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Diaspora

Der Begriff Diaspora stammt aus dem Griechischen und bedeutet "Verstreutheit". Ursprünglich lebte das jüdische Volk vereint in einem Land, wenn auch in zwei Königreichen: Israel und Juda. Nach der Zerstörung der beiden Reiche (586 vor Christus) flohen tausende von Juden entweder ins Ausland oder wurden vertrieben. Damit entstand eine neue Gruppe von Auslandsjuden.

Zwei Planwagen und mehrere Menschen zu Fuß in einer grünen Landschaft. (Rechte: WDR/M.Vendlek)

Die Juden waren ständig auf der Suche nach Heimat

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Aus dem 6. Jahrhundert vor Christus kennen wir zwei große jüdische Zentren in der Diaspora: Ägypten und Babylonien. Beide Gemeinden hatten Bestand und erlebten in den nächsten 2500 Jahren Zeiten des Erfolgs und der wachsenden Bedeutung. Durch ihre engen kulturellen, sprachlichen und religiösen Kontakte zueinander, konnten sie ihre originäre Identität bewahren – auch über diesen langen Zeitraum hinweg und inmitten einer Mehrheit Andersgläubiger. Den Überlieferungen nach kamen zu dieser Zeit auch die ersten Juden an den Küsten Südeuropas an.

Ausschnitt aus der Reihe 'Die Juden – Geschichte eines Volkes'. Darin wird die Metropole Babylon anhand eines Modells beschrieben. Der Großteil der Juden führt im babylonischen Exil zwar ein gutes Leben, doch die Sehnsucht nach der Heimat bleibt trotzdem. (Rechte: WDR / Kersken, Koshofer, Klauser)

Das babylonische Exil (1'57'')
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Diaspora ist überall

Nach der Zerstörung des jüdischen Landes, seiner Umbenennung in Palästina und der Vertreibung der Juden aus Judäa im 1. und 2. Jahrhundert erweiterte sich die bekannte Diaspora. Juden flüchteten zu den bereits bestehenden Gemeinden in Ägypten, Babylonien und Persien. Von dort aus verschlug es sie weiter in den Fernen Osten, nach Nordafrika, in die Länder entlang des Mittelmeers bis ins heutige Frankreich und nach Spanien. Jüdische Händler folgten den römischen Armeen bis ins Rheinland. Bereits im 3. Jahrhundert sind jüdische Gemeinden mindestens in Trier und Köln belegt.

Mit der Verbreitung der heiligen Schriften und der Tradition des Studiums und der Auslegung konnten unabhängige Gemeinden im Geiste des Judentums überall entstehen. Prägend für sie war das Gefühl, im Exil zu leben, auf einer Art Insel in einem Ozean von Nichtjuden. Uneingeschränkt und frei verbreitete sich die jüdische Existenz im Laufe der kommenden Jahrhunderte fast überall auf der bekannten Welt. Von Britannien bis China, von Dänemark bis Äthiopien. Jüdische Königreiche entstanden auf der südlichen arabischen Halbinsel, in Zentralafrika und bei den Khazaren zwischen der Türkei und Russland.

Die Speyerer Altstadt mit Fußgängern, Geschäften und Stadttor. (Rechte: WDR)

Speyer war ein Zentrum jüdischer Gelehrsamkeit

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Zentren des jüdischen Glaubens entstehen

Bald kristallisierten sich vier Zentren der jüdischen Gelehrsamkeit heraus: die beiden konkurrierenden Zentren in Palästina und Babylonien, eines in Nordafrika und eines im heutigen Italien, welches den palästinensischen Traditionen verbunden war.

Im 10. Jahrhundert begann mit der Erweiterung der Ansiedlungsgebiete von Juden nördlich der Alpen ein Prozess der Entfremdung. Im Mittelmeerraum übernahmen die Juden Spaniens, begünstigt durch ihre Tätigkeit als Dolmetscher und Berater an den dortigen Höfen, die Vorreiterrolle. In den nördlicheren Teilen Europas etablierten sich die Städte Speyer, Worms und Mainz als Zentren einer neuen Art jüdischer Gelehrsamkeit. Diese wurde von Traditionen und Konzepten der hauptsächlich deutschen Umgebung beeinflusst. Diese Juden wurden auch Aschkenasim genannt, nach der jüdischen Bezeichnung für das Rheinland und später für ganz Deutschland, Aschkenas.

Auf dem Foto ist eine Hand zu sehen, die mit einer Feder in eine Thorarolle schreibt. (Rechte: dpa)

Auf der ganzen Welt einsetzbar: die Thora

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Verschiedene Konzepte entstehen in Ost und West

Die Geschichte beider Teile des jüdischen Volkes entwickelte sich unabhängig voneinander weiter. Sie hatten mit unterschiedlichen Schwierigkeiten und Voraussetzungen zu kämpfen und entwickelten unterschiedliche Methoden, mit diesen umzugehen. Aber nicht nur das, auch ihre religiösen Riten, Traditionen und Konzepte drifteten auseinander. Auch geografisch blieben die Aschkenasim von den Sephardim, wie die Juden des Mittelmeerraums genannt wurden, getrennt. Die Sephardim mussten von der iberischen Halbinsel fliehen und verbreiteten sich in Nordafrika, den italienischen Republiken, Griechenland, den Balkanstaaten und im Osmanischen Reich. Die Aschkenasim verbreiteten sich weiter Richtung Osten, bis ins heutige Russland.
Die Religion musste sich der jeweiligen Situation anpassen und sich mit lokalen Traditionen und Eigenarten auseinandersetzen. Mit der Auslegung der Schriften konnte jeder Brauch begründet werden. Wichtig war nur, die Schriften zu besitzen.

So sind heute Juden aus Afrika, Indien, Amerika oder Skandinavien nicht nur äußerlich sehr verschieden, sondern auch in ihren Riten und Traditionen. Dennoch haben sie einen wesentlichen, gemeinsamen Kern. Dieser besteht aus gemeinsamer Geschichte, gemeinsamen Mythen, gemeinsamer Sprache und vor allem gemeinsamen Schriften.

Allon Sander / Sybille Hattwich, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Jüdischer Alltag in Deutschland - Alles normal?, 08.01.2009

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