Beruf Arzt

Ein Stethoskop in den Händen eines Arztes.

Medizin

Beruf Arzt

  • Jahrhundertelang glaubte man, dass das Übernatürliche den Heilungsprozess beeinflusst
  • Hippokrates legte um 500 vor Christus den Grundstein für die heutige Medizin
  • Während sich die Medizin im mittelalterlichen Europa kaum weiterentwickelte, gab es im Orient hygienische Krankenhäuser
  • Früher starben die Menschen an Infektionen, heute sind chronische Krankheiten das Problem

Krankheiten sind so alt wie die Menschheit selbst. Und genauso lange gibt es Menschen, die versuchen, Leiden zu heilen. Obwohl es schon aus der Steinzeit Hinweise auf Operationen gibt, ist für die Menschen eine Heilung ohne den Glauben an Dämonen und Götter jahrtausendelang undenkbar. Ohne Kenntnisse von Viren und Bakterien können Ärzte oft nichts tun, als dem Patienten gut zuzureden. Oder sie stellen teils waghalsige Theorien auf – wie die Griechen Hippokrates und Galen.

Nur die Götter können helfen

Seit es Menschen gibt, gehen Schamanen, Seher und Heiler ihrer Arbeit nach. Aus der ältesten Periode der Menschheitsgeschichte, der Urgeschichte, gibt es zwar keine schriftlichen Quellen. Doch Skelett-Funde weisen darauf hin, dass schon in der Steinzeit Kranke gepflegt, Knochenbrüche behandelt und sogar Schädel angebohrt wurden.

Als der Mensch vor etwa 10.000 Jahren sesshaft wird, entsteht so etwas wie der Beruf des Arztes. Die Schamanen und Ärzte-Priester sehen ihre Aufgabe vor allem darin, Dämonen auszutreiben und die Götter um Hilfe zu bitten. Denn eine Heilung ohne den Beistand von oben ist undenkbar. Und das wird sehr lange so bleiben.

Aus dem antiken Mesopotamien, heute Anatolien, Syrien und der Irak, sind uns die ersten schriftlichen Zeugnisse der Medizin erhalten: Es gibt dort bereits Ärzte, die Medikamente verabreichen und Operationen durchführen. Parallel dazu bieten Seher ihre Dienste an, die zum Beispiel aus der Leber von Opfertieren lesen, und Priester, die sich auf Zauberformeln verstehen. Auch im alten Ägypten praktizieren drei verschiedene Typen von Heilern: Ärzte, Priester und Hexenmeister. Das Übernatürliche gehört zum Heilen dazu.

Asklepios – Gott der Heilkunde

Statue des griechischen Gottes Asklepios.

Asklepios war bei den Griechen für die Heilung zuständig

Die Griechen beten verschiedene Götter und Helden an, von denen sie sich Gesundheit erhoffen, vor allem aber Asklepios, den Sohn des Gottes Apollon und einer Irdischen. Er wird mit Stab und Schlange, seit dem Altertum Symbol der Heilkunde, dargestellt. Das Bild hat sich über die Jahrtausende gehalten: Noch heute ist der Äskulapstab ein Zeichen von Ärzten und Apothekern.

Bereits um 200 vor Christus gibt es in jedem griechischen Stadtstaat (polis) einen Asklepios-Tempel. Teil des Kultes ist der heilende Tempelschlaf der Patienten, während dessen der Gott in Traumorakeln medizinische Ratschläge erteilen soll. Daraus leiten die Priesterinnen und Priester des Tempels ihre Therapien ab.

Lange Zeit vertrauen die Menschen diesen Priestern, aber auch Wurzelsammlern, Hellsehern und anderen traditionellen und religiösen Heilern. Doch im fünften Jahrhundert vor Christus tritt ein Mann auf, der im Arzt nicht mehr den Fürsprecher bei den Göttern sieht, sondern einen weisen Freund und Begleiter am Krankenbett. Sein Name ist Hippokrates.

Hippokrates und der Eid

Ein Kupferstich aus dem 16. Jahrhundert zeigt Hippokrates.

Schrieb Hippokrates wirklich den Eid?

Über Hippokrates' Leben ist wenig bekannt, über seine Lehre dafür umso mehr. Auch wenn er nicht alle der ihm später zugeschriebenen 60 Schriften verfasst hat und auch wenn er oft irrte – mit Hippokrates (circa 460 bis 377 vor Christus) beginnt die moderne, rationale Medizin.

Seiner Meinung nach entstehen Krankheiten, wenn sich die vier Körpersäfte (schwarze Galle, gelbe Galle, Schleim und Blut) nicht im Einklang miteinander befinden. Mit Methoden wie Aderlass, Erbrechen und guter Ernährung ("Diät") will er das richtige Verhältnis wieder herstellen; aus heutiger Sicht wirkungsvolle Heilmethoden entwickelt er jedoch nicht.

Den hippokratischen Eid kennt man noch heute – ob ihn aber tatsächlich Hippokrates geschrieben hat, ist ungeklärt. Er wird inzwischen nicht mehr von Ärzten geleistet, dient aber immer noch als Grundlage für moderne Gelöbnisse. Denn viele seiner Forderungen sind zeitlos, zum Beispiel die Schweigepflicht oder das Gebot, Kranken nicht zu schaden.

Auch ein anderer Grieche, der ungefähr 500 Jahre nach Hippokrates lebt und in Rom praktiziert, hinterlässt seine Spuren in der Geschichte: Die Lehren des Galen von Pergamon (129 bis circa 216), der die hippokratische Säftelehre weiterentwickelt, bleiben unglaubliche 1500 Jahre lang von Bedeutung.

