Was kann der Einzelne tun?

Eine Frau hält vorm Brandenburger Tor ein Protestplakat hoch. Auf dem Plakat steht das Wort Hunger.

Kampf um Nahrungsmittel

Was kann der Einzelne tun?

Auch heute schon leiden rund 800 Millionen Menschen an Hunger. Doch es wird wahrscheinlich noch schlimmer kommen, denn die Weltbevölkerung wird ansteigen und immer mehr Menschen wollen immer öfter Fleisch essen. Experten gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2030 weltweit etwa 50 Prozent mehr Nahrungsmittel benötigt werden als heute, um die Menschheit satt zu bekommen. Aber was kann jeder Einzelne von uns tun, um den Hunger in der Welt zu lindern?

Wo kommen unsere Lebensmittel her?

Eine einfache Antwort auf diese Frage gibt es nicht. "Wenn ich auf mein zweites Brötchen zum Frühstück verzichte, hat ein Hungernder in Afrika davon auch nichts", sagt Simone Pott, Sprecherin der Organisation Welthungerhilfe.

Das gebe uns aber noch lange nicht das Recht, nichts zu tun. Stattdessen müssten wir uns bewusst werden, dass wir in einer komplexen Welt lebten, die wir durch unseren Konsum und unser Essverhalten mitprägten.

"Wer etwas gegen den Hunger in der Welt tun will, muss sich vor allem damit beschäftigen, wo seine eigenen Lebensmittel herkommen", meint Simone Pott. Nur so könne ein Anfang gemacht werden, um Strukturen, die Ausbeutung, Armut und Hunger produzierten, zu bekämpfen.

Nur das kaufen, was man auch isst

Je nachdem, welche Statistik man bemüht, landen in Deutschland jährlich zwischen sechs und 20 Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem Müll.

Das lässt den Schluss zu: Die meisten von uns gehen verschwenderisch mit Gütern um, die anderswo in der Welt knapp sind. Um sie herzustellen, standen Arbeiter auf dem Feld, fuhren Schiffe übers Meer und starben Tiere aus der Massentierhaltung.

Aber es ist vermeidbar, dass wir Lebensmittel wegwerfen. Etwa, indem wir uns vor jedem Einkauf einen Einkaufszettel machen und uns fragen: Was essen wir in den nächsten Tagen? Und wie viel davon?

Über die Haltbarkeit der Lebensmittel sollten wir ebenfalls nachdenken. Denn es bringt nichts, wenn wir uns tolles Biogemüse kaufen, das wir dann aber nicht essen.

Lebensmittel in einer Mülltonne.

Viele Lebensmittel landen im Müll

Weniger Fleisch essen

Wer etwas gegen den Hunger in der Welt tun möchte, sollte seinen Fleischkonsum stark einschränken. Experten raten dazu, höchstens dreimal pro Woche Fleisch zu essen.

Der Grund hierfür ist ganz einfach: Um ein Tier zu ernähren, müssen große Mengen an Futtermittel wie etwa Getreide oder Soja angepflanzt und geerntet werden. Würden die Menschen diese Pflanzen direkt essen können, würden viel mehr davon satt.

Ein Viertel der weltweiten Getreideernte wird heute an Tiere verfüttert. Amerikanische Wissenschaftler haben 2013 berechnet, dass vier Milliarden Menschen mehr satt werden könnten, wenn das Getreide direkt zu Nahrungsmitteln verarbeitet werden würde.

Glaubt man dieser Studie, wäre das Hungerproblem der Welt also gelöst, wenn niemand mehr Fleisch essen würde.

Ein mit Pilzen garnierter Braten.

Vor allem in Industrienationen wird viel Fleisch gegessen

Bei Fisch genau hinschauen

Auch bei Fisch sollte man sich informieren, woher die Ware kommt. 75 Prozent der kommerziell genutzten Fischbestände weltweit werden bis an ihre Grenzen genutzt oder überfischt. In einigen Meeresgebieten fangen wir den Fisch tatsächlich Menschen weg, die in der Folge Hunger leiden.

Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn riesige Fischtrawler Bestände vor der afrikanischen Küste leerfischen. Menschen aus dem Senegal, Mauretanien oder Guinea wird damit die Lebensgrundlage entzogen. Für einige der afrikanischen Fischer ist die Existenznot derart groß, dass sie die Flucht nach Europa wagen. Nicht wenige finden dabei den Tod.

Doch wer im Supermarkt seine Fischstäbchen kauft, wird über solche Zusammenhänge nicht informiert. Und die Siegel (etwa Marine Stewardship Council, Naturland, Bioland), die manchmal auf der Packung stehen, beziehen sich vor allem auf ökologische Kriterien.

Aber immerhin sind sie eine grobe Orientierungshilfe für all diejenigen, denen es nicht egal ist, welche Lebensmittel auf ihrem Teller landen.

Zwei Fische mit MSC-Siegel liegen zum Verkauf bereit.

Das blaue MSC-Siegel wirbt für nachhaltigen Fischfang

Fair gehandelte und regionale Produkte

Auch fair gehandelte Produkte zu kaufen, kann eine Möglichkeit sein, Menschen in ärmeren Regionen der Welt zu helfen. "Transfair" ist ein Siegel, das mittlerweile fast überall zu finden ist.

Im Supermarkt kann man heute fair gehandelten Kaffee kaufen, genauso wie faire Schokolade, Bananen, Wein oder Orangensaft. Diese Transfair-Waren führen dazu, dass die Kleinbauern in den Entwicklungsländern faire Preise für ihre Produkte bekommen und so auch wirklich von ihrer Ernte profitieren.

Wenn es nicht gerade um Südfrüchte oder Kaffee geht, sollte man allerdings bevorzugt Bioprodukte aus der Region kaufen. Wer im Lauf eines Jahres über die Felder fährt, erhält einen Eindruck davon, welche Pflanzen zu welcher Jahreszeit vor der eigenen Haustür wachsen.

Wenn man seinen Speiseplan danach ausrichtet, unterstützt man die Bauern vor Ort – und macht Deutschland unabhängiger vom globalen Handel.

TransFair-Siegel auf einer Kaffeepackung.

TransFair-Siegel für fair gehandelte Produkte

Direkte Hilfe durch Spenden

Ausbeuterische Strukturen verändern sich nicht von heute auf morgen – dabei leiden jeden Tag Millionen Menschen auf der Welt Hunger. Wer ihnen schnell helfen möchte, kann spenden.

Die großen Nichtregierungsorganisationen und Aktionsgruppen erhalten für ihr Engagement bei der Hungerbekämpfung in der Regel öffentliche Gelder. Damit sie aber flexibel und unabhängig arbeiten können, sind sie auch auf private Spenden angewiesen.

Wer bei der Auswahl der Hilfsorganisation unsicher ist, kann auf das Spenden-Siegel des Deutschen Instituts für soziale Fragen (DZI) achten. Das Siegel ist immer nur ein Jahr lang gültig und garantiert, dass die Spendengelder auch bei den Betroffenen ankommen.

Glas mit Geld gefüllt und der Aufschrift Spende.

Auch kleine Spenden helfen

Autorin: Clara Walther

Stand: 19.09.2018, 09:00

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