Tony Hawk, der Superstar unter den Skateboardern

Skater Tony Hawk hebt mit seinem Skateboard ab.

Skaten

Tony Hawk, der Superstar unter den Skateboardern

Tony Hawk gilt vielen als der beste Skater aller Zeiten – der bekannteste ist er auf jeden Fall. Schon mit 14 ist er Profi, mit 17 verdient er mehr als seine Lehrer. Doch neben Erfolgen und Auszeichnungen hat er auch Zweifel und Durststrecken in seiner Karriere erlebt, die ihn vom schäbigen Skatepark in San Diego bis in die gewienerten Flure des Weißen Hauses führten.


Wie Legenden geschaffen werden

Der "900" galt lange Jahre als schwierigster Skateboardtrick in der Halfpipe überhaupt. Erst zweieinhalb Umdrehungen um die eigene Achse, dann sicher auf dem Brett landen und stehen – ein Ding der Unmöglichkeit. Auch Tony Hawk, einer der besten Profiskateboarder unserer Zeit, versuchte es immer wieder – und scheiterte zunächst.

Doch Hawk, auch bekannt als The Birdman (auf Deutsch: Der Vogelmann), gab nicht auf. Auch nicht am 27. Juni 1999 bei den X Games in San Francisco. Elf Versuche waren ihm bereits missglückt, und eigentlich hätte er es laut Reglement nicht weiter versuchen dürfen. Doch die Wettbewerbsleitung änderte kurzerhand die Regeln, keiner seiner Konkurrenten protestierte.

Hawk stieg auf sein Brett, holte Schwung, stieg höher und höher, sprang ab, drehte sich – und schaffte den Sprung. Ein ohrenbetäubender Jubel, das elektrisierte Publikum stand Kopf. Es hatte gerade Historisches erlebt: Der erste gelungene "900" vor Zeugen und Kameras.

Auch Hawk war überwältigt: "Das ist der beste Tag meines Lebens, ich schwöre bei Gott", rief er voller Euphorie. Vor diesem Tag war Tony Hawk einer der bekanntesten und am meisten bewunderten Profiskateboarder der Welt. Danach war er eine Legende.

Ein dünner Knirps beweist Talent

Tony Hawk kommt am 12. Mai 1968 in San Diego zur Welt. Ein Nachzügler: Seine Geschwister sind bereits 21, 18 und zwölf Jahre alt. Hawk ist das Nesthäkchen, dem seine viel beschäftigten Eltern alles nachsehen. Frech, unangepasst, hyperaktiv, hochbegabt – so beschreiben Freunde und Lehrer den jungen Tony.

Mit neun Jahren stellt ihn sein großer Bruder das erste Mal auf ein Skateboard, und Tony findet ein Ventil für seinen Ehrgeiz und seinen Bewegungsdrang. Nach der Schule verbringt er jede freie Minute im Skaterpark Oasis. Der dünne Knirps ist zwar einer der Jüngsten dort, aber dass er Talent hat, ist nicht zu übersehen. Und weil er so leicht ist, legt er sich eine besondere Technik zu, um in der Rampe Geschwindigkeit und Höhe zu erreichen.

Mit elf bestreitet Hawk die ersten Wettbewerbe, mit zwölf hat er seinen ersten Ausrüster. Kurz vor seinem 13. Geburtstag holt ihn Stacy Peralta, Skate-Legende und einer der berühmten Z-Boys, in sein Team, die Bones Brigade.

Mit 14 wechselt Hawk vom Amateur- ins Profilager und verdient sein erstes Geld mit dem Skaten. Von den Summen, die heute in dem Sport verdient werden, ist er allerdings noch weit entfernt. Skaten ist Anfang der Achtziger in den USA ziemlich unpopulär, die Wettbewerbe finden kaum Besucher, als Preisgeld für den Sieger gibt es mal 100 Dollar, manchmal 150.

Popstar oder Zirkusnummer?

Das sollte sich in den kommenden Jahren ändern. Peralta hat nicht nur einen Blick für Skateboardtalente, sondern auch fürs Verkaufen. Mit cleverem Marketing und spektakulären Videos etabliert er die Bones Brigade als coolste Skatertruppe des Landes.

Eines ihrer Aushängeschilder ist Hawk, der am Anfang seiner Karriere allerdings oft belächelt und sogar angefeindet wird. Sein trickreicher Stil, der nicht auf Kraft und Körperlichkeit, sondern auf Technik aufbaut, wird als Zirkusnummer abgetan.

