Tele-Arzt

Ärztliche Betreuung aus der Ferne

Gesundheitssystem

Tele-Arzt

Von Gabriele Knetsch

Was auf den ersten Blick ein Rückschritt scheint, könnte eine große Chance sein: Diagnosen und Arztgespräche nicht mehr in der Praxis oder in der Klinik, sondern online am Bildschirm. Die Hoffnung: Für viele Patienten und Patientinnen wird die Betreuung besser und sicherer, Arztpraxen und Kliniken werden entlastet.

Im Mai 2018 wurde in Deutschland durch den Bundesärztetag das Fernbehandlungsverbot gelockert. Die medizinische Versorgung in Deutschland soll digitalisiert werden – zumindest in Teilbereichen. Doch was bedeutet das?

Telemedizin kann eine große Verbesserung der medizinischen Versorgung bedeuten. Zum Beispiel für chronisch Kranke: Blutdruck, EKG und andere Vitaldaten könnten zu Hause gemessen werden und per Datenübertragung an die betreuenden Ärzte oder Ärztinnen übermittelt werden, im Idealfall an Spezialisten.

Bei einfachen Beschwerden könnten sich Patienten den Weg in die Praxis oder Klinik sparen und stattdessen via Bildschirm mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt sprechen. Gerade in strukturschwachen Regionen erhoffen sich viele davon eine bessere medizinische Versorgung.

Arzt skypt mit Patientin

Diagnose per Videochat?

Verbesserungen in der Fläche

Die Telemedizin bietet gerade auch im ländlichen Raum eine Chance. Hausärzte, aber vor allem auch Fachärzte sind dort rar. Hausärzte können inzwischen Versorgungsassistenten zu ihren Patienten schicken, anstatt selbst Hausbesuche durchzuführen.

Die Assistenten vermessen die Patienten und übermitteln die Daten. Der Arzt bespricht sich mit dem Kranken dann per Video-Chat. Und auch Menschen, die wenig Zeit haben oder eine Zweitmeinung suchen, kämen für ein Arztgespräch per Chat infrage.

Hausbesuch digital Planet Wissen 22.10.2019 01:57 Min. Verfügbar bis 22.10.2024 ARD-alpha

Telemedizin fürs Herz

Im Zentrum für Telemedizin an der Berliner Charité betreut Professor Friedrich Köhler per Computer Herzinsuffizienz-Patienten aus der Ferne – und zwar bundesweit. Hausärzte und Patienten können sich freiwillig an dem Projekt beteiligen. Das Team aus 15 Ärzten und Schwestern ist rund um die Uhr im Einsatz.

Bei einer digitalen Morgen-Visite werden vor den Bildschirmen unter anderem EKG, Gewicht und Blutdruck der 20 gefährdetsten Patienten besprochen. Die Werte, die die Patienten zu Hause messen, übermitteln sie per Bluetooth an die Rechner der Klinik – über eineinhalb Jahre lang jeden Tag.

Die Messgeräte hat die Charité extra für das Projekt entwickelt. Speziell geschulte Schwestern weisen die Patienten ein. So müssen die Patienten durch die Kontrolle aus der Ferne sehr viel seltener in die Klinik kommen.

Ein Mann liegt in einem Krankenwagen

Im Notfall noch schneller handeln können

Tele-Notarzt

In einem Pilotprojekt in Bayern arbeiten Tele-Notärzte mit Rettungs-Sanitätern zusammen. Die Notärzte arbeiten stationär von der Leitstelle aus und werden bei Bedarf an den Einsatzort zugeschaltet. Die Diagnose erfolgt über den Bildschirm und anhand der Daten, die die Sanitäter übermitteln. Im Zweifelsfall erfolgt sicherheitshalber die Einweisung in eine Klinik.

Die ersten Erfahrungen sind weitgehend positiv. Die Notärzte können mehr Patienten versorgen, da sie keine Fahrtzeiten mehr haben. Die Qualität der medizinischen Versorgung hat sich damit nicht verschlechtert. Ähnliche Projekte gibt es in ganz Deutschland.

Rettungsdienst digital Planet Wissen 22.10.2019 03:24 Min. Verfügbar bis 22.10.2024 ARD-alpha

weiterführende Infos

BR | Stand: 08.10.2019, 18:00

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