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Kindheit unter Hitler

"Meine Pädagogik ist hart!" So formulierte Adolf Hitler seine Erziehungsideale. "Das Schwache muss weggehämmert werden. Es wird eine Jugend heranwachsen, vor der sich die Welt erschrecken wird. Eine gewalttätige, herrische, unerschrockene, grausame Jugend will ich ..." Um diese Vorstellung von Pädagogik umzusetzen, wurden unter Hitler die Kindheit und die Jugend durchorganisiert und die Kinder von klein auf für den Kampf und für den Krieg erzogen.

Mitglieder der Hitlerjugend marschieren mit großen Fahnen. (Rechte: dpa)

Aufmarsch der Hitlerjugend

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Von einer Parteijugend zur Staatsjugend

1926 gründete die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) die Hitlerjugend (HJ) als Jugendorganisation der Nationalsozialisten, vier Jahre später den Bund Deutscher Mädel (BDM). Mit der Machtübernahme der NSDAP 1933 wurden andere Jugendverbände verboten, und die Jugendorganisation der Nationalsozialisten wurde zu einer Massenorganisation. Leiter der Hitlerjugend war seit 1932 Baldur von Schirach. Grundlage für die Organisation wurde das HJ-Gesetz von 1936. Der Beitritt zur HJ beziehungsweise zum BDM wurde zur Pflicht, aber nicht jeder durfte Mitglied werden. Die Kranken und Schwachen wurden zurückgewiesen und die Juden waren von der Zugehörigkeit zur Hitlerjugend ausgeschlossen. Auch wenn einige Eltern es nicht gerne sahen, wenn ihre Kinder in die HJ gehen wollten, sie davon abzuhalten war nicht leicht. Wer dies dennoch versuchte, dem drohten Geld- und Gefängnisstrafen. 1939 hatte die Hitlerjugend deshalb fast neun Millionen Mitglieder. Die zehn- bis 14-Jährigen dienten im Deutschen Jungvolk oder beim Jungmädelbund, die 14- bis 18-Jährigen in der HJ oder im BDM.

Ein in Uniform gekleideter Junge, Mitglied der nationalsozialistischen Hitlerjugend, beim Schlagen seiner Trommel. (Rechte: dpa)

Lieder und Lektüre wurden vorgeschrieben

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Wandern und singen

"Pimpfe", so nannte man die Kinder im Deutschen Jungvolk. Jeder Junge und jedes Mädchen sollte von zu Hause eine Uniform bekommen und wurde feierlich in den neuen Verband eingeführt. Manche Kinder hatten schon lange darauf gewartet, endlich mit dabei sein zu können. Man traf sich an Wochenenden und an Heimabenden, um gemeinsam Sport zu treiben, Mutproben zu bestehen und im nationalsozialistischen Denken geschult zu werden. "Hart wie Kruppstahl, flink wie Windhunde und zäh wie Leder", so sollten die Kinder werden und viele wollten es auch. Das Erlernen kriegstauglicher Übungen ging spielerisch vor sich, aber unter strenger, militärischer Disziplin. Die meisten Kinder merkten nicht, wie ihnen ihr Wille und Charakter gebrochen und im Sinne der Nationalsozialisten geformt werden sollte. "Deutschland, sieh uns, wir weihen dir den Tod als kleinste Tat. Grüßt er einst unsre Reihen, werden wir die große Saat. Drum lasst die Fahnen fliegen in das große Morgenrot, das uns zu neuen Siegen leuchtet oder brennt zum Tod." Solche Lieder sangen sie, und als der Krieg ausbrach sangen sie mit noch mehr Inbrunst, denn sie fühlten sich wichtig. Sie wurden gebraucht um Deutschland zu retten.

