Hausmittel

Hausmittel 04:42 Min. Verfügbar bis 30.12.2099

Alternativmedizin

Hausmittel

Von Kerstin Eva Zeter

Viele Menschen gehen mit einer leichten Erkältung nicht gleich zum Arzt. Mehr als 70 Prozent greifen zunächst auf altbewährte Methoden zurück, die schon unsere Oma kannte.

Wadenwickel, Hopfenkissen und Co

Als Hausmittel gelten nicht nur selbst zusammengestellte Arzneien zum Einnehmen, sondern auch diverse, einfach anzuwendende Methoden. Zu den bekanntesten Methoden zählen Waden-, Hals- oder Brustwickel. Auch Bäder, Dampfbäder, Säckchen oder Auflagen gehören dazu.

Die Mittel werden vor allem aus Heilpflanzen hergestellt. Unzählige Pflanzen haben eine phytomedizinische Wirkung. Aus einem oder mehreren Inhaltsstoffen können wirksame Arzneien hergestellt werden. Thymian wirkt zum Beispiel schleimlösend, Kamille entzündungshemmend.

Aber nicht nur Heilpflanzen tragen lindernde Wirkstoffe in sich. So kann zum Beispiel auch der Hopfen heilen. In Form von Bier – auch alkoholfreien Bier – unterstützt das Getreide eine Antibiotikatherapie.

Und die Zapfen des Hopfens machen müde. Sie helfen beim Einschlafen. In ein kleines Kissen gepackt sollen die Zapfen einen erholsamen Schlaf bringen.

Viele andere Lebensmittel können ebenso als Hausmittel verwendet werden. Zum Beispiel Kartoffeln, Quark, Zwiebeln, Knoblauch, Joghurt oder Honig. Letzterer hilft sehr gut bei der Wundheilung.

Ein Blick in die Geschichte

Das Wissen um die Wirkung von pflanzlichen Stoffen stammt aus dem Mittelalter. Neben Klöstern waren es vor allem Kräuterfrauen, die damit arbeiteten und ihr Wissen von Generation zu Generation weitergaben.

Das Klosterwissen hat seinen Ursprung in der antiken griechischen Arzneikunde. Die Schriften der antiken Ärzte wurden von Mönchen abgeschrieben und katalogisiert. Die Ordensleute studierten das Wissen und gaben es an nachfolgende Generationen weiter.

Eine große Persönlichkeit in der Kräuterheilkunde war Hildegard von Bingen im späten Mittelalter. Sie wehrte sich gegen den allgemeinen Glauben, dass Krankheit eine Strafe Gottes sei, und predigte die Linderung von Krankheiten als einen Akt der Barmherzigkeit.

Ende des 19. Jahrhunderts belebte der Pfarrer Sebastian Kneipp die mittlerweile in Vergessenheit geratene Kräuterheilkunde wieder. Er schuf zudem mit der Hydrotherapie eine Heilmethode, die bei akuten und chronischen Beschwerden ganz auf die Kraft des Wassers setzt.

Bis heute sind noch nicht alle Geheimnisse der mittelalterlichen Heilkunde entschlüsselt. An der Universität Würzburg beschäftigt sich die Forschungsgruppe Klostermedizin mit den jahrhundertealten Heilmethoden, um sie wissenschaftlich zu testen und für die moderne Medizin nutzbar zu machen.

Benediktinerin pflegt im Klostergarten den Kräutergarten mit Heilpflanzen wie Ringelblumen und Gewürzkräutern Dill und Estragon.

Benediktinerinnen wissen bei Heilkräutern Bescheid

Wo Oma sich irrte

Omas Hausmittelchen sind allerdings nicht so harmlos, wie allgemein angenommen. Viele Heilpflanzen haben Wechselwirkungen mit anderen Mitteln oder können Allergien auslösen. Deshalb sollte sich jeder im Vorfeld genau informieren, bevor er eine Heilpflanze anwendet.

Ein Beispiel ist das Johanniskraut, das oft bei Depressionen oder Wechseljahresbeschwerden eingesetzt wird. In hoher Dosierung kann es sehr stark auf Sonnenlicht reagieren oder die Wirkung anderer Arzneimittel einschränken.

Auch die Arnika kann Allergien auslösen und ist daher nur äußerlich anzuwenden. Meist wird sie als Tinktur verwendet und bei Prellungen, stumpfen Verletzungen, Krampfadern, Venenentzündungen oder Nagelbettentzündungen angewendet.

In vielen alten Büchern steht über Arnika, dass sie das Herz stärkt. Das Gegenteil ist jedoch der Fall: Sie kann sogar Herzbeschwerden auslösen.

Manche Irrtümer sind sogar kontraproduktiv, wie zum Beispiel der Tipp, Mehl auf offene Wunden zu streuen. Das Mehl bringt keinerlei Linderung, sondern kann die Wunde verkleben und Entzündungen hervorrufen.

Ein im Bett liegendes Mädchen schaut skeptisch auf einen Löffel vor sich, auf den eine Person Medizin tropfen lässt.

Manche Hausmittel können gefährlich werden

Weiterführende Infos

Stand: 08.08.2018, 11:30

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