Epilepsie

Eine ältere Frau am EEG.

Krankheiten

Epilepsie

Von Gregor Delvaux de Fenffe

Die Symptome der Epilepsie sind meist schwerwiegend. Schlimmer sind für viele Betroffene aber die psychischen und sozialen Folgen. Plötzliche Krampfanfälle mitten in der Fußgängerzone, unkontrollierte Schreie, Schaum auf den Lippen – Unwissende halten Epilepsiekranke für psychisch krank. Die ständige Angst vor Aussetzern schränkt das Leben vieler Patienten ein.


Epilepsie – eine Krankheit?

Epilepsie ist keine Krankheit im eigentlichen Sinne. Wenn ein Mensch einen epileptischen Anfall erleidet, wird ein Arzt nicht gleich ein Medikament gegen Epilepsie verschreiben. Epilepsie ist meist Folge, nicht Ursache der Erkrankung. Das heißt, der behandelnde Arzt versucht im jeweiligen Fall herauszufinden, was die Epilepsie verursacht hat.

Gründe gibt es zahlreiche: zum Beispiel ein äußeres Trauma, eine organische Verletzung am Kopf durch einen Autounfall, eine Gehirnerschütterung nach einem Sturz. Die Ursache kann auch in einer schweren Krankheit liegen, in einem Tumor etwa oder in einer Hirnhautentzündung.

Risikofaktoren

Nur zwischen 0,5 und ein Prozent der Deutschen sind epilepsiekrank, doch fünf Prozent erleiden einmal im Leben einen epileptischen Anfall. Man spricht in diesen einmaligen Fällen von einem sogenannten Gelegenheitsanfall, bei dem eine äußere Stimulation einmalig zu einem Krampf geführt hat.

Ausgelöst werden kann dieser Gelegenheitsanfall – genau wie Anfälle Epilepsiekranker – von bestimmten Risikofaktoren, wie gesteigerter Alkoholkonsum, Schlafmangel, heftige Hell-Dunkel-Wechsel oder Lichtreflexe, zum Beispiel in Discotheken.

In den Entwicklungsländern liegt die Quote epilepsiekranker Menschen bei etwa zwei bis drei Prozent, weil die Menschen vor Ort medizinisch oft nur unzureichend behandelt werden können. Physische Traumata sowie Kopfverletzungen und ihre Folgen haben dort verheerendere Konsequenzen als bei uns.

Der Raum einer Disco mit vielen jungen Leuten.

Epileptiker sollten Discos meiden

Genetische Veranlagung

Ist Epilepsie eine genetische, eine vererbte Krankheit? Wird man als Epilepsiekranker geboren? Keineswegs. Epilepsie ist eine Veranlagung, eine genetisch bedingte Neigung. Es ist aber keine Erbkrankheit, wie zum Beispiel die Bluterkrankheit.

Viele Menschen haben zum Beispiel eine genetische Veranlagung zur Diabetes, aber nur in bestimmten Fällen bricht die Zuckerkrankheit auch aus. Selbst wenn ein Mensch mit einer Epilepsieveranlagung auf die Welt kommt, sind Reize nötig, um die Krankheit auszulösen. Die Medizin spricht von sogenannten Realisationsfaktoren.

Nehmen wir an, zwei Menschen in einem Auto erleiden einen Unfall. Beide Insassen haben zufälligerweise exakt die gleichen schweren Kopfverletzungen. Bei einem von ihnen kommt es zum Ausbruch einer Epilepsie – der andere hat keine epileptischen Folgeerscheinungen. Der eine hat also die Neigung zur Epilepsie, der andere nicht.

Unterschiedliche Erscheinungsformen

Epilepsie hat viele Gesichter. Manche Menschen sind so schwer betroffen, dass sie tagtäglich oder stündlich Krämpfe erleiden. Andere wiederum erleben epileptische Attacken überaus selten.

Auch die Ausprägung der Erkrankung fällt sehr unterschiedlich aus. Manche Epilepsiekranke leiden unter kurzen Ausfallserscheinungen, kleinen Entrückungen. Die sogenannten Absencen fallen Umstehenden unter Umständen nicht einmal auf.

Menschen, die hingegen Grand-Mal-Attacken erleiden – so werden die großen Anfälle genannt – fallen urplötzlich hin, verlieren das Bewusstsein, während der Körper von schweren Krämpfen und Zuckungen heimgesucht wird.

Aura einer Epilepsie

Oft überfällt der Krampf den epilepsiekranken Menschen, manchmal kündigt sich ein epileptischer Anfall aber auch an. Es gibt Patienten die unmittelbar vor einem Anfall einen komischen Geruch, ein seltsames Geräusch oder einen bestimmten Geschmack wahrnehmen.

Es sind besondere Sinneseindrücke, die einen direkt bevorstehenden epileptischen Anfall signalisieren. Man spricht dann von der sogenannten Aura einer Epilepsie: Anzeichen, die der betroffene Patient nach einiger Erfahrung als Warnzeichen aufzufassen lernt.

Rote aderhafte Linien auf schwarzem Hintergrund.

Besondere Sinneseindrücke können einen Anfall ankündigen

Leben mit Einschränkungen

Epilepsiekranke führen kein einfaches Leben. Im Alltag erfahren sie immer wieder Einschränkungen. Ein Paradebeispiel ist der Führerschein. Ein Epilepsiekranker muss von einem Arzt bescheinigt bekommen, dass er zwölf Monate keinen Anfall hatte. Dann darf er wieder Auto fahren.

Viele Berufsfelder bleiben von vornherein versperrt, wie etwa Busfahrer, Kapitän oder Pilot. Auch andere Berufe, die jederzeit vollkommene Konzentration und physische Kontrolle verlangen, können Epilepsiekranke häufig nicht ausüben. Dazu zählen beispielsweise Dachdecker, Holzfäller, Tischler oder Chemiker – Berufe, in denen mit gefährlichen Substanzen oder Werkzeugen hantiert wird.

Ein Busfahrer in seinem Bus

Berufswunsch Busfahrer – für Epileptiker tabu

Medikamente und ein ausgeglichener Lebensstil helfen meist

Manche Epilepsiekranke können aber dank Medikamenten (Antiepileptika) und bewusster Begegnung mit dem Krankheitsbild ein normales Leben führen. Ausreichend Schlaf ist sehr wichtig und ein ausgeglichener Lebensstil, der sich meist positiv auf die Belastung durch Epilepsie auswirken kann.

Gefährlich ist dagegen übermäßiger Alkoholkonsum. Geringen Einfluss auf die Anfälle haben psychischer Stress und Koffein.

Stand: 04.09.2019, 13:37

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