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Wildtiere in Deutschland

Wildtiere sind gefährlich? Nein, der Mensch ist gefährlich - für die wilden Tiere! Viele von ihnen haben wir lange Zeit gejagt und erbarmungslos zurückgedrängt, bis sie völlig von der Bildfläche verschwunden waren. Betroffen davon sind nicht nur große Raubtiere, wie Wolf, Bär oder Luchs, sondern auch viele kleine und wenig bekannte Tierarten, wie etwa der Weißrückenspecht. Manch eine Tierart war 150 Jahre und länger in Deutschland ausgerottet.

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Zwischen Freude, Angst und Konkurrenzdenken

Mit zum Teil groß angelegten Artenschutzprojekten und viel Engagement ist es Naturschützern und Tierliebhabern gelungen, einige von ihnen wie Uhu, Bartgeier, Biber oder Luchs in ihre ursprüngliche Heimat zurückzuholen. Doch es gibt auch viele Tiere, die von ganz alleine wieder zurückkehren, ohne dass der Mensch die Hand im Spiel hat. Vögel wie der Schwarzstorch, der Kranich oder der Weißrückenspecht finden bei uns wieder alles, was sie zum Leben brauchen. Ende gut, alles gut?
Leider nicht. Denn mit den Tieren kommen auch Probleme. Je größer und hungriger die Wildtiere sind, umso größer sind unsere Schwierigkeiten, mit ihnen umzugehen. Die zurückgekehrten Wildtiere begeben sich in ein Spannungsfeld zwischen Freude, Angst und Konkurrenzdenken.

Ein Luchs ruht sich auf dem Boden liegend aus. (Rechte: dpa)

Scheuer Einzelgänger: der Luchs

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Ein Kompliment zuerst: Unsere Umweltbedingungen sind besser geworden. Wir haben aus unseren Fehlern in der Vergangenheit gelernt. Heute achten wir wieder mehr auf unsere Wasserqualität. Wasserläufe, einst aufwendig begradigt, werden heute renaturiert; wir lassen Biotope entstehen, setzen uns für Natur- und Artenschutzprojekte ein. Auch die Jagd ist reguliert. Die Tiere werden nicht mehr systematisch von Menschenhand dezimiert. Die Lebensbedingungen haben sich also für viele Tierarten verbessert, sodass sie sich auch nach langer Abwesenheit wieder bei uns ansiedeln können.

Unbekannte Flugobjekte

Noch in den 70er Jahren war der Anblick eines Kormorans in Deutschland eine regelrechte Sensation. Der Mensch hatte den Kormoran erbittert verfolgt und nahezu ausgerottet. Als Fischfresser galt er als Nahrungskonkurrent, ebenso wie der Seeadler, der Fischadler oder der Eisvogel. Wer hätte damals geglaubt, dass rund 30 Jahre später Kormorane wieder einen festen Lebensraum bei uns finden würden?
Erst seit der Vogelschutzrichtlinie der Europäischen Union (EU) von 1979 durften sie nicht mehr gejagt werden. Seit die intensive Verfolgung durch den Menschen eingestellt wurde, konnten sich die Bestände langsam, aber stetig wieder erholen und ausbreiten. Der schwarze Vogel lässt sich an großen Flüssen und Binnenseen nieder. Hier findet er genug Nahrung. Mittlerweile gibt es in Deutschland wieder rund 23.000 Brutpaare - und auch schon wieder Stress mit dem Menschen. Das alte Konkurrenzdenken flackert wieder auf: Es geht, wie damals schon, um den Fisch! Der Kormoran bleibt eben seiner Natur treu - und der Mensch auch...

Seeadler im Flug beim Greifen der Beute. (Rechte: Mauritius)

Auch der Seeadler gilt als "Konkurrent"

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Gerade bei den Vögeln kommen mehr und mehr Arten von ganz alleine wieder nach Deutschland zurück und erobern sich einen festen Lebensraum, weil sie ausreichend Platz, Ruhe und ein gutes Nahrungsangebot finden. Der Schwarzstorch zum Beispiel, ein scheuer Waldvogel, kehrt allmählich aus Osteuropa zurück. Einige Schwarzstorchpaare haben sich in Bayern, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg angesiedelt. Offensichtlich finden sie hier die ruhigen Waldgebiete, in denen sie sich wohl fühlen.

Auch der Dreizehenspecht und der Weißrückenspecht sind wieder bei uns vertreten. An ihnen zeigt sich, dass auch die heftigen Stürme, die ganze Waldstücke niederreißen, ihre guten Seiten haben. Im Totholz vermehren sich die Borkenkäfer, die wiederum eine hervorragende Nahrungsquelle für die Spechte sind. Naturschützer fürchteten lange Zeit um die Kraniche und Seeadler, die akut vom Aussterben bedroht waren.

