Fahndungsmethoden

Das BKA sieht auf diesem Foto im Sonnenschein verspielt und freundlich aus. Zum Schutz gegen die Sonne sind gestreifte Rollos vor die Fenster gezogen. Vor dem Gebäude weht die deutsche Fahne.

RAF

Fahndungsmethoden

Für Regierung und Medien war die RAF lange "Staatsfeind Nr. 1". Entsprechend intensiv war die Suche nach den Mitgliedern der Gruppe. Das Bundeskriminalamt (BKA) wurde in den 1970er Jahren zu einem mächtigen Fahndungsapparat ausgebaut. 1975 wurde in Bonn-Bad Godesberg eine Abteilung des BKA gegründet, die sich ausschließlich der Terrorismusbekämpfung widmete.

Rasterfahndung

"Kommissar Computer" lautete der Spitzname von Horst Herold, der das BKA in den 1970er Jahren leitete. Er entwickelte die Rasterfahndung, bei der Computer private und öffentliche Datenbanken nach bestimmten Merkmalen absuchen.

Um RAF-Mitglieder aufzuspüren, fahndete das BKA nach Menschen, die nicht polizeilich gemeldet waren und Miete oder Strom bar bezahlten. Dabei wurden die Daten der Einwohnermeldeämter mit denen von Energieversorgungsunternehmen und Wohnungsmaklern verglichen.

1979 konnte mit Hilfe der Rasterfahndung das RAF-Mitglied Rolf Heißler festgenommen werden. Trotzdem war das aufwändige Verfahren immer in der Kritik. Nicht nur Datenschützer warfen Herold vor, einen Überwachungsstaat, bewohnt von "gläsernen Menschen", schaffen zu wollen.

Nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts 2006 sind Rasterfahndungen heute nur möglich, wenn eine "konkrete Gefahr" besteht. Aber nicht bei einer "allgemeinen Bedrohungslage", wie sie durch die Anschläge vom 11. September 2001 entstanden ist.

Fahndungsmäppchen

Im September 1977 stattete das BKA Zehntausende Polizisten mit kleinen Fahndungsmäppchen aus, die in die Brusttasche der Uniform passten. Darin waren Fotos der gesuchten RAF-Terroristen abgebildet, mit genauen Zeichnungen ihrer Münder, Nasen und Augen.

Eine Polizistin hält ein Fahndungsblatt.

Die gesamte Öffentlichkeit sollte sich an der Fahndung beteiligen

Außerdem wurden Angaben über Eigenarten der gesuchten Personen gemacht. Darunter: "Gebraucht häufig die Worte: 'Au warte'." Oder auch: "raucht Haschisch, gutes Organisationstalent."

GSG 9

Die Grenzschutzgruppe (GSG) 9 wurde 1972 nach der Geiselnahme bei den Olympischen Spielen als Anti-Terror-Einheit gegründet. Die Einstellungskriterien für ihre 250 Mitglieder: Überdurchschnittlich intelligent, top trainiert, vielsprachig, technisch versiert und vieles mehr.

Viele befreite Geiseln drängen sich die Treppe der blau-weißen Lufthansa-Maschine hinunter auf die Landebahn in Frankfurt am Main.

Nur sieben Minuten dauerte der GSG-9-Einsatz

Der erste Auftrag der Sondereinheit war die Befreiung der Geiseln aus der Lufthansa-Maschine "Landshut" in Mogadischu, mit denen die inhaftierte RAF-Spitze freigepresst werden sollte. Alle 91 Geiseln im Flugzeug konnten gerettet werden, drei Entführer wurden erschossen. Der gelungene Einsatz machte die GSG 9 weltbekannt und verschaffte ihr ein hohes Ansehen unter den internationalen Spezialeinheiten.

Bad Kleinen

"Die Einsätze der GSG 9 finden grundsätzlich unbemerkt von der Öffentlichkeit statt", heißt es auf der Homepage der Bundespolizei. Für den Einsatz in Bad Kleinen am 27. Juni 1993 trifft dies keinesfalls zu – er sorgte für großes öffentliches Interesse.

Protest nach dem Einsatz in Bad Kleinen.

Protest nach dem Einsatz in Bad Kleinen

Bei dem Versuch, die RAF-Mitglieder Wolfgang Grams und Birgit Hogefeld festzunehmen, gab es Tote. Der 26-jährige GSG-9-Beamte Michael Newrzella und Grams starben auf den Gleisen des mecklenburgischen Kleinstadtbahnhofs. Grams habe den Beamten erschossen und anschließend Selbstmord begangen, hieß es vor Gericht.

Aber es gab immer wieder Stimmen, die behaupteten, Wolfgang Grams sei von einem Mitglied der GSG 9 regelrecht hingerichtet worden. Auch die Eltern von Grams glaubten nicht an Selbstmord und klagten sich durch alle Instanzen – vergeblich. Innenminister Rudolf Seiters trat als Folge der Aktion von seinem Amt zurück.

Fahndungsplakate

Die Mitglieder der RAF guckten immer grimmig. Zumindest auf den Fahndungsplakaten, die das BKA auf Bahnhöfen aushängte. Heute sind die Plakate begehrte Sammlerware. Das Bundeskriminalamt gibt jedoch keine mehr heraus – zum Schutz der Persönlichkeitsrechte freigelassener Mitglieder.

RAF-Fahndungsplakat.

RAF-Fahndungsplakat

2007 entbrannte ein heftiger Streit um Aufnahmen von Mitgliedern der zweiten und dritten Generation der RAF. Sollten die ehemaligen Terroristen das Recht haben, sich nach der Verbüßung ihrer Haftstrafe unerkannt zu bewegen? Um eine Resozialisierung zu ermöglichen, müssten ihre Bilder aus den Medien verschwinden und Bücher gesäubert werden.

Oder sind ihre Fotos Teil der nationalen Geschichte, wie das Foto vom toten Studenten Ohnesorg? Das Oberlandesgericht Hamburg und das Landgericht Berlin entschieden in zwei Fällen zugunsten der ehemaligen Terroristen und untersagten den Abdruck von Bildern aus den 1980er Jahren.

Fahndung heute

Mehr als zehn Jahre nach der Selbstauflösung der RAF fahndet das Bundeskriminalamt noch immer nach drei flüchtigen Terroristen: Ernst-Volker Staub, Daniela Klette und Burkhard Garweg. Für Hinweise, die zur Festnahme führen, sind Belohnungen in Millionenhöhe ausgelobt. Fahndungsplakate gibt es heute nicht mehr, dafür Fotos und Zeichnungen im Internet auf der Seite des BKA.

Drei Schwarzweiß-Fotografien der gesuchter RAF-Mitglieder Staub, Klette und Garweg.

Gesucht: Staub, Klette und Garweg

Autorin: Christine Buth

Stand: 08.05.2018, 09:43

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