Rüstung und Ausrüstung

Ritter

Rüstung und Ausrüstung

Aus unzähligen Filmen sind sie uns bekannt, die Bilder der Ritter hoch zu Ross, in voller Eisenmontur mit Schild und Lanze auf den Feind zureitend. Die Rüstung, das äußere Erkennungsmerkmal des Ritters, gilt noch heute als Symbol für Stärke und Sicherheit. Auch im Sprachgebrauch ist sie noch präsent, so kann sich jemand "entrüsten" oder "gut gerüstet" sein. Doch bis der Ritter komplett in Eisen gehüllt war, hat seine Ausrüstung im Laufe der Jahrhunderte so manche Wandlung durchlebt.

Der lange Weg vom Panzerhemd zum Vollharnisch

Zeichnung eines Schwerts mit Schild

Gut gerüstet in den Kampf

Zu Beginn des Rittertums bestand die Rüstung aus dem Panzerhemd der fränkischen Panzerreiter, einem nach römischem Vorbild kurzärmeligen Schuppenpanzer aus Tausenden kleiner eiserner Plättchen, als Beinschutz dienten Ledergamaschen oder Metallschienen. Durch oströmische Einflüsse während der Kreuzzüge wurde das Panzerhemd zum knielangen Kettenhemd samt Kettenstrümpfen, aus den Plättchen wurden Ringe. Hergestellt wurden die Panzerhemden von Plattnern. Mit dem Aufkommen der Kettenpanzer entstand das mittelalterliche Handwerk der Sarwürker. Sie fertigten aus Eisen die Ringe an, die von Hand in mühseliger Kleinarbeit miteinander verkettet wurden, um dem Ritter einen optimalen Schutz gegen Schnitt- und Stichwunden zu bieten.

Auch der Helm zeigte sich immer wieder in neuem Look: Ließ er anfangs das Gesicht noch komplett ungeschützt, konnte der Nasalhelm um 1050 bereits mit einem Extraschutz für die Nase und rund hundert Jahre später mit einer zusätzlichen Visierplatte aufwarten. Das gesamte Gesicht bedeckte dann ab circa 1220 der Topfhelm. Der brachte jedoch die eine oder andere Tücke mit sich, vor allem war der Ritter nicht mehr in der Lage, im Kampf seinen Gegner zu erkennen. Dadurch wuchs die Bedeutung der Wappen, die nun immer mehr als Erkennungszeichen einer Familie oder eines Standes fungierten und als kunstvoll gemalte oder gestickte Bilder den Topfhelm zierten.

Mit der Zeit hatte dieser sich jedoch zu einem wahren Ungetüm ausgewachsen. Das rief die Beckenhaube mit beweglichem Visier auf den Plan. Spitz nach vorne gezogen erinnerte sie an eine Hundeschnauze, was ihr schnell den Spitznamen "Hundsgugel" einbrachte. Großer Beliebtheit erfreute sich dann im Spätmittelalter der Schaller, nach hinten spitz ausgezogen und mit festem Visier.

Ab Mitte des 13. Jahrhunderts hatte das Kettenhemd als alleiniger Schutz ausgedient: Das war die Geburtsstunde des Brustpanzers aus Eisen, angepasst an die Körperform, getragen über dem Kettenhemd. Als zu Beginn des 14. Jahrhunderts Kniekacheln und Metallplatten für Arme und Beine hinzukamen, war der Ritter fast ganz in die Plattenrüstung eingeschlossen.

Komplett in Metall gehüllt war er dann gegen Ende des Jahrhunderts mit dem Eisen- oder Stahlharnisch. Dieser bot zwar größtmögliche Sicherheit, doch eines hatte der Ritter nicht bedacht: Durch die immer schwerer werdende Rüstung wurde er gleichsam immer unbeweglicher.

