Schutz vor Ansteckung

Wann ist HIV ansteckend? 01:52 Min. Verfügbar bis 15.06.2021

Aids

Schutz vor Ansteckung

Von Sine Maier-Bode, Wiebke Ziegler und Hildegard Kriwet

Es gibt unterschiedliche Wege, sich mit dem HI-Virus anzustecken. Ist man erst einmal infiziert, trägt man das Virus ein Leben lang in sich. Der beste Schutz vor Ansteckung ist daher die Prävention.

Wann besteht die Gefahr einer Ansteckung?

Im Film "Philadelphia" wird ein Anwalt (gespielt von Tom Hanks) entlassen, weil er an Aids erkrankt ist. Der Film endet mit einem Urteilsspruch gegen seine Arbeitgeber.

Ein HIV-Infizierter darf nicht entlassen werden, denn eine Krankheit ist kein Kündigungsgrund, solange keine völlige Arbeitsunfähigkeit besteht und die Krankheit keine Gefahr für die anderen Mitarbeiter darstellt.

Es dauerte lange, bis die Gesellschaft gelernt hatte, dass Aids zu den relativ schwer übertragbaren Krankheiten gehört. Es gibt nur wenige Möglichkeiten, sich mit HIV zu infizieren. Die Ansteckung läuft über die Schleimhäute oder offene Wunden und kann durch Körperflüssigkeiten wie Blut, Sperma oder Muttermilch geschehen.

Gefahrenzeichen Aids.

Vor Ansteckung schützen

Größtes Risiko: ungeschützter Geschlechtsverkehr

Die meisten Menschen infizieren sich mit dem Virus während des Geschlechtsverkehrs. Hier kann sowohl die Samenflüssigkeit des Mannes als auch die Scheidenflüssigkeit der Frau ansteckend wirken.

Auch beim Oralverkehr oder bei Zungenküssen besteht theoretisch eine Ansteckungsgefahr. Voraussetzung ist immer, dass die infizierte Flüssigkeit auf die Schleimhaut oder in eine offene Wunde des gesunden Menschen gelangt.

Zweisamkeit im Bett.

Viele stecken sich beim Geschlechtsverkehr an

Ist eine HIV-infizierte Frau schwanger, besteht die Gefahr, dass sich auch das Kind ansteckt: im Mutterleib, während der Geburt oder über die Muttermilch. Inzwischen kann eine Ansteckung des Kindes in vielen Fällen durch bestimmte Maßnahmen wie einen Kaiserschnitt verhindert werden.

Eine Infektion über Blut kann dann entstehen, wenn viel infiziertes Blut in eine offene Wunde eintritt. Besonders gefährlich sind unsaubere Blutkonserven. In den 1980er Jahren haben sich in Deutschland auf diesem Weg mehrere tausend Bluter infiziert.

Inzwischen ist eine Übertragung durch Blutkonserven nahezu ausgeschlossen, da Blutprodukte sehr strengen Kontrollen unterliegen.

Ebenfalls gefährlich sind verunreinigte Spritzen, wie sie von Drogenabhängigen verwendet werden. Oft benutzen mehrere Abhängige dieselbe Spritze. Ist einer mit dem Virus infiziert, ist die Gefahr einer Ansteckung für die anderen extrem hoch.

Eine Ansteckung auf anderem Wege ist höchst unwahrscheinlich. Die Menge des infizierten Blutes muss relativ groß sein und auf eine offene Wunde treffen. Zudem überlebt das Virus nicht lange außerhalb des Körpers. Eine gemeinsame Benutzung von Geschirr, Bad oder Toilette ist daher ungefährlich.

Wie kann ich mich und andere schützen?

Gegen den häufigsten Ansteckungsweg, nämlich den über Sexualkontakte, schützt am einfachsten das Kondom. Auch wichtig zu wissen: HIV-Positive, die erfolgreich mit antiretroviralen Medikamente behandelt werden und dies regelmäßig ärztlich kontrollieren lassen, sind fast gar nicht mehr ansteckend. Die Viruslast ist dann unterhalb der nachweisbaren Grenze.

Mehrere Dutzend durchsichtige, rote und schwarze Kondome liegen ausgepackt nebeneinander auf einer weißen Tischplatte.

Kondome schützen

Das gilt auch für Sexualkontakte – so leben viele HIV-Positive inzwischen mit HIV-negativen Partnern zusammen, ohne Kondome zu benutzen. Die Schweizer Eidgenössische Kommission für Aidsfragen sagte schon im Jahr 2008, dass unter optimalen Bedingungen das Risiko einer HIV-Übertragung vernachlässigbar sei.

Für therapierte HIV-Positive bedeutet das eine große Erleichterung, da sie in vielen Ländern als Kriminelle behandelt werden, wenn sie ungeschützten Verkehr haben.   

Viele Menschen wissen oft jahrelang nicht, dass sie infiziert worden sind, und können andere anstecken. Man sieht ihnen die HIV-Infektion auch nicht an. Daher gilt immer noch: kein Sex ohne Kondom, wenn man das Risiko einer Ansteckung nicht ausschließen kann, etwa durch einen HIV-Test.

Ein Medikament zur Vorsorge?

Seit etwa 2012 ist bekannt, dass das Medikament "Truvada" – eine Pille, mit der HIV-Positive behandelt werden – auch vorbeugend gegen eine Ansteckung schützt. Fachleute nennen das PREP (Präexpositionsprophylaxe).

Seit 2014 wird Truvada in den USA auf Rezept für bestimmte Risikogruppen verschrieben. Vor allem von Prostituierten oder anderen Menschen mit wechselnden Sexualpartnern wird die Möglichkeit, sich auf diese Weise medikamentös zu schützen, begrüßt.

Aids-Experten hierzulande, wie etwa der HIV-Forscher Norbert Brockmeyer, halten es für ein wirksame Hilfe, die aber eine sehr gut kontrollierte Einnahme erfordert. Zudem nehmen völlig Gesunde ein Medikament, das erhebliche Nebenwirkungen haben kann.

Das Medikament muss regelmäßig eingenommen werden, denn anders als eine Impfung wirken die Tabletten nicht über einen langen Zeitraum.

Falls man fürchtet, sich mit HIV angesteckt zu haben, gibt es die Möglichkeit, vier Wochen nach der potenziellen Ansteckung HIV-Medikamente einzunehmen – je eher, desto besser. Ärzte nennen das PEP (Postexpositionsprophylaxe).

Weiterführende Infos

Stand: 01.12.2017, 10:00

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