vor 100.000 Jahren, begann die Verbindung zwischen Menschen und Wölfen. Wahrscheinlich zogen Wolfsrudel gemeinsam mit Nomadenstämmen durch die Savannen.

Für Wölfe, die von frühzeitlichen Jägern aufgezogen wurden, war es aufgrund ihrer eigenen genetischen Veranlagung relativ einfach, sich in die menschliche Sozialstruktur zu fügen. Angezogen wurden die Tiere vermutlich auch durch Nahrung, die die menschlichen Jäger bei ihren Streifzügen zurückließen.

Umgekehrt waren für die Nomaden auch die Tiere eine Hilfe: Für die Jäger der Eiszeit wurden Wolfshunde schnell zu unverzichtbaren Begleitern bei der Jagd. Die Tiere konnten Wild besser wittern als der Mensch und waren in gefährlichen Situationen ein wirksamer Schutz gegen angreifende Tiere.

Ein Hund der Rasse Irish Wolfhound.

Ein Irischer Wolfshund

Pferde, die in der Steinzeit noch bloße Beutetiere der Jäger waren, wurden viel später als Hunde domestiziert. Mit der Entwicklung der Reitkunst wurden die Pferde dann aber häufig zum kostbarsten Besitz ihrer Eigner.

Gezüchtet wurden Pferde wahrscheinlich bereits um 3000 Jahre vor Christus. Historische Quellen berichten, dass die Mongolen bereits 2000 vor Christus hervorragende Reiter und in der Lage waren, aus reitsportlicher Sicht "Kunststücke" mit ihren Pferden zu vollführen.

Tiere als Symbole der Macht

Etwa zur selben Zeit begannen asiatische Könige mit dem Abrichten der größten lebenden Landtiere: Elefanten. Wilde Elefanten wurden zunächst aus Prestigegründen an höfischen Stallungen gehalten und trainiert.

Später wurden derartig abgerichtete Tiere zu gefährlichen Waffen in kriegerischen Auseinandersetzungen. Die Elefanten konnten gegnerische Truppen einfach überrennen und waren weitgehend unempfindlich gegen einfache Waffen. Dirigiert wurden die Tiere von Elefantenführern, die die Dickhäuter jahrelang auf ihre Einsätze vorbereitet hatten.

Zwei Elefanten.

Elefanten konnten zu gefährlichen Waffen werden

Die Symbolkraft mancher Tierarten führte dazu, dass auch Wildtiere, die keinerlei praktischen Nutzen für den Menschen besaßen, früh gezähmt wurden. In Ägypten hielten sich etwa hohe Beamte Paviane als Haustiere, griechische Priester ließen Löwen vor ihre Kutschen spannen, um damit ihre Macht zu demonstrieren.

In Rom wurden außerdem Tiger, Panther und andere Wildtiere gezähmt. Natürlich wurden diese Tiere nicht von ihren Besitzern dressiert, sondern von speziellen Tierpflegern, frühen Dompteuren, die im Umgang mit den Tieren vertraut waren.

Von den Römer sind in den letzten vorchristlichen Jahrzehnten Vorführungen mit Wildtieren bekannt. Dem Publikum wurden nicht nur Raubkatzen, sondern auch gefügig gemachte Krokodile und sogar Rhinozerosse als exotische Sensationen präsentiert.

Gaukler und Dompteure

Im frühen Mittelalter konnten exotische Tiere fahrenden Gauklern durchaus den Lebensunterhalt sichern. Dressierte Affen oder Tanzbären waren auf jedem Jahrmarkt eine überwältigende Attraktion, denn die meisten Menschen kannten exotische Wildtiere weder von Bildern noch aus realistischen Beschreibungen, sondern nur aus mythischen Erzählungen.

Gefügig gemacht wurden die Tiere in der Regel durch brutale Gewalt. Das galt (und gilt) vor allem für Bären. Die Raubinstinkte von Bären sind schwerer zu kontrollieren als bei den meisten anderen Wildtieren.

Um Bären das "Tanzen" beizubringen, wurden dem Tier auf Trommelkommando die Tatzen verbrannt, sodass der Bär sich bestimmte Bewegungsreflexe zur Musik angewöhnte.

Im 16. Jahrhundert kamen, als Vorläufer des Zirkus, die ersten Menagerien auf und mit ihnen die als Vorstellung geplante und gewerbsmäßig betriebene Vorführung von Tieren.

Auch bei diesen Vorführungen ging es im Wesentlichen um die Zurschaustellung von mit brachialen Methoden eingeschüchterten Wildtieren. Dennoch war der Tierbändiger durchaus hoch angesehen, denn er demonstrierte mit seiner "Kunst" die menschliche Überlegenheit über die wilde Natur, die das Wildtier repräsentierte.

Vom Zirkus zum Zoo

Aus einigen mobilen Menagerien entwickelten sich im Laufe der nächsten Jahrhunderte zoologische Anlagen, die erstmals die Möglichkeit boten, das Verhalten der Tiere kontinuierlich zu beobachten.

Im 19. Jahrhundert war etwa Carl Hagenbeck, der Begründer des gleichnamigen Tierparks, einer der ersten, der die Verhaltensmuster von Raubtieren analysierte.

Carls Bruder Wilhelm Hagenbeck begann damit, diese theoretischen Erkenntnisse über tierisches Verhalten mit ersten Dressurnummern in die Praxis umzusetzen.

Durch die intensive Auseinandersetzung mit den Tieren und die genaue Beobachtung ihrer Reaktionsmuster veränderte sich auch das Verhältnis zum Tier: Der Mensch konnte seine eigenen Verhaltensweisen im tierischen Verhalten wiederfinden.

Mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts wird das Wissen um die natürliche Reaktionen von Wildtieren zum Ausgangspunkt aller wesentlichen Dressurlehren.

Zwar lässt sich mit diesem Wissen die Anwendung von Gewalt bei der Dressur minimieren und teilweise auch ganz vermeiden, trotzdem arbeiten immer noch zahlreiche Dompteure mit für die Tiere schmerzhaften Methoden und viele Tierschützer stellen in Frage, ob es eine wirklich artgerechte Dressur überhaupt geben kann.

Mit geschlossenen Augen drückt die Löwendame Sheba ihrem Dompteur Tom Dieck einen dicken Kuss ins Gesicht.

Ein Kuss für den Dompteur

Autor: Malte Linde

Stand: 19.09.2017, 09:37

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