Mittlerweile kehren die ersten Seeadler nach Bayern zurück. Und auch die Kraniche erobern wieder neues Terrain. Vor allem in Ost- und Nordeuropa wurden ihre Bestände nie so stark durch den Menschen dezimiert wie bei uns. Auch die Umwelt hat sich dort weniger stark verändert. Es wurden kaum Moore trockengelegt und weniger Flächen der Landwirtschaft untergeordnet. Jetzt haben sich die Kraniche so stark vermehrt, dass sie sich nach Südwesten ausbreiten.

Ein Braunbär steht auf einem Felsen zwischen jungen Nadelbäumen. (Rechte: PhotoPress)

Sind Braunbären "Problembären"?

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Neue alte Heimat im deutschen Wald

Auch einige große Wildtiere kehren zurück. Wolf, Bär, Luchs und sogar der Elch streifen bisweilen durch deutsche Wälder. Vereinzelt konnten Naturschützer diese Tiere seit den 90er Jahren beobachten. Begegnen wird man den scheuen Tieren als Spaziergänger kaum. Aber vielleicht entdeckt der eine oder andere aufmerksame Naturfreund ja einige Spuren.

Zum Beispiel vom Luchs. Einige Exemplare leben heute in verschiedenen Regionen der Eifel, im Bayerischen Wald, im Pfälzer Wald, im Schwarzwald und im Nationalpark Harz. Viele der Tiere stammen aus Wiederansiedlungsprojekten. Aber sie kamen auch von sich aus zu uns, vermutlich aus Tschechien. Schätzungsweise 70 Luchse streifen mittlerweile durch das deutsch-tschechische Grenzgebiet.

Wölfe gibt es nur wenige in Deutschland. Aber es gibt sie. Mitte der 90er Jahre wurde der erste Wolf auf deutschem Terrain gesichtet. Wahrscheinlich ist er aus Polen gekommen. In der Lausitz in Ost-Sachsen leben heute die ersten beiden deutschen Wolfsrudel mit 20 bis 25 Tieren. Vereinzelt sind Wölfe auch in Brandenburg und im Bayerischen Wald beheimatet. In Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und sogar in Hessen sind einzelne Tiere gesichtet worden.

Auch der Braunbär war einst in unseren Wäldern zu Hause. Auch ihn haben wir als Nahrungskonkurrenten gejagt; nicht nur in Deutschland, auch in anderen europäischen Ländern. Zudem verschwanden große Waldflächen durch Rodungen und somit ein Teil seiner Lebensräume. In Ländern wie Rumänien, Schweden, Slowakei, Kroatien oder Bulgarien gibt es auch heute noch frei lebende Bären. Einige wenige sind auch in Italien und Österreich zu Hause. Bär Bruno ist aus Österreich nach Deutschland eingewandert. Meister Petz kennt keine Landesgrenzen. Gut bekommen ist ihm dieser Ausflug bekanntermaßen nicht. Womöglich kämen ja mehr Bären zu uns, wenn wir es zuließen. Aber vielleicht hat sich das Schicksal von Kollege Bruno bei den anderen Bären herumgesprochen.

Ein Elch steht grasend auf einer Wiese. (Rechte: Mauritius)

Auch Elche werden wieder gesichtet

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Eine imposante Erscheinung

Mit einer Schulterhöhe von bis zu zwei Metern ist der Elch eine imposante Erscheinung. Seit Kriegsende war er aus den hiesigen Wäldern verschwunden. Mittlerweile sind mehrere Elche im Osten Deutschlands gesehen worden. Wahrscheinlich sind sie aus Polen oder den baltischen Staaten eingewandert. In einigen Gegenden könnten sie sich auch bei uns wieder ansiedeln, sind sich Naturschützer sicher. Elche sind gute Schwimmer und mögen sumpfiges, wasserreiches Gelände, wie es zum Beispiel in Brandenburg, in Mecklenburg-Vorpommern oder im Bayerischen Wald zu finden ist.

Vor allem diese großen Wildtiere brauchen auch große Regionen und verkehrsarme Räume, in denen sie sich gut bewegen können sowie ausreichend Wasser und Schutz finden. Solche Plätze bieten nur noch wenige Bundesländer. Zudem scheitern in vielen Regionen Deutschlands die Wanderbewegungen der Wildtiere - und damit ihre Ausbreitung - an den vielen Straßen und Autobahnen, die ihren Lebensraum zerschneiden. Naturschützer versuchen mit Querungshilfen wie zum Beispiel Grünbrücken, die Vernetzung der Lebensräume wenigstens teilweise zu ermöglichen.

Andrea Wengel, Stand vom 25.04.2012
Sendung: Wildtiere in Deutschland - Die Rückkehr von Biber, Luchs und Geier, 01.07.2009

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