Der Epilepsie begegnen

Computerillustration: Blitze schlagen in das Gehirn eines Menschen ein

Epilepsie

Der Epilepsie begegnen

Von Gregor Delvaux de Fenffe

Das zunächst einmal sehr dramatisch wirkende Bild eines Anfalls, das Schäumen, Zucken, das Krampfen und Schreien eines Menschen bei einem Epilepsie-Anfall ist meist befremdlich. Bei Umstehenden, die den Anfall erleben, löst eine solche Attacke oft Ängste aus

Ist Epilepsie eine Geisteskrankheit?

25 bis 30 Prozent geistig behinderter Menschen, die zum Beispiel bei der Geburt durch Sauerstoffmangel geschädigt wurden, haben Epilepsie. Das führt oft zu der vorschnellen Annahme, Epilepsie bedeute Zurückgebliebenheit oder eine psychische Störung. Das ist falsch: Das Symptom epileptischer Anfall ist immer vorübergehend und hat mit einer geistigen Beeinträchtigung nichts zu tun.

Weist Epilepsie emotionale Begleiterscheinungen auf?

Das Thema der Wesensveränderungen bei Epilepsie-Erkrankten ist ein sensibles Kapitel. Ein schweres Epilepsie-Leiden bleibt zunächst einmal nicht ohne Folgen. Betroffene Menschen leiden unter der subjektiv empfundenen Andersartigkeit, unter der Angst vor dem nächsten Anfall, unter den Einschränkungen sozialer und beruflicher Art, unter sozialer Ausgrenzung.

Neben diesen Belastungen können auch Medikamente Nebenwirkungen verursachen – in manchen Situationen können Epilepsiekranke etwa müder sein oder langsamer reagieren. Aber die generelle, pauschale Feststellung, Epilepsieerkrankungen gingen mit Wesensveränderungen einher, beruht auf Vorurteilen und entspricht nicht der Realität.

Ein Berg aus Tabletten

Die Medikamente können schläfrig machen

Wie soll man sich verhalten, wenn man Zeuge eines epileptischen Anfalls wird?

Viele Menschen sind überfordert, wenn sie einen epileptischen Anfalls sehen. Wichtig ist, von Anfang an Ruhe zu bewahren. Untätige Schaulustige sollte man bitten, weiterzugehen.

Bei einer Grand-Mal-Attacke können Außenstehende nicht direkt helfen, sie können den Krampf nicht unterbinden oder beenden. Man kann aber den Krampfenden begleiten. Keinesfalls sollte man den Betroffenen festhalten oder die Gliedmaßen fixieren. Genauso wenig darf man ihm den Mund öffnen, um etwas zwischen seine Zähne zu schieben.

Stattdessen sollten Außenstehende darauf achten, dass sich der Epilepsiekranke nicht verletzt. Sie sollten zum Beispiel etwas Weiches unter seinen Kopf legen. Anschließend sollten sie den Patienten nach seinem Anfall nicht alleine lassen und ihm helfen, wenn er verwirrt reagiert oder dämmerig ist.

Spielfiguren eines Gesellschaftsspiels. Eine schwarze Figur steht abseits der bunten Figuren

Epileptiker werden oft ausgegrenzt

Wie viel Diskriminierung erfahren Epilepsiekranke heute im Alltag?

Es gibt sicher noch viel Aufklärungsbedarf und Vorurteile gegenüber Epilepsiekranken sind immer noch häufig. Aber in den vergangenen Jahrzehnten hat die Aufklärungsarbeit schon große Fortschritte erzielt. Besonders Ärzte sind dazu angehalten aufzuklären und Vorurteile abzubauen.

Auch die Selbstorganisation der Epilepsiekranken ist heute sehr weit fortgeschritten, etwa durch zahlreiche Selbsthilfegruppen. Nach wie vor ist die berufliche Benachteiligung von Menschen mit Epilepsie aber ein zentrales Problem.

Stand: 04.09.2019, 10:43

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