Neandertaler

Konnten die Neandertaler sprechen?

Wie verständigten sich die Urzeitmenschen?

Von Andrea Wengel

Seit 1983 in der Kebara-Höhle in Israel ein Neandertaler-Zungenbein gefunden wurde, vermuten viele Wissenschaftler, dass die Neandertaler sprechen konnten: Der kleine Knochen sitzt an Muskeln und Bändern, die eine Artikulation mit der Zunge möglich machen. Weil das Zungenbein aussieht wie unseres, muss man anzunehmen, dass der Neandertaler anatomisch in der Lage war zu sprechen.

Genetiker des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie haben außerdem einen weiteren Anhaltspunkt für das Sprachvermögen der Neandertaler entdeckt. Sie besaßen wie der moderne Mensch auch das Sprachgen FoxP2, noch dazu in der gleichen Variante wie wir.

Die Forscher rätseln jedoch, wie umfangreich sein Wortschatz war, ob er eine Grammatik hatte und wie die Sprache geklungen haben mag. Einige vermuten, dass die Vokale a, i und u sowie die Konsonanten g und k für ihn Zungenbrecher waren. Ob ihre Sprache deshalb primitiver war als unsere, wissen wir nicht.

Einige Forscher nehmen sogar an, dass schon die Neandertaler ihre Erfahrungen mündlich an ihre Nachfahren weitergegeben haben. Ein Indiz dafür findet sich in den Pyrenäen nahe dem heutigen Städtchen Mauran. Dort wurden 4000 Wisente getötet – eindeutig zu viele für ein einmaliges Jagdglück.

Über Jahrhunderte hinweg müssen hier Neandertaler immer im Herbst an der gleichen Stelle den Tieren den Weg ins Tal abgeschnitten haben. Das spricht nicht nur dafür, dass sie Organisationstalent besaßen und gut planen konnten. Sie müssen ihr Wissen auch an ihre Kinder weitergegeben haben.

Quelle: SWR | Stand: 22.06.2020, 17:40 Uhr

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