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Wüsten als Lebensraum

Fast ein Fünftel unserer Erde besteht aus Wüstengebieten. Extrem lebensfeindlich sind vor allem die endlosen Sandmeere, wo in praller Sonnenhitze bei nur spärlichem Wasservorkommen kaum ein Leben möglich scheint. Doch selbst in solchen Gegenden gibt es Leben: Dank spezieller Anpassungen haben einige Tiere, Pflanzen und Menschen in der Wüste eine Heimat gefunden.

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Überleben in der Hitze der Wüste (3'34'')
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Mehr als nur eine Einöde

Für viele ist die Wüste ein trostloser, lebloser Ort. Ein Ort, den man am besten meidet, den niemand freiwillig aufsucht. Will man jemanden loswerden, schickt man ihn sprichwörtlich "in die Wüste". Wenn man etwas zerstört, dann "verwüstet" man es. "Wüst" steht auch synonym für unzivilisiert und ungestaltet: "Am Anfang war die Erde wüst und leer ...", so übersetzt der deutsche Text den Beginn der biblischen Schöpfungsgeschichte.

In Wahrheit ist die Wüste weder "leblos" noch "leer". Wüsten sind vielfältige Lebensräume und beherbergen die unterschiedlichsten Bewohner - Menschen, Tiere und Pflanzen. Es gibt ausgedehnte Trockenregionen wie die chilenische Atacama-Wüste oder die Namib im Südwesten Afrikas. In diesen Regionen fällt so gut wie kein Niederschlag. Doch selbst dort gibt es Leben, wenn auch nur in Form von wenigen, hochspezialisierten und stark angepassten Tieren und Pflanzen. In den übrigen Wüstengebieten dagegen ist das Leben erstaunlich vielfältig.

Ein schwarzer Skorpion auf Sand. (Rechte: Mauritius)

Skorpione fühlen sich in Wüsten richtig wohl

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Tiere der Wüste

Typische Wüstenbewohner sind Echsen, Schlangen, Insekten und Spinnentiere. Es kommen aber auch Säugetiere wie Springmäuse, Rennmäuse, Wüstenfüchse oder Wildkamele vor. Sie alle haben sich optimal an die Wüstenverhältnisse angepasst. Einige kommen mit sehr wenig Wasser aus, andere müssen überhaupt nicht trinken. Sie beziehen alles Wasser aus der Nahrung, die sie zu sich nehmen. Kamele können dagegen Wasser in großen Mengen aufnehmen, speichern und damit lange Perioden ohne Wasserzufuhr überbrücken.

Großaufnahme eines Geckos auf Sand. (Rechte: Mauritius)

Ein Gecko in der Wüste Namib

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Perfekt angepasst

Viele Tiere, wie zum Beispiel die Wüstengeckos, sind in der kühleren Nacht aktiv. Das Reptil Apothekenskink, auch "Saharafisch" genannt, lebt dagegen unter der Sandoberfläche, um der brennenden Sonne zu entgehen. Die besonderen Lebensbedingungen haben zu völlig unterschiedlichen Anpassungen geführt. So besitzt der Palmatogecko in der Wüste Namib "Schwimmhäute" zwischen den Zehen. Mit ihnen kann er über lockeren Sand gehen, ohne einzusinken. Das bodenbrütende, im Süden Afrikas lebende Nama-Flughuhn steht über seinem Nest und beschattet die Eier während der heißen Stunden des Tages. Die westamerikanische Taschenmaus gräbt sich tief im Sand ein und bekommt so Kühlung. Wüstenhasen und Wüstenfüchse besitzen riesige Ohren, die ihnen helfen, Wärme abzugeben.

Nahaufnahme der Stacheln eines Kaktus. (Rechte: Mauritius)

Kakteen haben ihre Blätter zu Stacheln reduziert

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Wüstenpflanzen

Bei den Wüstenpflanzen unterscheidet man vor allem zwei Hauptgruppen: mehrjährige Pflanzen, die trotz der Trockenheit überdauern können, und einjährige Pflanzen, die sich vor allem nach einem der seltenen Niederschläge entwickeln. Letztere vertrocknen aber oft sehr schnell wieder und lassen nur ihre Samen im Boden zurück - bis zum nächsten Regen.
Zu den überdauernden Pflanzen gehören die sogenannten Sukkulenten, die in ihren Organen große Mengen Wasser speichern können. Außerdem besitzen diese Pflanzen oberflächennahe Wurzeln, um bei den seltenen Regenfällen möglichst viel Wasser aufnehmen zu können. Andere Pflanzen, wie Tamarisken, Dattelpalmen oder Büffelgras haben Wurzeln entwickelt, die bis tief in Grundwasserschichten reichen.