Ein Ritterkreuzträger bei der Ausbildung eines Jungen vom Jungvolk für den Kriegseinsatz. (Rechte: dpa)

Der Kriegseinsatz wird gelehrt

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Kriegsvorbereitungen

Heldenhaft zu werden, ein Teil des kämpfenden Volkes, das wurde das Ziel vieler Kinder in der Hitlerjugend. Für sie war es ein gutes Ziel: gemeinsam für das Volk kämpfen oder als Mädchen jederzeit hilfreich bereitzustehen, um den Soldaten unter die Arme zu greifen. Krieg war etwas, wo man seinen Mut beweisen und "ein ganzer Mann" sein konnte. Schließlich hatte man ja auch gelernt, dass der Feind böse war und den guten Deutschen Schaden zufügen wollte. Schon in Kinderbüchern wurde diese Ideologie weitergegeben - genauso wie die von dem bösen Juden, der auf den Kinderzeichnungen immer grimmig, bösartig und finster aussah. Gefahren, denen sie trotzen wollten.

Viele Kinder freuten sich deshalb sehr, als sie mit zunehmendem Alter immer mehr von dem lernten, was sie als Erwachsene auszeichnete - sie lernten das Kriegshandwerk kennen. Zunächst wurden sie bei Ernteeinsätzen, bei Sammelaktionen für das Winterhilfswerk oder als Luftwaffenhelfer eingesetzt. Der spielerische Umgang mit Geländeübungen wurde allmählich ernst, der Umgang mit der Waffe gehörte zum Lernprogramm dazu. Schon Zwölfjährige lernten damals das Schießen mit Karabinern und später auch den Umgang mit der Panzerfaust. 1943 waren die meisten Flakgeschütze mit Hitlerjungen besetzt. Mit der Ausrufung des "Totalen Krieges" Anfang 1943 führten die Nationalsozialisten das Notabitur ein, das es ermöglichte, dass nun auch Halbwüchsige in den Krieg ziehen konnten.

Ein Panzerjagdkommando der Hitlerjugend auf Fahrrädern im zerstörten Frankfurt/Oder. (Rechte: dpa)

Kämpfen bis zum letzten Mann

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Kriegsende

Als der Krieg sich schließlich dem Ende zuneigte, waren die Jungen und jungen Männer erneut verloren. Sie verstanden die Welt nicht mehr. Sie waren groß geworden in dem festen Glauben, dass alle bis zum letzten Mann kämpfen würden, um Deutschland zum Sieg zu verhelfen. Und auch der Sieg stand für sie nicht in Frage. Doch nun mussten sie erleben, dass Erwachsene kniffen, dass die Soldaten sich ergaben, anstatt - "hart wie Kruppstahl" - bis zum letzten Mann zu kämpfen. Und sie griffen selbst zur Waffe um endlich ihrer Bestimmung nachzugehen. In einer Verordnung aus dem Jahre 1934 hieß es: "Diese charakteristische Schulung des jungen Deutschen findet in der HJ ihren äußeren Ausdruck in seiner freiwilligen Unterordnung, seinem Gehorsam gegenüber seinen Führern, in seinem Pflichtbewusstsein, seiner Kameradschaftlichkeit, seiner Liebe zu seinem Führer, seinen Volksgenossen und seinem Vaterland, in dem jederzeit freiwilligen Einsatz des eigenen Lebens für die Idee des Nationalsozialismus."

Im September 1944 wurde der Volkssturm gebildet, der zumeist an der "Heimatfront" "bis zum Endsieg" kämpfen sollte. Vor allem Jugendliche und alte Männer wurden nun in Schnellkursen ausgebildet, um über die anstehende Niederlage hinwegzutäuschen. 10.000 von Soldaten starben in diesen letzten Gefechten, viele von ihnen waren 17 oder 16 Jahre alt oder gar jünger. Einige überlebten. Das größte alliierte Gefangenenlager für minderjährige Soldaten beherbergte zehntausend Jungen im Alter zwischen 14 und 16 Jahren.

Sine Maier-Bode, Stand vom 01.06.2009

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