Stuttgarter Fernsehturm

Eine Nahaufnahme der Spitze des Stuttgarter Fernsehturms

Türme

Stuttgarter Fernsehturm

Anfang der 1950er Jahre wurde das Fernsehen zum Massenmedium. Die Fernsehanstalten brauchten jetzt für eine qualitativ hochwertige und störungsfreie Übertragung von Bild und Ton Sendemasten, die höher als jedes Hindernis waren: Die Fernsehtürme.

Schlanke Betonröhre mit Aussicht

1953 beschloss der Süddeutsche Rundfunk, auf dem Hohen Bopser in Stuttgart einen Fernsehturm zu errichten und beantragte die Genehmigung für den Bau eines 200 Meter hohen Stahlgittermast-Turmes. Einen "hässlichen Stahlgittermast" allerdings wollte die Stuttgarter Bevölkerung nicht.

Dann meldete sich der Ingenieur Fritz Leonhardt - seinerzeit weltweit anerkannter Brückenbauingenieur - zu Wort. Er schlug vor, einen Turm aus Stahlbeton bauen zu lassen. Eine schlanke Röhre sollte es werden, mit einer Aussichtsplattform, auf der man sich auch in einem Restaurant bei einer Tasse Kaffee entspannen und die schöne Aussicht genießen konnte.

1954 - der erste Spatenstich

Fritz Leonhardt wollte beweisen, dass technisch Notwendiges auch gleichzeitig schön gestaltet werden kann. Form, Funktion und Konstruktion sollten beim neuen Fernsehturm zu einer Einheit verschmelzen. Der damalige Süddeutsche Rundfunk griff die Idee Leonhardts auf.

1954 dann: Der erste Spatenstich - die Bauarbeiten für den Stuttgarter Fernsehturm konnten beginnen. Manche Stuttgarter blieben auch jetzt noch kritisch und schmähten den Turm als "Bohnenstange mit Bienenkorb". Aber ihre Spottrufe verstummten schon bald und stattdessen machte sich Begeisterung breit.

Ein neues Wahrzeichen für Stuttgart

Der Fernsehturm in Stuttgart

Stuttgarts Wahrzeichen

Am 5. Februar 1956, nach 20 Monaten Bauzeit, wurde der Stuttgarter Fernsehturm offiziell seiner Bestimmung übergeben. Seitdem ist er das Wahrzeichen Stuttgarts und ein beliebtes Ausflugsziel geworden. Bis zum Jahr 2005 hatten zirka 25 Millionen Menschen den Fernsehturm besucht. 217 Meter ist er hoch und 3000 Tonnen schwer.

Einige gestalterische "Tricks" lassen den Giganten trotzdem filigran und ästhetisch wirken: Zum Beispiel verläuft der Turmschaft nicht kerzengerade, sondern mit parabelförmig gekrümmtem Anlauf nach oben. Dieser leichte, kaum wahrnehmbare Schwung lässt die Erscheinung des Turms leicht und harmonisch wirken.

Technisches, ästhetisches und ökonomisches Vorbild

Fritz Leonhardts erster Stahlbeton-Fernsehturm der Welt wurde zum Vorbild für zahlreiche weitere Fernsehtürme, die in den folgenden Jahrzehnten in Deutschland und weltweit gebaut werden sollten. Eine solche Stahlbetonröhre war, unter ökonomischen und technischen Gesichtspunkten betrachtet, ein Vorbild. Der Turm sah gut aus und die Kombination mit einer Aussichtsplattform war eine gewinnbringende Idee. In zahlreichen Städten entschied man sich danach ebenfalls für den Bau einer "Beton-Nadel" als Fernsehturm.

Beton-Nadeln ganz individuell

Blick auf das Stadtzentrum von Berlin mit Fernsehturm, Park Inn Hotel am Alexanderplatz, Rotes Rathaus und Dom.

Der Berliner Fernsehturm am Alexanderplatz mit 368 Meter Höhe

Eine regelrechte Turmbauwelle brach los. Hunderte Türme nach Fritz Leonhardts Vorbild wurden geplant, um den steigenden Bedarf an Rundfunk- und Richtfunktürmen zu decken. Eine individuelle Note bekamen die Türme durch die Gestalt ihrer Aussichtsplattformen. So erhielten viele der größten Städte in Deutschland ihren "eigenen" Fernsehturm.

Zum Beispiel: der Heinrich-Hertz-Turm (oder auch Tele-Michel) in Hamburg (eröffnet 1968; 279 Meter hoch), der Olympiaturm in München (1968; 291 Meter), der Fernmeldeturm Mannheim (1975; 212,8 Meter) oder der Kölner Fernsehturm (1981; 266 Meter). Der höchste deutsche Fernsehturm ist der 1969 in der DDR eingeweihte Berliner Fernsehturm am Alexanderplatz mit einer Höhe von 368 Metern.

Autorin: Susanne Decker

Stand: 13.08.2014, 13:00

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