Alltag der Ritter

Leben auf der Burg 05:37 Min. Verfügbar bis 07.10.2020

Ritter

Alltag der Ritter

Auch wenn der Mythos uns anderes vermittelt: Ritter verbrachten weder den Großteil ihrer Zeit Schwert schwingend im Schlachtengetümmel, noch zogen sie tagaus tagein für die "gute Sache" durchs Land. Vielmehr lebten auch sie einen Alltag, der gestaltet sein wollte und den weit mehr ausfüllte als des Ritters Rolle als tollkühner Krieger.

My home is my castle

Der Ritter und seine Burg – diese Begriffe scheinen untrennbar verbunden. Dabei konnten sich die vielen einfachen Ritter als Behausung meist nur ein Steinhaus im Dorf leisten. Und selbst die Höherrangigen, die es auf eine Burg schafften, lebten dort großteils nicht als Burgherren, sondern als deren Angestellte.

Der Alltag auf einer solchen Burg war weit weniger romantisch, als es aus heutiger verklärter Sicht erscheinen mag. Spärlich möbliert waren Wohn- und Schlafräume, vollgestopft mit Kriegsgerät die engen dunklen Kammern neben den Stallungen – dienten die Burgen doch vornehmlich zu Schutz und Verteidigung ihrer Bewohner.

Wohlige Wärme konnte das mit Holz entfachte Feuer in den klammen Kemenaten kaum erzeugen. Vor allem die Bewohner vornehmerer Burgen trotzten ihren zugigen Räumen durch Holzvertäfelungen, Wand- und Bodenteppiche ein behaglicheres Wohnklima ab.

Wohl fühlten sich darin auch die allseits anwesenden ungebetenen Gäste: Ratten huschten über die Burgböden, Läuse machten sich derweil sogar auf den Köpfen der Bewohner breit. Unheil drohte auch von oben, in Form von herabfallendem Ungeziefer, wovor der Betthimmel Schutz bot.

Zwar waren die damaligen hygienischen Verhältnisse dürftig, doch besaßen immerhin einige Burgen des Spätmittelalters Badestuben, in denen große Bottiche zum Bad einluden; das nötige Warmwasser erhitzte man in Kesseln über offenem Feuer – auf offener Feuerstelle erfolgte auch die Zubereitung der Speisen in der Burgküche.

Mittelalterliche Burgküche

Mittelalterliche Küche

Der Ritter lebt nicht vom Kampf allein

Ein Mahl nach Art der alten Rittersleut’ – wer denkt da nicht an üppige Tafeln, die sich unter deftigen Speisen biegen?

Die Wirklichkeit sah meist anders aus: Zwar verzehrten die Ritter deutlich mehr Fleisch als einfache Leute, meist Rind, Schwein oder Wild, doch war für alle das Getreide das wichtigste Grundnahrungsmittel, Frischkost hingegen war nur wenig angesagt.

Weizen, Dinkel und Hirse kamen als Brot oder Brei auf den Tisch, Fladenbrot aus Roggen- oder Hafermehl diente für Fleischspeisen sogar oft als Teller. Aus heutiger Sicht bemerkenswert: Je reicher der Ritter, desto heller und somit ärmer an Mineralstoffen sein Brot.

Ähnlich paradox verhielt es sich mit den Süßigkeiten. Hauptsächlich die Höherrangigen leisteten sich Konfekt und süßten auch andere Speisen mit viel Honig, und so waren just deren Zähne, falls überhaupt noch vorhanden, vermehrt von Karies geplagt.

Auch Gewürze waren sehr beliebte Ingredienzien ritterlicher Mahlzeiten. Wie der Honig dienten sie dazu, Geruch und Geschmack des oft verdorbenen Fleisches und Fisches zu übertünchen. Wer seinen Reichtum zur Schau stellen wollte, griff gerne auf teure Gewürze aus fernen Ländern zurück, beispielsweise Safran, Ingwer oder Zimt, und pfefferte sogar des Ritters Lieblingsgetränk, den Wein.

Ölgemälde von Pieter Brueghel: Essen bei einer mittelalterlichen Hochzeit.

