Die Treatment Action Campaign

Aktivisten der Treatment Action Campaign

Aids

Die Treatment Action Campaign

Von Sine Maier-Bode

Südafrika ist eines der weltweit am stärksten von Aids betroffenen Länder. Grund dafür waren jahrzehntelang die fehlende Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit, das fehlende Engagement der eigenen Regierungen und die viel zu hohen Medikamentenpreise.

Aids als weltweites Problem

Am 1. Dezember 1998 wurde deswegen in Südafrika die Treatment Action Campaign (TAC) gegründet. TAC ist eine Nichtregierungsorganisation, in der fast alle Mitglieder ehrenamtlich arbeiten. Ein großer Teil von ihnen ist HIV-positiv.

Die wichtigsten Anliegen von TAC sind die intensive Aufklärungsarbeit und der Kampf um bezahlbare Medikamente für HIV-positive Menschen in Südafrika.

HIV ist ein weltweites Problem. Ende 2017 waren schätzungsweise 36,9 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert. Auch in Europa und in den USA infizieren sich jedes Jahr tausende Menschen neu, aber eine Infektion mit HIV kommt hierzulande nicht mehr einem Todesurteil gleich. Die Krankheit ist mit Medikamenten in Schach zu halten.

Protestzug von mehr als 10.000 Demonstranten im Februar 2003 in Kapstadt. Auf den Schildern stehen Slogans wie 'Stop AIDS' und 'Aids Treatment now'.

Protestmarsch für HIV- und AIDS-Kranke in Kapstadt

Doch trotz der medizinischen Fortschritte: HIV/Aids ist nach wie vor nicht heilbar, und das Virus breitet sich immer noch aus. Zurzeit trifft es die Länder Afrikas südlich der Sahara am stärksten.

Aber Experten der Weltgesundheitsorganisation befürchten, dass sich die Situation in Asien und Osteuropa bald ähnlich entwickeln könnte, falls niemand rechtzeitig etwas gegen die Ausbreitung des HI-Virus unternimmt.

Deshalb wurde 2001 der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria gegründet. Er setzt sich unter anderem dafür ein, dass internationale Patente die Produktion billiger Nachahmerpräparate für Aidskranke, sogenannter Generika, nicht länger blockieren.

Der Fonds hatte Erfolg: Noch im selben Jahr sprach sich die Welthandelsorganisation dafür aus, dass Entwicklungsländer bei nationalen Notständen Generika erhalten oder produzieren dürfen.

Südafrikas verlorene Zeit im Kampf gegen Aids

In Südafrika wurde erst zehn Jahre, nachdem Aids dort aufgetaucht war, die erste nationale Aids-Konvention auf den Weg gebracht. 1994, als der Afrikanische Nationalkongress (ANC) unter Nelson Mandela die Macht übernommen hatte, sah man sich immer noch Strukturen gegenüber, die die Durchsetzung eines Anti-Aids-Programms schwer machten.

Dennoch erließ Südafrika ein Gesetz, das endlich auch einen Zugang zu billigen Nachahmermedikamenten im Lande ermöglichen sollte, da die für die Aids-Therapie unerlässlichen Medikamente nicht bezahlbar waren und immer noch sind.

Ein aidskranker schwarzer Junge liegt abgemagert in einem Krankenhausbett.

Dieser Junge starb kurz nach der Aufnahme

Gegen diesen Gesetzesvorstoß reichten Pharmakonzerne allerdings Klage ein. Die Nachfolgeregierung unter Thabo Mbeki (1999 bis 2008) sah keine Notwendigkeit, dagegen anzugehen.

Schlimmer noch, Mbeki selbst äußerte sich jahrelang dahingehend, dass ein Zusammenhang zwischen dem HI-Virus und Aids fraglich sei und bezweifelte öffentlich den Sinn einer medikamentösen Therapie.

Die Folgen seiner Politik waren für das Land verheerend. Allein 35.000 Babys wurden in dieser Zeit mit dem Virus infiziert. Da das Thema Aids öffentlich tabuisiert wurde, fehlte es jahrelang an vernünftiger Aufklärungsarbeit. Etwa zwölf Prozent der Südafrikaner sind inzwischen mit dem HI-Virus infiziert.

