Alfred Hitchcock

Das Porträt-Foto zeigt Alfred Hitchcock in fortgeschrittenem Alter im schwarzen Anzug und Krawatte

Angst

Alfred Hitchcock

Von Jürgen Dreyer

"Seine Kindheit war von Angst geprägt", so steht es in einer Biografie über Alfred Hitchcock (1899-1980). Der Sohn eines Londoner Gemüsehändlers erzählte immer wieder gerne ein Angst-Erlebnis aus seiner Kindheit. Als er eines Abends zu spät nach Hause kam, schickte ihn sein Vater mit einem Brief zu einem befreundeten Wachmann auf die Polizeistation. Der Wachmann las den Brief, warf den Jungen ins Gefängnis und brüllte ihn an, dass es so allen Kindern ergehe, die zu spät nach Hause kämen. Später besuchte der Sprössling einer katholischen Familie eine strenge Jesuitenschule, ein Aspekt der gerne banal-psychologisch zurecht gelegt wird: Weil der große Hitchcock Kindheitsängste verarbeiten musste, drehte er Filme, die Angst machen. Ganz so einfach war es wohl nicht.


Aufstieg in der Filmindustrie

Hitchcock ging auf eine Ingenieursschule und arbeitete bei einer Telegraphen-Gesellschaft, bevor er mit Illustrationen von Schrifttafeln für Stummfilme den Eintritt in die gerade erst aufblühende Filmindustrie schaffte. Er wurde Regieassistent, Drehbuchautor, Szenenbildner – bei manchen Filmen nahm er all diese Positionen ein.

1922 drehte er seinen ersten eigenen Film, der nie fertiggestellt wurde. Erst 1925 kam mit "Irrgarten der Leidenschaft" der erste "Hitchcock" ins Kino, der übrigens in Berlin und München gedreht wurde.

Hitchcocks erste Thriller

Der "erste echte Hitchcockfilm" (so Hitchcock selbst) hieß "The Lodger" (Der Mieter, Stummfilm von 1926). Ein Untermieter versetzt seine Vermieter-Familie in Angst und Schrecken, weil sie ihn für einen gesuchten Blondinen-Mörder hält.

Der Film wurde zum Kassenschlager, sicher ein wichtiger Grund für Hitchcock danach immer wieder noch perfektere Thriller zu drehen, die meisten mit ungeheurem Erfolg, wie zum Beispiel "The man who knew too much" (Der Mann, der zuviel wußte, 1934) und "The 39 Steps" (Die 39 Stufen, 1935).

Daneben drehte Hitchcock aber zum Beispiel auch einen Operettenfilm über Johann Strauß (Waltzes from Vienna, 1933) oder das Melodram "Rebecca" (1939) mit mehr Schauerromantik als Hitchcock-Thrill.

Szene aus dem Hitchcock-Klassiker "Die Vögel"

Ein Klassiker – "Die Vögel"

Wechsel nach Amerika

"Rebecca" war Hitchcocks erste Produktion in Amerika, wo er ab 1939 für die großen Studios mit noch höheren Budgets filmen durfte.

Hier entstanden einige seiner Klassiker wie "Dial M for murder" (Bei Anruf Mord, 1953), "Rear window" (Das Fenster zum Hof, 1953) oder "Vertigo" (Vertigo - Aus dem Reich der Toten, 1957).

James Stewart und Kim Novak in Filmszene aus "Vertigo"

James Stewart und Kim Novak in "Vertigo"

Interesse an Psychonanalyse

"Vertigo" handelt unter anderem von der Überwindung von Höhenängsten und von Trauerverarbeitung. Wie in vielen seiner Filme geht es psychologisch zu. Hitchcock hatte sogar den Ehrgeiz, den ersten Film über Psychoanalyse zu drehen: "Spellbound" (Ich kämpfe um dich, 1944) handelt von dem Kindheitstrauma eines Arztes, der glaubt ein Mörder zu sein.

Viel später drehte Hitchock "Marnie" (Marnie, 1963/64), einen Film über eine Kleptomanin und ihr Trauma. Im Gegensatz zur Hauptfigur in "Spellbound" hatte sie in ihrer Kindheit wirklich einen Menschen getötet.

Alfred Hitchcock in einem Gespräch mit dem Schauspieler Bruse Dern

Der "alte" Hitchcock

Psycho ist nicht "Psycho" sondern "Brutalo"

In die Reihe von Hitchcocks psychologischen Filmen passt sein wohl berühmtestes Werk "Psycho" (Psycho, 1959/60) eigentlich nicht, obwohl es um einen Psychopathen mit gestörter Mutterbeziehung geht. Denn das ist nur ein Auslöser, Thema des Films hingegen ist die brutale Gewalt eines Mörders, eine heftige Mischung aus Horror und Thrill, die zusammen mit Hitchcocks "The birds" (Die Vögel, 1962) das Kino nachhaltig veränderte.

Was Alfred Hitchcock aber von vielen Spannungs-Regisseuren vor und nach ihm wesentlich unterschied, ist die Tatsache, dass er seine Filme immer mit sehr viel feinem (nicht nur schwarzem) britischen Humor würzte.

Der Schauspieler Anthony Perkins in Alfred Hitchcocks Film "Psycho" von 1960

Der Film "Psycho" veränderte das Kino

Stand: 19.02.2019, 13:26

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