Die "Herzogin Anna Amalia Bibliothek"

Rokokosaal der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek

Bibliotheken

Die "Herzogin Anna Amalia Bibliothek"

Von Sabine Kaufmann

Die "Herzogin Anna Amalia Bibliothek", eine der ersten Fürstenbibliotheken in Deutschland, gehört fest zum Ensemble der Weimarer Klassik. Seit 1998 zählt sie deshalb zum Weltkulturerbe der Unesco.

Blütezeit im grünen Schloss

Gegründet wurde die Bibliothek im Jahr 1691 als "Herzogliche Bibliothek". Sie hatte ihr erstes Domizil im Weimarer Stadtschloss mit einem Anfangsbestand von 500 Büchern. Eine richtige Dynamik erlebte die Bibliothek durch den Umzug in das Grüne Schloss mit dem berühmten Rokokosaal.

Unter der Herzogin Anna Amalia, Regentin des Kleinstaates und bedeutende Buchliebhaberin, begann die Blütezeit der Bibliothek. In der neuen Umgebung des Grünen Schlosses war die Bibliothek für die Öffentlichkeit besser zugänglich. Gleichzeitig wuchs die Büchersammlung rasch an.

In etwa 70 Jahren, zwischen 1766 und 1832, kamen 100.000 Bände zu den bereits vorhandenen 30.000 hinzu. Der Schwerpunkt der Sammelgebiete lag im schöngeistigen und musischen Bereich. Gesammelt wurden Kunst- und Geschichtsbücher; europäische Belletristik und zahlreiche Musikhandschriften krönten den Bestand.

Unter Johann Wolfgang von Goethe, der von Herzog Carl August zum leitenden Bibliothekar berufen wurde, erlebte die Bibliothek eine zweite Glanzzeit. Kostbare Bücher wurden in seiner Amtszeit erworben, die Verwaltung reformiert und dringende Baumaßnahmen getätigt.

Fortschrittlich war die Ausleihregel: An zwei Vormittagen in der Woche konnten Bücher für drei Monate ausgeliehen werden.

Raub der Flammen

Im 19. und 20. Jahrhundert kamen nur noch wenig bedeutende Bestände hinzu. Die finanziellen Mittel wurden eingeschränkt. Die Sammlung konzentrierte sich auf den thüringischen Raum, quasi auf die Geschichte vor der eigenen Haustür. In der DDR wurde die Weimarer Bibliothek mit einer Institutsbibliothek vereinigt, deren Schwerpunkt auf klassischer deutscher Literatur lag.

Zu ihrem 300-jährigen Gründungsjubiläum im Jahr 1991 wurde die Bibliothek umbenannt und erhielt den Namen der engagierten Herzogin Anna Amalia.

In die Schlagzeilen geriet die Bibliothek im September 2004, als ein verheerendes Feuer im Dachstuhl ausbrach. Es war der größte Bibliotheksbrand nach dem Zweiten Weltkrieg. Das dritte Geschoss und die Mansarde wurden Opfer der Flammen. Den größten Verlust erlitt die Musikaliensammlung: Zahlreiche Unikate und Handschriften verbrannten im Feuer.

Dennoch konnten große Teile der Literatursammlung gerettet werden, wie etwa mittelalterliche Handschriften, die weltweit größte Faust-Sammlung und Nietzsches Privatbibliothek. Mehr als 21.000 Bände mussten restauriert werden. Das durch den Brand stark in Mitleidenschaft gezogene Gebäude der Bibliothek mit dem berühmten Rokokosaal wurde im Oktober 2007 wieder für Besucher geöffnet.

Der brennende Dachstuhl der Bibliothek.

Ein verheerendes Feuer im Dachstuhl

Stand: 10.01.2020, 14:10

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