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Die Swing-Jugend

In den wilden 20ern liegen die Anfänge des Swings. Ausgehend von Amerika verbreitete sich die fast ausschließlich von Afroamerikanern gespielte Musik auch nach Europa. Vor allem in Großstädten wie Berlin, Hamburg, Bremen oder Frankfurt am Main fand diese Musik begeisterte Fans – besonders unter Jugendlichen. Während des Nationalsozialismus galt die Swing-Musik aber als "entartet" und "undeutsch". Für die herrschende Macht war sie eine Provokation, die gefährlich werden konnte. Denn die Liebe zum Swing bedeutete auch, dass die Jugendlichen einen Lebens- und Umgangsstil pflegten, der nicht in die Volksgemeinschaft passte.

Schwarzweiß-Foto: Eine junge Frau in kurzem Kleid tanzt, während neben ihr ein junger Mann Saxofon spielt. (Rechte: AKG)

Swing bedeutete ein ganz neues Lebensgefühl

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Treffpunkte und Lebensstil

Swing wurde weniger in der Öffentlichkeit, als vielmehr im privaten Rahmen gehört. Bands wurden gegründet und Partys veranstaltet, auf denen exzessiv bis in den frühen Morgen hinein getanzt wurde. Anfänglich trafen sich die Swing-Kids noch zu großen Partys zum Beispiel im Rahmen eines Tanzfestes im Curio-Haus in Hamburg, an dem mehr als 500 Swing-Kids teilnahmen. Mit der Zunahme von Razzien 1940 fanden die Treffen dann aber nur noch im kleineren Rahmen statt.

Bei Swing-Partys hörte man die verpönten Platten und tanzte nach einem eigenen, neu entwickelten Stil. Den Oberkörper locker vornüber fallengelassenen, mit gespreizten Beinen, ein Arm lässig in die Höhe gestreckt, bewegte man sich zur Musik. Zeige– und Mittelfinger formten dabei das "Victory"-Zeichen. Bei den Nazis weckte diese Tanzweise Assoziationen zu "Neger-" oder "Affentänzen".

Schwarzweiß-Foto: Eine Swing-Band mit Sängerin in Aktion. (Rechte: AKG)

Den Nazis war die Musik aus Amerika ein Dorn im Auge

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Cliquenbildung

Schon bald gründeten die Jugendlichen erste Swing-Kids-Cliquen und demonstrierten ihre Mitgliedschaft durch das Tragen eines Clubabzeichens. Während die Nationalsozialisten viel Wert auf die getrennte Erziehung von Mädchen und Jungen in den Jugendorganisationen "Hitlerjugend" (HJ) und "Bund Deutscher Mädel" (BDM) legten, gab es bei den Swing-Kids keine Geschlechtertrennung.

Den Nazis war dies ein Dorn im Auge. Sie nutzten es als Propagandamittel, um den ausschweifenden Lebensstil der Swing-Kids anzuprangern. Für diese gehörten Sex und Alkohol zu ihrem "Lifestyle" - zumindest nach außen.

Sprachliche Eigenheiten

In Briefen, die sich Swing-Kids untereinander schrieben, finden sich viele englische Ausdrücke, und auch die Gespräche wurden mit englischen Sprachfetzen durchsetzt. Die Swing-Kids gaben sich untereinander englische Namen. Bei den Männern waren Frank, Bobby, Teddy, bei den Frauen Blackie, Micky und Dolly die beliebtesten. Auf der Straße sprach man sich unkonventionell an beispielsweise mit "Swing-Girl", "Jazz-Katze", "Swing-Puppe" oder "Old Boy".

Bei den Begrüßungen zog man gern die nationalsozialistischen Begrüßungsformeln ins Lächerliche. So hieß es nicht "Sieg heil", sondern "Swing heil", und aus "Heil Hitler" wurde "Heil Hotler" (in Anlehnung an das Wort "Hotten", das von dem Begriff "hot music" als Bezeichnung für Jazz abgeleitet worden ist). "Hotten" war ein szeneinterner Ausdruck für "Tanzen", ein "Hotter" war ein Swing-Tänzer. Wörter wie "Lässigkeit" oder "Lottern" entstammten ebenfalls dem Jargon der Swing-Kids.

In manchen Kreisen war sogar die Verwendung von jüdischen Wörtern wie "meschugge" oder Ausdrücke wie "koschere Musik" etabliert, was nicht unbedingt als Sympathiebezeugung für die jüdische Bevölkerung gemeint war, sondern eher um der Provokation willen eingesetzt wurde.

Mann mit Hut, weitem Sakko, Weste, Schal und schwarzweißen Schuhen. Er schnippst mit den Fingern. Links und rechts von ihm steht mit großen Buchstaben das Wort 'Swing' an der Wand. (Rechte: AKG)

Die Swing-Mode: Lässig und elegant

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Die Mode

Die Jugendlichen kleideten sich nach englischen und amerikanischen Vorbildern. Dies brachte ein Outfit hervor, das bewusst dandyhaft und elegant wirken sollte. Die Jungen trugen karierte, weite und lange Sakkos, Anzüge und Mäntel. Unverzichtbar waren die Accessoires Hut und Regenschirm. Letzterer wurde auch bei gutem Wetter mitgeführt. Die Haare trug man möglichst lang, ungefähr in Schulterlänge. Die nach hinten gekämmte Haarpracht wurde mit Zuckerwasser oder Haarpomade in Form gebracht.

