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Der Aufstieg des Menschen

Er ist eng verwandt mit allen Lebewesen der Erde, auch wenn er das nicht immer wahr haben möchte, denn scheinbar ist er der absolute Gewinner im Wettbewerb der Arten: der Mensch. Wie kam es dazu und was unterscheidet ihn so wesentlich von den Mitbewohnern des Planeten?

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Der aufrechte Gang des Menschen (4'16'')
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Der aufrechte Gang

Als alles anfing, waren das Weltall und die Erde schon viele Milliarden Jahre alt. Der Mensch ist ein Spätling. Irgendwann stieg er von den Bäumen, verließ den Wald und übte das Leben in der Steppe. Im hohen Gras war es wichtig, den Überblick zu behalten, um von weitem eine Beute zu erspähen und auch, um nicht selbst Beute eines Raubtieres zu werden. Der aufrechte Gang wurde zum ersten Wesensmerkmal des menschlichen Körpers und war die erste große Revolution in seiner Entwicklung. Sie führte nämlich zur Arbeitsteilung der Gliedmaßen. Beine und Füße übernahmen die Fortbewegung, Arme und Hände wurden frei zum Greifen und Halten. Auch die Schnauze, das wichtigste Greiforgan der Tiere, entwickelte sich nun zurück, die Eckzähne wurden kleiner.

Schematische Darstellung von fünf Entwicklungsstufen des aufrechten Gangs beim Menschen. Ganz links ist ein Affe zu sehen, ganz rechts der moderne Mensch. Dazwischen sind drei Zwischenstufen abgebildet. (Rechte: AKG)

Die Entwicklungsstufen des Gangs

Vergrößern

Die Entwicklung zum Menschen vollzieht sich in vier großen Stufen:

1. Menschenaffe oder Affenmensch? Der sogenannte Australopithecus lebte rund 2 Millionen Jahre vor unserer Zeit in Afrika und Asien und ist in fossilen Funden gut belegt. Sein Gehirnvolumen war deutlich größer als das der Menschenaffen, und sein Gebiss glich schon weitgehend dem eines heutigen Menschen. Mit ihm scheint die Evolution zum entscheidenden Sprung anzusetzen.

2. Seit etwa 1 Million Jahren ist der Homo erectus nachweisbar. Er hat ein kräftiges Überaugendach und einen ausgeprägten Kiefer. Besonders typisch ist der Querschnitt des Schädels mit einem deutlichen Wulst in der Mitte. Seine Spuren verdichten sich in Südostasien (China und Java), in Süd- und Nordafrika und in Europa.

3. Im Jahre 1856 entdeckte Johann Fuhlrott bei einem Spaziergang im Neandertal bei Düsseldorf ein Schädelfragment, Rippen- und Schulterknochen, die dem heutigen Menschen ähnlich waren, aber doch auch deutliche Unterschiede aufwiesen. Sofort gab es heftigen Streit. War das der Vertreter einer ausgestorbenen Menschenrasse oder nur ein deformiertes Einzelexemplar? Nach und nach tauchten immer mehr Belege auf, die den Neandertaler als eine Menschengruppe erwiesen, die etwa 80.000 bis 35.000 Jahre vor unserer Zeit existierte und in Europa, Nordafrika und Vorderasien zu Hause war.

4. Seit etwa 35.000 Jahren gibt es den Homo sapiens mit seiner steilen Stirn und gleichmäßigen Rundung des Schädeldaches. Er ist der heutige Mensch und konnte sich über die Landbrücken der Kontinente weltweit verbreiten. Angesichts der ungeheuren Zeiträume sind die Funde noch immer spärlich. Sie lassen großen Spielraum für Interpretationen. Auch hüten sich die Forscher, ein folgerichtiges Nacheinander der Entwicklungsstufen zu behaupten. Manche Gruppen haben nebeneinander existiert.

Faustkeil aus Feuerstein mit sorgfältig behauenen Kanten. (Rechte: Privatarchiv Harbecke)

Etwa 70.000 Jahre alter Faustkeil

Feuer und Werkzeug

Bei der Suche nach den Eigenschaften, die den Menschen eindeutig vom Tier unterscheiden, interessieren den Forscher nicht nur die körperlichen Merkmale. An jeder Fundstelle hoffen sie auf Spuren einer geistigen Tätigkeit. Erst wenn ein noch so primitives Kulturverhalten nachweisbar ist, spricht man vom Menschen.