Auch auf einfachen Festen gab es häufig Brei zu essen

Kleider machen Ritter

Als Statussymbol fungierte auch die ritterliche Garderobe, war doch im Mittelalter den einzelnen Ständen eine bestimmte Art der Bekleidung vorbehalten. Blieben die Kleider der Ritterfrauen über Jahrhunderte hinweg lang, überraschte die mittelalterliche Männermode mehrmals mit wechselnder Länge des ritterlichen Gewands – lange Hosen im heutigen Sinne gab es nicht.

Im 10. Jahrhundert trug der Ritter ein knielanges Kleid, darunter die bruoch, eine leinene mittellange Unterhose, ähnlich der heutigen Boxershorts, an der zwei einzelne Hosenbeine, die Beinlinge, befestigt wurden.

Als im 11. Jahrhundert die Kleider der Frauen von zunehmender Raffinesse zeugten und schließlich bis zum Boden reichten, wollte der stolze Ritter seinem "weib" in nichts nachstehen: Er hüllte sich ebenfalls in Unterkleider und Röcke, die es mit ihrer Länge gleichfalls bis zum Boden schafften.

Erst im 14. Jahrhundert besannen sich die Recken erneut auf die Vorteile eines kürzeren Kleids. Sie trugen wieder knielang, die Vorderseite des Rocks dabei oft zum Mini gekürzt, damit die schönen ritterlichen Beine besser zur Geltung kamen. Das rief natürlich die Kirche auf den Plan, die diese "Unsitte" sogleich einzudämmen versuchte.

Allseits beliebt zu dieser Zeit war auch die "gugel", ein Mantel mit Kapuze, deren Zipfel manchmal mit einem Glöckchen verziert war.

Während die Bauern einfache Kleidung in gedeckten Tönen zu tragen hatten, pflegten die Ritter ihre kostbaren Stoffe in bunten grellen Farbkombinationen zur Schau zu stellen. Oft waren die Gewänder in einem Stilmix mehrfarbig gemustert oder gestreift – letzter Schrei waren verschiedenfarbige Beinlinge.

Gemälde zweier Ritter in blau-weißen Gewändern, im Hintergrund ein rotes Pferd

Gekleidet, um aufzufallen

Ritteralltag: "Saure Wochen! Frohe Feste!"

Jenseits aller Eitelkeiten hatte der Ritter in seinem Leben abseits der Kriegsfront alltäglichen Pflichten nachzugehen. So musste er die landwirtschaftliche Arbeit der Bauern wie das Säen, Düngen, Ernten und die Weinlese überwachen. Und auch die Rechtsprechung im Namen des Lehnsherrn lag in seinen Händen.

Besonders gerne widmete er seine Zeit aber der Jagd. Sie diente der Nahrungsbeschaffung, gleichzeitig war sie sein liebstes Vergnügen. Das Erlegen gefährlicher Tiere erlebte er, von klein auf zum Kämpfen erzogen, als Abenteuer, bei dem er Mut und Tapferkeit unter Beweis stellen konnte.

Vor allem für Jungritter eigneten sich zum Erproben ihrer Kriegstechniken die Turniere. Diese Kampfspiele in Rüstung mit Waffen zu Pferde existierten in den drei unterschiedlichen Formen "Buhurt", "Tjost" und "Turnei". Mit etwas Glück fanden die angehenden Ritter schon in ihrem ersten Turnier einen Dienstherrn und mit ihm auch gleich einen Job.

Glanz in den Alltag brachten rauschende Feste nach so manchem Turnier, aber auch zu sonstigen besonderen Anlässen. Nach einem üppigen Mal vergnügten sich die Gäste mit Musik und Tanz. An den langen Winterabenden entspannte sich der Ritter im Kreise seiner Familie mit allerlei Spielen wie Schach, Blinde Kuh und Hasch mich, bis es im Frühling dann oft wieder hieß: Auf in den Kampf!

Nachgestellte Szene: Zwei Lanzenreiter beim Ritterturnier

Auf Turnieren konnten sich junge Ritter beweisen

Autorin: Leonie Schmid

Stand: 29.12.2017, 13:00

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