Die Mädchen kleideten sich bewusst feminin. Kurze Röcke betonten die Figur, lange Hosen unterstrichen das selbstbewusste Auftreten. Eine Zigarette, die mit Hilfe einer langen Zigarettenspitze geraucht wurde, war unverzichtbar. Make–up und Dauerwelle durften ebenfalls nicht fehlen.

Ausstellungsbroschüre von 1938: Zu sehen ist ein Schwarzer mit Zylinder und Ohrring, der Saxofon spielt und einen Judenstern trägt. Darunter steht: 'Entartete Musik. Eine Abrechnung von Staatsrat Dr. H. S. Ziegler'. (Rechte: AKG)

Swing galt als "entartete" Musik

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Konflikte mit der nationalsozialistischen Ideologie

Die Swing-Kids sahen sich nicht als Teil des politischen Widerstands. Häufig besuchten sie am Samstag zunächst die Veranstaltungen von HJ und BDM, um sich anschließend privat zu treffen und mit Swing-Musik eigene Partys zu feiern.

Doch die Swing-Kids fielen durch ihr Verhalten und ihre Lebensart aus den Idealvorstellungen der Nationalsozialisten heraus, mit deren Ideologie sie schon bald in Konflikt gerieten. Die deutsche Frau sollte sich nicht schminken und nicht aufreizend kleiden. Die männlichen Swing-Kids, auch Swing-Heinis oder Tango-Jünglinge genannt, waren das Gegenteil von dem, was man sich unter einem Hitlerjungen vorstellte. Sie gaben sich weder drahtig noch soldatisch, sondern trugen anstelle des von der HJ propagierten Kurzhaarschnitts ihre Haare lang.

Bisweilen setzten die Swing-Kids sogar auf offene Provokation gegenüber den Machthabern. So parodierten etwa 1941 rund 60 Swing-Jugendliche auf dem Hamburger Hauptbahnhof den Empfang hoher Nazi-Persönlichkeiten. Schick herausgeputzt erwarteten sie zwei Freunde, die beim Aussteigen aus dem Zug laut bejubelt und mit "Reichsstatistenführer" begrüßt wurden. Die beiden ließen sich von ihren Freunden fotografieren und zum Ausgang geleiten, wo schon eine Pferdekutsche wartete, die sie durch die Stadt fuhr. Diese Parodie erboste die NS-Führung und hatte die Verhaftung der wichtigsten Beteiligten zur Folge, die an die Front geschickt wurden.

Emailschild mit der Aufschrift: 'Swing tanzen verboten. Reichskulturkammer. (Rechte: ddp)

Die Nazis verboten den Swing recht bald

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Verfolgung...

Nationalistische Kreise hatten schon in Zeiten der Weimarer Republik gegen die amerikanische Jazz-Musik gewettert. Bereits 1931 gab es das erste regionale Swing-Verbot in Thüringen.

nmittelbar nach der Machtübernahme wurde in der beliebten Radiosendung "Berliner Funkstunde" schon keine Swing-Musik mehr gespielt. Diese Art der Musik galt von nun an als "musikalischer Untergang des Abendlandes".

In vielen Cafés wurden Schilder mit der Aufschrift "Swing tanzen verboten" aufgehängt. Die Nationalsozialisten begannen mit ihrer Jagd auf die Swing-Kids. Aus ihrer Sicht schädigten sie die "deutsche Volkskraft". Herumhängen anstatt zu arbeiten – ein schlechtes Vorbild, das in den Augen der Nationalsozialisten keine Schule machen durfte. Die Anhänger dieser "entarteten" Musik galten als "degeneriert", "krank" und "kriminell veranlagt". Strikt verboten war das "Abhören von Feindsendern". Tatsächlich wurden nach dem Sendeverbot im deutschen Rundfunk 1935 vermehrt ausländische Sender gehört. Nur so war an die neueste Musik heranzukommen. Nur so konnte sie aufgezeichnet und schwarz verkauft werden.

... und Internierung

1940 nahmen die Verhaftungen von Swing-Jugendlichen zu. Vor allem die finanziell weniger gut gestellten Mitglieder der Szene wurden zur "Umerziehung" in Arbeitslager gesteckt. Ein großer Teil der Jugendlichen starb in Jugendkonzentrationslagern an körperlicher Erschöpfung und mangelnder Ernährung.

In Folge der Repressionen seitens der Nazis bildete sich unter den Swing-Kids erster politischer Widerstand. Es kam zu vereinzelten Kontakten zum Hamburger Teil der "Weißen Rose".

Viele der Jugendlichen verloren in Arbeits- und Konzentrationslagern ihr Leben für ihre Liebe zur Jazz- und Swing-Musik. Einige wenige konnten durch ihre Mitgliedschaft in Lagerorchestern dem Tod entgehen, andere schafften es, einer Verhaftung durch unauffälliges Verhalten auszuweichen.

Alexandra Stölzle, Gabriele Trost, Stand vom 01.06.2009

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