Anders als in Nordamerika und in den mitteleuropäischen Ländern sind mehr als die Hälfte der Infizierten Frauen. Jede Dritte zwischen 25 und 29 Jahren ist nach Angaben von UNAIDS, der Aids-Organisation der Vereinten Nationen, HIV-positiv.

Da der HI-Virus auch bei der Geburt übertragen werden kann, ist die Infektionsrate bei Neugeborenen erschreckend hoch. Dies ist eines der großen Probleme, vor dem viele afrikanische Regierungen im Moment stehen.

Ein weiteres ernstes Problem: Die Aids-Pandemie hat zahlreichen Kindern die Eltern genommen. UNAIDS schätzt, dass es 2014 2,3 Millionen Aidswaisen in Südafrika gab.

Der größte Sieg von TAC

Seit 1998 begann TAC die Öffentlichkeit zu informieren – über die Gefahren von Aids, über die Schutzmaßnahmen und über die theoretische Möglichkeit, an Medikamente zu gelangen. Zu dieser Zeit gab es schon zahlreiche Länder, die Generika herstellten, und einige Länder, die diese einführten, um ihren Kranken helfen zu können.

Aus dem Bildhintergrund schaut ein Mann auf mehrere Dosen, Flaschen und Pillenpackungen mit Aids-Medikamenten, die im Vordergrund übereinander liegen und stehen.

Preiswerte Aids-Medikamente aus Indien

Das Interesse der Bevölkerung an den Aktionen der Treatment Action Campaign wuchs mit der Hoffnung auf mögliche Hilfe. Immer mehr Menschen waren nicht mehr dazu bereit, Aids zu ignorieren, die Gegebenheiten hinzunehmen und der Krankheit hilflos ausgeliefert zu sein.

2001 mobilisierte TAC tausende Menschen, um – gemeinsam mit der Regierung – gegen die Klage der Pharmakonzerne vorzugehen. Sie hatten Erfolg: Die Klage konnte abgewendet werden.

Doch der Erfolg war nur von kurzer Dauer. Schon bald zeigte sich, dass sich im Land selbst nichts änderte. Die Regierung gab bekannt, dass antiretrovirale Medikamente in Kliniken nicht angewendet werden dürften.

Ebenfalls 2001 klagte TAC gegen die südafrikanische Regierung und hatte wieder Erfolg. Seitdem ist in Südafrika eine Therapie zugelassen, die die Übertragung des Virus' von der Mutter auf das Kind verhindern kann.

Einen Monat zuvor hatte das Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim das Medikament Nevirapin, das die Mutter-Kind-Übertragung reduziert, Entwicklungsländern kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Der Oberste Gerichtshof verpflichtete die Regierung, die Behandlung mit Nevirapin zuzulassen und darüber hinaus, einen Plan auszuarbeiten, der allen schwangeren HIV-positiven Frauen die Behandlung mit Nevirapin ermöglichen soll.

Umdenken notwendig

6,8 Millionen Menschen in Südafrika sind laut UNAIDS mit dem HI-Virus infiziert, allein 2014 kamen 340.000 neue Fälle hinzu. Auch dank einiger Nicht-Regierungs-Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen werden Aids-Patienten in Südafrika inzwischen mit Generika therapiert.

An einer roten Backstein-Hauswand hängt ein weißer Kondomautomat mit bunter Aufschrift und Aids-Schleife, in dessen Fach versiegelte Kondome liegen. Eine der Aufschriften bedeutet übersetzt 'Greif zu - kostenlose Kondome'.

Kostenlose Lebensrettung

Nach den Jahren der Untätigkeit hat Südafrika heute das weltweit größte Gesundheitsprogramm gegen Aids. Im Mai 2016 kündigte der südafrikanische Gesundheitsminister eine große Kampagne an mit dem Ziel, die Aids-Epidemie bis 2030 zu besiegen.

Weiterführende Infos

Stand: 01.12.2016, 10:00

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