Doch das Skaten wandelt sich Mitte der Achtziger, und Hawk, der ständig an neuen Tricks feilt, wird zum neuen Fixstern und Aushängeschild. Noch während seiner High-School-Zeit fliegt er um die Welt, um Wettbewerbe zu bestreiten und die Bones Brigade zu repräsentieren. Mit 17 verdient er 70.000 Dollar im Jahr und kauft sich sein erstes Haus – den Vertrag muss sein Vater unterschreiben.

1987 ist das Skaten mal wieder schwer im Kommen. Die Preisgelder explodieren, Sponsoren, Ausrüster und Medien stehen Schlange. Vor allem bei Tony Hawk, der auf der Halfpipe inzwischen eine Klasse für sich ist. In den Wettbewerben fährt er im Grunde nicht mehr gegen die anderen, sondern nur noch gegen sich selbst. Er wird in der Szene bejubelt und vergöttert wie ein Popstar.

Doch manche vergönnen ihm seinen Status als Nummer eins, sie wünschen sich nichts mehr, als den großen Tony Hawk scheitern zu sehen. Ausgebrannt und deprimiert hört Hawk mit 19 auf, an Wettkämpfen teilzunehmen.

Der Skater Tony Hawk.

Der Spitzname von Tony Hawk: The Birdman

Der Michael Jordan des Skatens

Allerdings nur für ein paar Monate, dann ist er wieder am Start, wenn auch etwas dosierter und vorausschauender als zuvor. Zudem interessiert sich Hawk immer mehr fürs Geschäft.

1992 gründet er zusammen mit dem schwedischen Skater Per Welinder Birdhouse Skateboards und produziert dort Boards, Zubehör und Klamotten. Die ersten Jahre verlaufen schleppend, und auch Hawks Ruhm schwindet. In der schnelllebigen Szene ist vor allem das Street Skating schwer angesagt, für Vert Skating – das Skaten in der Halfpipe – interessiert sich kaum noch jemand.

Hawk ist ein paar Mal kurz davor, seine Karriere an den Nagel zu hängen. Doch um seine Firma wenigstens ein bisschen im Gespräch zu halten, wirft er sich weiter in die Knochenmühle des Profiskatens – mit Ende 20 ist er schon fast ein Dinosaurier in der Szene.

Doch Hawk arbeitet weiter an sich und seinem Stil, integriert neue Elemente und ist wieder oben auf, als 1995 der Fernsehsender ESPN das Skaten für sich entdeckt und ihm durch landesweite Übertragungen zu einer nie dagewesenen Popularität verhilft.

Hawk gilt als der "Michael Jordan des Skatens", Sponsoren bieten üppige Verträge, und auch Birdhouse läuft blendend. Und als Hawk dann 1999 der 900 gelingt, erregt er weltweites Aufsehen weit über die Skaterszene hinaus. Hawk steht auf dem Zenit seiner Karriere – und tritt mal wieder zurück vom Wettkampfskaten. Diesmal allerdings für immer.

Skater Tony Hawk in Siegerpose.

Er gewann alles, was es zu gewinnen gab

Millionär durch Videospiele

Hawk hat sich zwar von den Wettkämpfen verabschiedet, bleibt aber weiter präsent. Er moderiert Skate-Events im Fernsehen, geht mit einer Showtruppe auf Tour, spielt in Fernsehserien und Filmen mit und hat eine eigene Radioshow.

1999 erscheint das Videospiel Tony Hawk Pro Skater, in dem man Hawk und seine Skater-Kollegen steuern und mit ihnen die verwegensten Tricks machen kann. Das Spiel wird ein Riesenerfolg – 15 weitere Teile folgen in den kommenden Jahren. Hawk bekommt eine eigene Figur bei Madame Tussauds in Los Angeles, der Vergnügungspark Six Flags benennt ab 2007 mehrere Achterbahnen nach ihm.

2009 lädt US-Präsident Barack Obama Hawk am Vatertag nach Washington ein. Eine Ironie der Geschichte: In seiner Jugend wird er ständig verjagt, wenn er mit seinem Skateboard auf Parkplätzen und Schulhöfen auftaucht, und nun darf er als erster Skater überhaupt durch das Weiße Haus fahren.

Hawk, inzwischen Multimillionär, setzt einen Teil seines Reichtums dafür ein, um der Szene, aus der er stammt, etwas zurückzugeben. 2002 gründet er die Tony Hawk Foundation, eine Stiftung, die Skateparks für Kinder aus armen Verhältnissen finanziert, und dafür mehrere Millionen Dollar bereitstellt.

Werbung für Tony Hawks Videospiel.

Im Videospiel kann jeder tricksen wie Tony Hawk

Autor: Ingo Neumayer

Stand: 19.06.2018, 10:55

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