Tabak – ein Kraut für alle Fälle?

Kupferstich: blühende Tabakpflanze.

Nikotin

Tabak – ein Kraut für alle Fälle?

Tabak gehört zu den ältesten, begehrtesten, vielseitigsten, aber auch zu den umstrittensten Kulturpflanzen. Die Tabakpflanze wurde, als sie im 15. Jahrhundert den Weg nach Europa fand, auch als Ziergewächs für die Gartengestaltung verwendet.

Darum geht's:

  • Nikotin ist einer der giftigsten Pflanzenwirkstoffe.
  • Das größte Tabakanbaugebiet in Deutschland liegt in der Pfalz.
  • Die Ernte der Tabakblätter ist Handarbeit.
  • Tabakpflanzen werden auch für medizinische Zwecke verwendet.
  • Die Tabakpflanze sichert sich durch einen Trick die Nachkommenschaft.

Interessante Verwandtschaftsverhältnisse

Die Tabakpflanze ist der natürliche Produzent von Nikotin, das zu den giftigsten Pflanzenwirkstoffen überhaupt gehört. Als Inhaltsstoff von Rauchwaren ist es gesundheitsschädlich, in Medizin und Pharmazie gilt es als nützlicher Bestandteil von Medikamenten und ist vielseitig einsetzbar.

Die Tabakpflanze gehört zur großen Familie der Nachtschattengewächse und ist folglich eng verwandt mit Kartoffel und Tomate, aber auch mit der hochgiftigen Tollkirsche und der Engelstrompete.

Die botanische Bezeichnung Nicotiana und die Bezeichnung für den giftigen Inhaltsstoff, das Nikotin, gehen zurück auf den Franzosen Jean Nicot. Der stellte Mitte des 16. Jahrhunderts erste Versuche mit der Heilwirkung der Blätter an.

Die Gattung der Nicotiana umfasst 65 bekannte Arten. Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Tabakpflanze sind Latein- und Mittelamerika sowie der südliche Teil Nordamerikas.

Als wichtigste Art gilt Nicotiana Tabacum, die Grundlage des Virginiatabaks, der meistgerauchten Tabaksorte. Eine der nikotinreichsten Arten ist der Bauerntabak, der Nicotiana Rustica.

Ein Tabakbauer mit einem Strohhut auf dem Kopf und einer Zigarre im Mund hält ein großes grünes Tabakblatt.

Tabakanbau in Deutschland ist ein lukratives Geschäft

Die Tabakpflanze hat mittelgroße, hellgrüne, nicht allzu dicke Blätter und treibt je nach Sorte schöne rosafarbene oder gelbe Blüten. Je nach Wachstumsstand erreicht sie eine Höhe von zwei Metern.

Sie gilt, unter optimalen Bedingungen und guter Pflege, als leicht zu kultivieren. Dementsprechend groß und weit verbreitet sind heute die Anbaugebiete der Nutzpflanze, deren Blätter in getrockneter Form als Rohstoff für die Tabakherstellung genutzt werden.

In Deutschland befindet sich das größte Anbaugebiet in der Pfalz. Das Nikotin, das in den Wurzeln gebildet und in Blättern und Blüten abgelagert wird, dient zur Abwehr von Fraßschädlingen. Wegen des hohen Nikotingehaltes wird Tabak als Droge eingestuft.

Aussaat, Aufzucht und Ernte

Tabakpflanzen werden aus Saatgut gezogen und als junge Pflanzen im Mai, wenn kein Frost mehr droht, auf die Felder gesetzt. Während des Wachstumsprozesses benötigen die Pflanzen ausreichend Dünger, denn ihr Kalium- und Kalziumbedarf ist sehr hoch.

Hat die Pflanze schließlich eine Höhe von circa 1,50 Metern erreicht und beginnen sich die untersten Blätter im Spätsommer gelblich zu verfärben, kann die Ernte, das Tabakbrechen, beginnen.

Ein Mann trägt auf seinem Kopf zusammengebundene grüne Tabakblätter.

Tabakernte im badischen Oberrheintal

Das Tabakbrechen erfolgt, ähnlich wie beim Wein, mit der Hand und ist dementsprechend arbeitsintensiv. Die Landwirte stellen deshalb Saisonarbeiter ein. Geerntet wird von unten nach oben, indem man die Blätter am Stiel abbricht. Allerdings werden pro Erntegang immer nur die untersten Blattreihen gebrochen. Weitere vier bis sechs Erntegänge erfolgen dann im Abstand von je einer Woche.

Empfindliches und pflegebedürftiges Pflänzchen

Rohtabak wird hergestellt, indem man die geernteten Blätter in Scheunen zum Trocknen aufhängt. Durch diesen Prozess werden die frischen grünen Blätter mit der Zeit gelblich braun.

Tabakblätter sind zum Trocknen aufgehängt. Ein Mann prüft den Trocknungsgrad der braunen Blätter.

Zum Trocknen aufgehängte Tabakblätter

Da die ehemals nur in subtropischen Gebieten heimische Pflanze auch in vielen gemäßigten Klimazonen wächst und gedeiht, wird Tabak nicht nur in den Ursprungsländern angebaut, sondern mittlerweile auch auf dem Balkan, in Zentraleuropa und in Asien.

