Schmuckbeet des Barock
Die Fernwirkung war bedeutsam
Die Bepflanzung der Beete wechselte entsprechend der Jahreszeit. Im Frühling setzte man Zwiebelblumen wie Tulpen oder Narzissen ein. Auf die Frühjahrsblüher folgte einige Wochen später die Sommerbepflanzung mit Stauden oder blühenden Gehölzen. Die Beetanordnung entsprach einem genauen Pflanzplan. Die klassischen Schmuckbeete des Barocks waren lang gestreckt und maßen - wie etwa im Orangerieparterre des Schlossgartens Charlottenburg - zwischen 1,80 und 3,60 Metern. An den Rändern war das Beet meist flach und erhöhte sich bis zur Mitte. Die Pflanzen wurden nach einem genauen Muster angeordnet und farblich genau aufeinander abgestimmt. Meist dominierten kontrastreiche Farben wie Blau und Gelb, Weiß und Schwarz.
Die Beete im Charlottenburger Schlossgarten hatten fünf Blumenreihen mit 25, mindestens jedoch 13 Pflanzen. Je nach Größe des Geländes konnte sich das Blumenmuster auch immer weiter fortsetzen. Die äußeren und mittleren Reihen wurden jeweils parallel mit den gleichen Blumen bepflanzt. Für die Reihen 1 und 5 verwendeten die Gärtner folgende 13 Blumen: blaue Hyazinthen, Aurikeln, klein wachsende weißrosafarbene Wildtulpen, Vergissmeinnicht, gelbe Osterglocken, Aurikeln, gelbe Wildtulpen, Duftveilchen, weiße Osterglocken, rosa Gänseblümchen, Schachbrettblumen, Stiefmütterchen und Perlhyazinthen. Danach wurde die Bepflanzung wiederholt.
In den Reihen 2 und 4 wurden ähnliche Blumen allerdings ein wenig erhöhter gepflanzt. In der dritten, mittleren Reihe, die die anderen Blumenarrangements überragte, nutzte man folgende Pflanzen: Kaiserkrone, Vergissmeinnicht, rot-gelbe Tulpe, Silberblatt, weiße Narzisse, Goldlack, rot-weiße Tulpe, blaues Stiefmütterchen, Kaiserkrone, Silberblatt, Hyazinthe, Gemswurz und Tulpe. Bei dieser Pflanzenanordnung war die Fernwirkung bedeutsam. Die barocken Schmuckbeete sollten schon von Weitem beeindrucken und einen Schimmer von Emaille ausstrahlen. Die Umfassung der Beete im Barock bestand aus Buchsbäumchen, während man in der Renaissance noch Kräuter dafür verwendet hatte.
Teppichbeete im Historismus
Aus den Landschaftsgärten des frühen 18. Jahrhunderts waren Blumenbeete weitgehend verschwunden. Parks sollten ein Spiegelbild der beginnenden Aufklärung sein, die dem Ideal der Freiheit huldigten; darin hatten aufwendige Blumenarrangements keinen Platz. Eine Renaissance erlebten Beete erst wieder in der Zeit des Historismus um 1900. Doch nun hatten sie völlig ihre Gestalt verändert. Blumen sucht man in den Teppichbeeten des Historismus meist vergeblich. Dem Geschmack der Zeit entsprechend wurden die meist üppigen Dekorationen der Häuser, in denen Vasen und Girlanden dominierten, in den Gartenraum verlagert. In den Teppichbeeten wurden oft Wappen oder organische Muster arrangiert. Überwiegend arbeiteten die Gärtner mit Buchsbäumchen, die silberfarbene oder rötliche Blätter hatten. Ihre Wirkung erzielten die Beete dann über die nuancenreichen Farbtöne der Blätter.
Ein typisches Beispiel dieser Beetkunst ist das runde Teppichbeet aus dem Stadtpark von Lahr aus dem Jahr 1898. Ähnlich wie im Barock ist das Beet erhöht. In der Mitte steht eine große Palme. Versetzt zu den vier Girlandenornamenten wurden ebenfalls vier Palmen angeordnet. Häufig nahm man anstatt der Pflanzen auch Figuren oder Vasen. Diese Teppichbeete verkörperten den modischen Höhepunkt der Gartenkunst um 1900.
Sabine Kaufmann, Stand vom 01.06.2009





