Kampf um Nahrungsmittel

Wirtschaft

Kampf um Nahrungsmittel

In nur einem Jahr – während der Lebensmittelkrise von 2007 bis 2008 – explodierten weltweit die Preise für Reis, Mais oder Soja und stiegen um ein Vielfaches an. Was für uns hierzulande ärgerlich ist und die Haushaltskasse belastet, das bedeutet für die Menschen in den Entwicklungsländern eine echte Bedrohung: Viele können ihr Essen nicht mehr bezahlen.


Nahrungsmittel werden knapper

Während der Lebensmittelkrise 2007 bis 2008 stieg die Zahl der hungernden oder von Hunger bedrohten Menschen innerhalb kurzer Zeit von gut 850 Millionen auf etwa eine Milliarde. Auf der ganzen Welt waren die Lager für Nahrungsmittel leer.

So kam es in Mexiko, Kamerun oder Haiti innerhalb kürzester Zeit zu Aufruhr und Protesten. Doch was hat dazu geführt, dass Grundnahrungsmittel für viele unbezahlbar geworden sind? Wie kam es, dass die Kosten so plötzlich in die Höhe schnellten? Die Ursachen für das Problem sind vielfältig.

Ein kleines Maedchen kauft Hirse in Fada Ngourma (Burkina Faso).

Immer mehr können ihr Essen nicht mehr bezahlen

Butterberg und Milchsee sind passé

Vorbei ist die Ära der Nahrungsmittelüberschüsse: Butterberg und Milchsee aus Beständen der Europäischen Union (EU) sind längst abgebaut. Etwa seit dem Jahr 2000 steigt die weltweite Nachfrage nach Nahrungsmitteln permanent an.

Die Folge ist, dass bei Missernten oder anderen Nahrungsmittelengpässen die Reserven, auf die man früher zurückgreifen konnte, leer sind.

Weihnachtsbutter in der Butterabsatzzentrale in Hannover. Aufnahme vom Dezember 1984.

Der "Butterberg" ist längst Vergangenheit

Mehr Menschen und gestiegener Lebensstandard

Das immense Bevölkerungswachstum hat dafür gesorgt, dass die Nachfrage nach Nahrung enorm gestiegen ist. Jedes Jahr kommen etwa 80 Millionen Menschen hinzu. Lebten im Jahr 2012 über sieben Milliarden Menschen auf der Erde, werden es 2025 – Schätzungen von Experten zufolge – schon acht Milliarden Menschen sein.

Aber nicht nur weil die Zahl der Menschen steigt, auch weil sie sich anders ernähren, schnellen die Preise in die Höhe: In Schwellenländern wie Russland oder Indien steigt der Konsum von Milch und Fleisch. In China hat sich der Fleischkonsum zwischen 1988 und 1998 sogar verdoppelt.

Das Problem dabei: Der Fleischkonsum ist sehr ineffizient. Um ein Kilo Rindfleisch zu produzieren, braucht man siebenmal so viel Getreide als Futter für die Tiere. Mit diesem Getreide könnte man viel mehr Menschen satt machen als mit dem daraus produzierten Fleisch.

Knappe Anbauflächen

Nicht nur durch die Produktion von Tierfutter werden die Anbauflächen für Nahrungsmittel knapper. Auch Unwetter, Klimawandel und zunehmende Industrialisierung sorgen dafür, dass dringend benötigte Ackerflächen zurückgehen.

Dazu kommt noch der Boom von Biosprit: Weil in den Industriestaaten das Umweltbewusstsein wächst, sollen immer mehr Fahrzeuge mit Biokraftstoff betrieben werden.

Auf mehr und mehr Flächen werden – oft hoch subventioniert – Raps oder Soja für den Biokraftstoff angebaut. In den USA wird bereits ein großer Teil der Maisernte für Biosprit verwendet.

Dieser Mais fehlt dann auf den Weltagrarmärkten und treibt den Preis auch in Ländern hoch, die den Biosprit gar nicht selbst verwenden, wie zum Beipsiel in Mexiko. Dort hat diese Entwicklung zur sogenannten "Tortilla-Krise" geführt. Der Preis für Mais war so gestiegen, dass sich viele Menschen ihre Hauptnahrung "Tortilla" nicht mehr leisten konnten.

Ein Auto fährt auf einer Landstraße an einem blühenden Rapsfeld vorbei.

Sprit vom Acker

Spekulation mit Nahrungsmitteln und hohe Energiepreise

Als die Preise für Weizen, Mais, Soja und Reis steil nach oben gingen, witterten Kapitalanleger ihre Chance und setzten auf satte Gewinne am Lebensmittelmarkt. Die Spekulation mit Nahrungsmitteln hat so die Situation kurzfristig massiv verschärft.

Dazu kommen noch die hohen Energiepreise. Da die Landwirtschaft, aber auch Transport und Lagerung viel Energie verbrauchen, gelten sie als zusätzliche Faktoren für die explodierten Nahrungsmittelpreise.

Fatale Agrarexportsubventionen

Die Landwirtschaft in den Industrieländern ist heute so produktiv wie nie zuvor. Konnte ein Bauer 1960 noch zehn Menschen ernähren, dann sind es heute bei gleichbleibender Fläche schon 140 Menschen.

Bei dieser Produktivität könnte man auf die Idee kommen, die hungernden Menschen in den Entwicklungsländern auch mit europäischen Produkten zu versorgen.

Tatsächlich werden Nahrungsmittel aus der EU nach Afrika transportiert. Diese Exporte werden durch EU-Gelder subventioniert. Doch was für europäische Bauern ein zusätzliches Einkommen bedeutet, hat für die Kleinbauern in den Entwicklungsländern fatale Folgen.

Denn die hoch subventionierten Produkte aus Europa wie beispielsweise Schweinefleisch machen den afrikanischen Bauern die Preise kaputt.

Das hat zur Folge, dass sich für viele in Afrika mit der Landwirtschaft kein Geld mehr verdienen lässt. Dabei wäre es wichtig dafür zu sorgen, dass die Menschen in Afrika wieder unabhängig werden und sich selbst versorgen können.

Blick in den Stall eines großen Schweinemastbetriebes; die Tiere in ihrem Pferch stehen gerade rund um die Fütterungsanlagen.

Subventioniertes EU-Schweinefleisch für Afrika

Mögliche Wege aus der Krise

Viele humanitäre Organisationen wie das Welternährungsprogramm oder "Brot für die Welt" fordern darum, die Agrarexportsubventionen abzuschaffen. Ralf Südhoff vom Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (UN) ist der Meinung, dass vor allem die Landwirtschaft in den Entwicklungsländern effektiv modernisiert werden müsste.

Wichtig wäre es, die dortigen Kleinbauern zu unterstützen. Und auch wir Verbraucher können einen Beitrag leisten: Zum Beispiel indem wir unseren Fleischkonsum und unseren Energieverbrauch drosseln.

Ein vietnamesicher Reisbauer pflügt sein bewässertes Reisfeld mit einem Ochsen vor dem Pflug.

Unterstützung für die Kleinbauern in den Entwicklungsländern

Autorin: Claudia Heidenfelder

Weiterführende Infos

Stand: 19.09.2018, 09:02

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