Dessen wichtigste Leistung in der Urzeit ist zweifellos die Zähmung des Feuers. Die Menschen lernten, es einzufangen, es zu "füttern" und selbst zu erzeugen. Kein Tier war dazu fähig. Das Feuer bescherte den Menschen Licht in der Nacht und Wärme im Winter. Es machte Nahrungsmittel haltbar und half bei der Bearbeitung der Werkzeuge. Es war der Überlebensfaktor Nummer eins. Sobald die Frühmenschen den aufrechten Gang beherrschten, verwendeten sie ihr "Werkzeug", also ihre Hände,  zum Herstellen weiterer Werkzeuge. Dabei gingen sie planvoll vor und entdeckten immer bessere Lösungen. Der wichtigste Rohstoff war der Stein. Die Faustkeile der Altsteinzeit zeigen verblüffende Ähnlichkeiten im ganzen Besiedlungsgebiet. Offenbar hatten die wandernden Horden Kontakte. Die wirtschaftliche Basis war das Sammeln von Früchten und Wurzeln und die Jagd. Nachweisbar ist die Angriffsjagd mit Stoßspeeren und das Fangen der Tiere in Fallgruben.

Das Bild zeigt die Rekonstruktion eines sitzenden Neandertalers. Er hat ein grobes und breites Gesicht mit niedriger Stirn. (Rechte: Privatarchiv Harbecke)

Rekonstruktion eines Neandertalers

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Gesellschaft und Kultur

Mit dem Auftreten des Menschen war ein Lebewesen entstanden, das sich seiner eigenen Existenz bewusst war und dessen geistige Fähigkeiten zum Motor seiner Zukunft wurden. Über die Gesellschaftsformen der Urzeit lassen sich nur Vermutungen anstellen. Trotz starker Ähnlichkeiten mit tierischen Lebensformen darf man erste soziale Verhaltensweisen annehmen, die sich aus den geistigen Möglichkeiten des Menschen entwickelten. Ein wichtiges Indiz ist die Bestattung der Toten. Die Form des Grabes und Grabbeigaben bezeugen eine Vorstellung vom Weiterleben nach dem Tod. Häufige Doppelgräber (Mann und Frau) und sorgfältige Kinderbestattungen lassen die besondere Rolle der Familie erkennen. Über die religiösen Vorstellungen unserer Vorfahren kann man nur spekulieren. Zweifellos lebten sie auf einer "magischen" Kulturstufe. Naturgewalten, Krankheiten und die ständige Bedrohung durch Raubtiere erzeugten ein Grundgefühl von Angst. Hinter allem gab es gute und böse Geister, die man mit Opferritualen (auch Menschenopfer) gnädig stimmen konnte.

Hölenmalerei aus Lascaux. (Rechte: dpa)

Wandmalereien in der Höhle von Lascaux

Vergrößern

Wandmalereien

In der frühen Jungsteinzeit (seit 35.000 v. Chr.) tauchen erste Versuche des Menschen auf, sich auch künstlerisch zu betätigen. Im hinteren Teil einiger Wohnhöhlen, die offenbar auch als Kultstätten benutzt wurden, entdeckte man Wandmalereien und Spuren kultischer Tänze. Tierzeichnungen sind als Jagdzauber zu deuten. Kleine, weibliche Figuren mit ausgeprägten Brüsten und Hüften betonen das Wunder der Fruchtbarkeit. Überhaupt vermutet man für die Steinzeit einen stark matriarchalischen Zug. Zu welch künstlerischen Höhe die Maler der Frühzeit fähig waren, zeigen die Höhlen von Lascaux (Frankreich) und Altamira (Spanien). Hier entstanden ganze Bildersäle, die für alle Zeit zu den Gipfelleistungen menschlicher Gestaltungskraft gehören.

Ernst Pattas, Stand vom 06.07.2010
Sendung: Von Menschen und Affen - Eine Familienchronik, 07.07.2010

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