Internat Summerhill

Porträt-Aufnahme des schottischen Pädagogen, Autors und Gründer der Summerhill School in Leiston

Erziehung

Internat Summerhill

Im Jahr 1921 gründete der Pädagoge Alexander Sutherland Neill das berühmte Internat Summerhill. Summerhill gilt als eine der weltweit ersten Schulen, die sich auf demokratische Grundsätze des Lernens beruft. Das für die damalige Zeit außergewöhnliche Credo des Gründers: "Die Aufgabe eines Kindes ist es, sein eigenes Leben zu leben – weder das Leben, das seine ängstlichen Eltern für richtig halten, noch ein Leben, das sich nach dem Ziel eines Erziehers richtet, der glaubt, es am besten zu wissen."

"Neue deutsche Schule"

Die Anfänge von Summerhill liegen in der "Neuen deutschen Schule" der Künstlerkolonie Hellerau. Diese bei Dresden angesiedelte Neue Schule vereinigte viele Ansätze der Reformpädagogik, die eine liberale Grundhaltung vertrat und sich gegen die damals üblichen Paukschulen wandte. Neill war einer der Geldgeber, unterrichtete dort ein halbes Jahr und gliederte ihr später seine erste eigene Schule an.

Doch der Schulgründer Neill, zunächst vom dort herrschenden Enthusiasmus begeistert, ärgerte sich zunehmend über seine allzu idealistischen Kollegen. Diese verurteilten Kino, Tabak und Alkohol rigoros. Neill dazu: "Wir … hatten andere Ideale! Wir waren gewöhnliche Menschen, die Bier tranken und rauchten und Foxtrott tanzten. Unsere Absicht war es, unser eigenes Leben zu leben, während wir den Kindern freistellten, ihr eigenes Leben zu leben. Wir gingen davon aus, dass Kinder ihre eigenen Ideale bilden würden."

So verlegte Neill die Schule zwei Jahre nach ihrer Gründung nach Österreich auf den Sonntagberg. Dort kam es allerdings zu Konflikten mit der örtlichen Bevölkerung und der österreichischen Schulbehörde. Noch im selben Jahr zog die Schule nach Lyme Regis in Südengland auf den Summerhill, von dem sie ihren endgültigen Namen bekam. Erst 1927 gelangte das Internat an seinen heutigen Standort nach Leiston in der englischen Grafschaft Suffolk.

Idee einer "freien" Erziehung

Seit der Schulgründung 1921 wurden Hunderte von Jungen und Mädchen nach den Grundsätzen des Schulleiters Neill erzogen. Erzieherisches Prinzip war, dem Kind bei seiner Entwicklung jede nur mögliche Freiheit zu lassen. Die Autorität der Erwachsenen sollte verschwinden, Vertrauen zu zwischenmenschlichen Beziehungen hergestellt werden.

Drei Hauptmerkmale, die Neill für Summerhill festlegte, waren die Selbstverwaltung, das selbstbestimmte Lernen und die Freiheit von Moralvorstellungen. Den Kindern wurde zwar viel Freiheit gegeben, doch ganz ohne Regeln ging es nicht. Die Idee war die einer freien Erziehung, was während der Studentenbewegung in den 1960er Jahren häufig als "frei von Erziehung" missverstanden wurde.

Bis heute ist in Summerhill die Teilnahme am Unterricht freiwillig. Neill ging davon aus, dass Kinder lernen wollen. Da nur interessierte Schüler am Unterricht teilnehmen, ist dieser entsprechend effektiv und das Lernklima angenehm. Es gibt keine Hausarbeiten, Zensuren oder Prüfungen.

Regeln werden demokratisch beschlossen

Vorschriften zu Sicherheit, Gesundheit und Ordnung des gemeinsamen Lebens werden nicht von oben erlassen, sondern jede Woche in einer Schulversammlung diskutiert, beschlossen und bei Bedarf wieder aufgehoben.

Jeder Schüler besitzt das gleiche Stimmrecht wie die Lehrer. Obwohl zunächst vorwiegend schwierige Kinder nach Summerhill kamen, wurden aus den Schülern entgegen vielen Vorurteilen keine verdorbenen, sondern gesunde und kreative Menschen.

Nach dem Tod von A. S. Neill 1973 übernahm seine Frau Ena und ab 1985 die Tochter Zoë Neill Readhead die Leitung des Internats. Etwa 90 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen fünf und 17 Jahren wachsen dort auf. Die Schüler kommen aus der ganzen Welt nach Summerhill, um dort unterrichtet zu werden.

Autorin: Claudia Heidenfelder

Stand: 14.11.2018, 09:08

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