Kakteen haben ihre Blätter zu Stacheln reduziert. Das verringert ihre Oberfläche über die bei starker Sonneneinstrahlung Wasser verdunsten kann. Stacheln und Seitenrippen erzeugen zusammen oft einen windstillen Raum, in dem die Luft steht. Morgens können sich aus der Luftfeuchtigkeit dann dort Tautropfen bilden und von den Pflanzen aufgenommen werden. Auch der Gasaustausch findet nachts statt, wenn die Hitzeeinwirkung gering ist. Die dafür notwendigen Spaltöffnungen - nichts anderes als "Schleusentore" - befinden sich in der Regel an Stellen, die vor Sonneneinstrahlung geschützt sind. All diese Mechanismen sorgen dafür, das die Pflanzen so wenig Wasser wie möglich verlieren.

Auf einem ausgedörrten, rissigen Boden wachsen ein paar spärliche Pflanzen. (Rechte: Imago)

Spärliche Pflanzen- und Wasservorkommen

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Lebensraum für den Menschen

Auch der Mensch siedelt in Wüstengebieten. Allerdings sind Menschen im Gegensatz zu Tieren oder Pflanzen physiologisch oder morphologisch nicht an das Leben in der Wüste angepasst. Ein unbekleideter Mensch wird den Abend eines heißen Sommertags in der Zentralsahara kaum mehr erleben, wenn er weder Schatten noch Wasser hat. Dafür aber haben Wüstenvölker sich in ihrer Lebensform und Kultur an das Leben in dieser unwirtlichen Gegend adaptiert und gelernt mit Wassermangel, extremen Temperaturschwankungen, extremer Lufttrockenheit, Hitze und Sonneneinstrahlung umzugehen.

Während der Mittagshitze ziehen sie sich in ihre Zelte und Behausungen zurück; sie graben Brunnen, um die Grundwasservorräte zu nutzen; mithilfe von Kamelen oder Fahrzeugen, einem geschulten Orientierungssinn oder aber mit Landkarten und Satellitennavigation können sie Hunderte von Kilometern in lebensfeindlichen Räumen zurücklegen. Und nicht zuletzt schützen sie sich durch Kleidung vor Austrocknung und Sonnenstrahlung. Angepasstes Verhalten und die Kenntnis bestimmter Techniken sind also unabdingbare Voraussetzungen für das Überleben in der Wüste.

Prinzipiell gibt es für Wüstenvölker drei Lebensformen: den Nomadismus, das Sammeln und Jagen sowie die Oasenwirtschaft. In Regionen, in denen Ackerbau unmöglich ist, leben bis heute nomadisierende Viehzüchter. Sie können mit den wenigen natürlichen Ressourcen vor Ort auskommen und ziehen weiter, wenn diese erschöpft sind und sich regenerieren müssen. Spärliche Pflanzen- und Wasservorkommen machen eine sesshafte Weidewirtschaft in Wüstenkerngebieten unmöglich und Nomadismus ist die einzig mögliche Alternative. Entlang von Flüssen oder in anderen Gebieten, in denen künstliche Bewässerung möglich ist, haben sich auch Ackerbaukulturen entwickelt. Bei der Besiedlung der Wüstenregionen halfen dem Menschen in erster Linie die Kamele. Ohne Kamele wären die Wüsten wahrscheinlich bis in die Neuzeit hinein unbewohnt geblieben. Auch heute gibt es weltweit noch mehrere Millionen domestizierte Großkamele in Wüstengebieten. Schon vor 5000 Jahren wurden im alten Ägypten Dämme gebaut, um umliegende Felder zu bewässern. Wo ausreichend Wasser vorhanden war, konnten so in Wüstenregionen (etwa im Vorderen Orient) früh bedeutende Zivilisationen entstehen, deren Kulturleistungen - von handwerklichen Fertigkeiten über naturwissenschaftliche Erkenntnisse bis zur Philosophie und Religion - bis in die heutige Zeit von Bedeutung sind.

Siegfried Klaschka, Kerstin Zeter, Stand vom 26.10.2011
Sendung: Lebenskünstler in der Wüste - Von Nebelfängern und Wassersparern, 27.10.2011

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