Für einen lohnenden Anbau eignen sich allerdings nur Regionen, die der Tabakpflanze nicht nur Wärme, sondern auch genügend Feuchtigkeit bieten. Optimal sind Durchschnittstemperaturen von mindestens 15 Grad. Darunter ist das Wachstum gehemmt.

Bei null Grad werden die Blätter, die für die Tabakherstellung benötigt werden, dauerhaft geschädigt. Bei Minustemperaturen stirbt die Pflanze ab. Auch starker Wind und Hagel schädigen die Blätter und machen sie für die Tabakindustrie unbrauchbar.

Medizin aus Nikotin

Dass sich Tabak nicht nur als Rauchware nutzen lässt, haben schon die amerikanischen Ureinwohner erkannt. Sie setzten Tabakblätter als heilende Kompressen bei Hautkrankheiten und Geschwüren ein und glaubten, dass der Rauch das Gehirn reinige.

Außerdem sorge der in die Luft geblasene Rauch für einen direkten Draht zur Götterwelt, was Heilkraft für die Seele bringen sollte. Als die Tabakpflanze sich im 16. Jahrhundert in Europa verbreitet hatte, glaubte man auch dort sehr bald an die heilende Wirkung der pflanzlichen Inhaltsstoffe.

Zwei Forscher mit weißen klinischen Anzügen und Haarhauben begutachten Tabakpflanzen.

Tabakpflanzen im Einsatz für die Pharmazie

Neben dem Franzosen Jean Nicot beschäftigte sich auch der niederländische Arzt Gilles Everaerts mit der exotischen Pflanze. Er stellte Tinkturen aus dem Extrakt der Blätter her und behauptete schließlich, in Tabak ein Universalheilmittel entdeckt zu haben. Es helfe, den Körper von Unreinheiten zu befreien und lasse sich gegen Krebs, offene Wunden, Krätze, Schrammen, Kröpfe und gebrochene Knochen einsetzen.

Manche Mediziner waren auch davon überzeugt, im Tabak stecke das Mittel gegen Cholera, Syphilis und die Pest. Auch Kopfweh und schlechte Stimmung lasse sich durch Tabak vertreiben. Von der universellen Einsetzbarkeit des Tabaks war auch der deutsche Philosoph und Mediziner Johannes Neander überzeugt, der dazu 1622 ein Werk veröffentlichte.

Richtig ist, dass – nach dem Grundsatz von Paracelsus – jedes Gift auch seine gute Seite hat. Es kommt nur auf die Dosierung an. Das gilt zweifelsfrei auch für das Nikotin. Es ließ sich jedoch erst im 19. Jahrhundert aus der Tabakpflanze gewinnen.

Seit 2006 wird an der Universität Würzburg sehr intensiv daran gearbeitet, aus den Inhaltsstoffen der Tabakpflanze einen Impfstoff gegen die gefürchtete Borreliose zu gewinnen, einer Infektionskrankheit, die von Zecken übertragen wird. Nikotin wird außerdem als Inhaltsstoff für Kaugummis und Pflaster verwendet, um Raucher wieder zu Nichtrauchern zu machen.

Intelligenter Einsatz von Nikotin

Im Jahr 2008 entdeckten deutsche Biologen vom Max-Planck-Institut in Jena bei ihren Forschungsarbeiten eine interessante Eigenschaft der Tabakpflanze. Die Konkurrenz unter einzelnen Gewächsen ist in der Natur so groß, dass bestimmte Arten mit allen Mitteln ums Überleben und um die Fortpflanzung kämpfen.

Tabakpflanze in Blüte.

Diese Blüten locken Insekten an

Die Tabakpflanze nimmt in diesem Wettkampf eine ganz besondere Stellung ein. Sie lockt Insekten, die der Bestäubung dienen sollen, durch den ganz besonders süßen und betörenden Duft ihres Blütennektars an. Gleichzeitig sorgt sie aber durch die Giftigkeit des Nikotins dafür, dass die Insekten nicht allzu lange in der Blüte verweilen.

Durch die kurze Verweildauer sollen sie daran gehindert werden, zu viel vom nikotinhaltigen Blütensaft aufzunehmen, denn dieser ist für die Pflanze selbst äußerst wertvoll. Sie nutzt das Eigengift, um unnütze Nektarräuber und blütenfressende Insekten von sich fernzuhalten.

Die Biologen kamen dem genialen Trick der Tabakpflanze durch einen groß angelegten Versuch auf die Spur. Sie veränderten bei einigen Tabakpflanzen die Erbsubstanz und erhielten auf diese Weise nikotin-, also giftfreie Gewächse. Bei einer Beobachtungsphase filmten sie das Verhalten von Insekten bei nikotinfreien und bei nikotinhaltigen Tabakpflanzen.

Die giftigen Blüten hatten gegenüber den ungiftigen den großen Vorteil, dass die bestäubenden Insekten durch die kürzere und unbefriedigendere Verweildauer in der einzelnen Blüte viel mehr Blüten in der gleichen Zeit aufsuchen mussten und so bestäuben konnten. Auf diese Weise sichert sich die Tabakpflanze eine reiche Nachkommenschaft.

Autor: Alfried Schmitz

Stand: 07.07.2017, 12:00

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