Heilfasten im Mittelalter

Hildegard von Bingen (1098-1179) in einer Bildpostkarte

Fasten

Heilfasten im Mittelalter

Von Horst Basting


Im 11. Jahrhundert erkannte eine Frau das Fasten als Weg zu einem gesunden Körper und Geist. Man könnte sie als die Urmutter des Heilfastens bezeichnen. Wie heißt sie?

Bei der charismatischen Frau handelt es sich um Hildegard von Bingen (1098-1179), der großen Mystikerin und ersten deutschen Naturärztin des Mittelalters. In ihrer Heilkunde geht es um die Hinwendung zu sinnvoller und maßvoller Lebensführung. Das Fasten hatte dabei eine große Bedeutung: "Fasten ist wesentlich mehr als nichts essen – es öffnet Türen nach innen."

Das Heilfasten nach Hildegard von Bingen unterscheidet sich von herkömmlichen Fastenkuren. Sie sah im Fasten eine gute Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Dinkel und Gemüse, Gewürze und Tees, die wie pflanzliche Medikamente wirken, spielen dabei eine Rolle. So gibt es das Dinkel-Obst-Gemüse-Fasten, die Dinkel-Reduktionskost, das Dinkelbrot-Fasten und das Hildegard-Saft-Fasten.

Und so wird es gemacht:

Dinkel-Obst-Gemüse-Fasten

Bei dieser Fastenart geht es um den Verzicht auf Fleisch und tierische Fette. Ziel ist es, den Umstieg auf eine fleischarme Dauerernährung zu erleichtern.

Ein Fastentag kann dann so aussehen: Zum Frühstück gibt es Hafermus oder ein bis zwei Scheiben Brot mit Johannisbeergelee. Zum Mittagessen gibt es Risotto und Salat oder Gemüselaibchen und Salat und zum Abendessen Grießsuppe oder Kürbiscremesuppe.

Dinkel-Reduktionskost

Bei der Dinkel-Reduktionskost isst der Fastende jeden zweiten Tag dreimal täglich Dinkelbrot, bis sich ein Sättigungsgefühl einstellt. Mittags darf er statt Brot auch Dinkel-Kopfsalat essen. Wichtig ist, jeden Bissen gut zu kauen. Dazu und zwischendurch trinkt er viel Fencheltee.

An den anderen Tagen gibt es nach den Ernährungsprinzipien der Hildegard von Bingen viel Gemüse, Obst und Dinkel in jeder Form. Zum Beispiel: Flockenmus oder Dinkelkörnermus zum Frühstück, zum Mittagessen Fenchelschiffchen oder Zucchiniküchlein und zum Abendessen Apfel-Topfen-Auflauf oder Mangoldsuppe.

Dinkelbrot-Fasten

An zwei Entlastungstagen ernährt sich der Fastende fettarm und verzichtet auf Fleisch und Hartkäse. Morgens vor dem Zähneputzen und abends nach dem Zähneputzen nimmt er einen Kaffeelöffel Birnbrei, um den Körper bei der Ausleitung von Schlackenstoffen zu unterstützen.

An den Brotfastentagen gibt es dreimal täglich zwei Tage altes, am besten selbstgebackenes Dinkelbrot und Kräutertees. Morgens und abends wird weiterhin ein Kaffeelöffel Birnbrei eingenommen. Abends kann auch statt des Brots ein Teller Dinkelgrießsuppe gegessen werden.

Hildegard-Saft-Fasten

Auch hier beginnt das Fasten mit zwei Entlastungstagen. An diesen Tagen wird auf Nikotin, Koffein, Alkohol und Fleisch verzichtet. Morgens und abends gibt es ein bis zwei Kaffeelöffel Birnbrei.

Die Fastentage sehen dann folgendermaßen aus: Zum Frühstück gibt es Fencheltee, zum Mittagessen eine klare Fastenbrühe oder Brühe mit püriertem Gemüse und zum Abendessen gibt es Fencheltee, gemischt mit Apfel-, Trauben- oder Johannisbeersaft oder eine Dinkelbrühe.

Wie auch beim Heilfasten nach Buchinger sollte der Fastende sich vom Arzt beraten lassen, ob diese Fastenart für ihn infrage kommt. Bei bestimmten Vorerkrankungen wie akuten Infektionskrankheiten, Krebs oder Depression ist diese Fastenart nicht geeignet.

Aus: Brigitte Pregenzer, Brigitte Schmidle: Hildegard von Bingen – Einfach fasten, Tyrolia Verlag, Innsbruck 2004, ISBN: 3-7022-2569-2

Stand: 17.03.2017, 10:00

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