Das Schwert war dem Ritter heilig

Im Kampf agierte der Ritter hauptsächlich mit zwei Arten von Waffen: der Stoß- und der Schlagwaffe. Begann der Kampf, setzte er als Erstes seine Stoßlanze ein, die es auf die beachtliche Länge von drei Metern schaffte. Eine spezielle Art der Lanze, die Turnierlanze, kam wohl im 13. Jahrhundert auf. Sie bestand aus leicht splitterndem Nadelholz, das eigentlich eine höhere Sicherheit gewährleisten sollte - der französische König Heinrich II. starb allerdings 1559 genau an dem splitternden Schaft eben einer solchen Lanze.

Als Inbegriff des Rittertums gilt und galt jedoch das Schwert. Die lange, beidseitig geschliffene Schlagwaffe kam in der Schlacht meist im Nahkampf zum Einsatz, oder wenn die Lanze gebrochen war. Darüber hinaus hatte das Schwert für den Ritter auch symbolischen Wert, mitunter wurde es als regelrecht heilig angesehen. Häufig sprachen die Menschen den Schwertern sogar übernatürliche Kräfte zu und gaben ihnen eigene Namen.

Neben diesen beiden gängigsten Waffen griffen die Ritter aber auch auf anderes Kriegswerkzeug zurück wie den Streitkolben, den Morgenstern und die Streitaxt - mit ihr konnten sie sogar Rüstungen aufreißen. Dem Schild, der in Form und Farbe stark variieren konnte, kam eine Sonderstellung unter den Waffen zu: Er diente nicht nur dem Schutz vor Angriffen, der Ritter konnte auch selbst Schläge damit austeilen. Das Wesentliche aber, was den Ritter vom einfachen Fußsoldaten unterschied, war das Pferd. Erst dadurch wurde er zum echten Reiterkrieger.

Ohne Ross kein Ritter

Eine außerordentliche Stellung in der Ausrüstung des Ritters kommt seinem Pferd zu. Es war sein Statussymbol, von ihm hing seine Existenz als Krieger ab. Doch damit nicht genug: Ein Ritter musste im Besitz gleich mehrerer Pferde sein. So brauchte er ein Reisepferd, ein Saumpferd, das seine Rüstung tragen musste, und das schwere, besonders wertvolle Pferd für die Schlacht, das im 11. Jahrhundert einem Wert von fünf bis zehn Ochsen entsprach.

Ging es in den Kampf, trug nicht nur der Ritter eine Rüstung, sondern auch das Schlachtross war gepanzert. Das war allerdings erst seit den Kreuzzügen so, als die Ritter zunehmend auf Gegner wie die Fußsoldaten trafen, die sich nicht an die ritterlichen Standesregeln gebunden sahen. Diese untersagten nämlich streng die vorsätzliche Tötung der äußerst kostbaren, eigens für den Kampf trainierten Tiere.

Erst kurz vor dem Angriff, nachdem seine Knappen ihn auf den Pferderücken gehievt hatten, übernahm der Ritter hoch zu Ross Lanze und Schild, und die Einheit aus Mann, Rüstung und Pferd war bereit für die Schlacht. Das Streitross zeichnete sich übrigens weniger durch besondere Schnelligkeit als durch Wuchtigkeit aus. Da sich aber die gesamte Energie dieses Trios in der Spitze der Lanze bündelte, hatte es im Kampf eine immense Durchschlagskraft.

Mit der Verbindung des Ritters mit seinem Pferd stand und fiel sein Erfolg. War das Ross kampfunfähig oder sogar tot, wurde er in der Schlacht schnell zu leichter Beute. Funktionierte die Einheit aus Mensch und Tier jedoch, sahen sich seine Gegner einem nur schwer zu schlagenden Feind gegenüber. Ein muslimischer Gelehrter brachte es während der Kreuzzüge auf den Punkt: "Wenn ein Franke einmal in Fahrt gekommen ist, könnte er die Mauern von Bagdad durchbrechen."

Autor/in: Leonie Schmid

Stand: 23.10.2014, 13:00

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