Medizinstudenten müssen jahrhundertelang beim Sezieren das finden, was Galen aufgeschrieben hat. Er geht zum Beispiel von der Existenz eines Herzknöchelchens aus. Wenn man etwas nicht findet, wird das damit erklärt, dass Galen den idealen Menschen der Antike beschrieben hat.

Beten und hoffen im Mittelalter

Die Zeichnung aus dem 13. Jahrhundert zeigt, wie ein Arzt einem Patienten mit Meißel und Hammer den Schädel öffnet.

Unsanfte Methoden im Mittelalter

Im frühen Mittelalter entwickelt sich die Medizin in Europa kaum weiter. Einfache Ratschläge ersetzen detaillierte Krankheitsbeschreibungen und die Heiligenverehrung tritt an die Stelle der medizinischen Kunst. Christus ist der höchste aller Ärzte, und je nach Krankheit werden bestimmte Heilige angebetet.

Im Orient bietet sich zur gleichen Zeit ein ganz anderes Bild: Dort werden die antiken medizinischen Texte, die in Europa langsam in Vergessenheit geraten, ins Arabische und Altsyrische übersetzt und so vor dem Verschwinden gerettet. Ärzte sind hoch angesehen. Seit dem 8. Jahrhundert gibt es sogar Krankenhäuser mit hygienischen Verhältnissen und verschiedenen Stationen, während sich in Europa Mönche ohne entsprechende Ausbildung um die Kranken kümmern. Oft können sie nur beten und hoffen.

Diese Entwicklung dreht sich jedoch im späteren Mittelalter wieder um: Die Medizin in Europa erfährt einen großen Aufschwung und der Orient verliert an Bedeutung. Seit dem 12. Jahrhundert werden im Abendland Universitäten gegründet und die antiken medizinischen Texte wiederentdeckt – aus islamischen Quellen.

Studenten müssen sieben Jahre lang Vorlesungen besuchen und Prüfungen ablegen, um Arzt zu werden. Daneben gibt es Chirurgen, die nur für Operationen zuständig sind und deren Ansehen sehr viel geringer ist als das der studierten Mediziner.

Hilflose Ärzte

Robert Koch in einem kolorierten Holzstich.

Robert Koch erhielt den Nobelpreis

Doch obwohl die Ärzte mittlerweile studieren, ändert das nichts daran, dass sie bis ins 20. Jahrhundert hinein die meisten Krankheiten nicht heilen können. Zwar werden immer wieder bahnbrechende Entdeckungen gemacht – Edward Jenner erfindet die Impfung gegen Pocken, Robert Koch entdeckt Bakterien –, aber es sterben immer noch Erwachsene und vor allem Kinder an einfachen Infektionen.

Der Arzt kann oft nur abwarten und gut zureden oder radikale Methoden wie den Aderlass anwenden. Wirksame Medikamente gibt es kaum. Das ändert sich erst ab den 1930er Jahren, als man infektiöse Krankheiten mit Antibiotika behandeln kann. Weil die Menschen immer älter werden, nehmen nun aber die chronischen Leiden zu.

Auch das Verhältnis von Arzt und Patient verändert sich: Lange Zeit ist das Reden und Zuhören ein wichtiges Instrument des Arztes, weil er nicht genau weiß, was sich im Körper abspielt. Diese einfache Methode befindet sich im Zeitalter der Hightech-Medizin auf dem Rückzug – zum Leidwesen vieler Patienten, die auf ihre Krankheit reduziert werden. Andererseits fordern Patienten heute mehr ein und sehen den Arzt nicht mehr als Halbgott in Weiß, vor dem sie ehrfürchtig erstarren.

Wie wird man Arzt?

Medizinstudenten sitzen in einer Vorlesung in einem Anatomie-Hörsaal.

Medizinstudenten müssen viel auswendig lernen

Bevor jemand in Deutschland als Arzt praktizieren darf, muss er oder sie eine lange und anstrengende Ausbildung durchlaufen. Die Regelstudienzeit für Humanmedizin beträgt bis zum Staatsexamen sechs Jahre und drei Monate. Die Theorie wird durch praktische Abschnitte ergänzt. Das letzte Studienjahr, das "Praktische Jahr" (PJ), verbringen die angehenden Ärzte in verschiedenen Fachbereichen an Unikliniken und Lehrkrankenhäusern.

Nach dem bestandenen Staatsexamen, das Studenten wegen der Fülle des abgefragten Fachwissens Hammerexamen nennen, kann der angehende Arzt seine Approbation beantragen. Das ist vor allem ein Verwaltungsakt, für den man allerhand Nachweise an die zuständige Bezirksregierung schicken muss. Gibt diese grünes Licht, bekommt man die staatliche Berufserlaubnis als Arzt zugeschickt und muss sich nur noch bei der Ärztekammer des jeweiligen Bundeslandes anmelden.

Einen Eid muss der frischgebackene Arzt nicht leisten. Es gibt aber eine Berufsordnung für jedes Bundesland, die Rechte und Pflichten der Ärzte gegenüber Patienten und Kollegen regelt. Ihr vorangestellt ist das vom Weltärztebund 1948 in Genf formulierte ärztliche Gelöbnis - eine moderne Fassung des hippokratischen Eides.

Autorin: Mareike Potjans

Stand: 28.04.2017, 15:00

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