Vermummte Gestalten: berühmte Maskenträger

Antonio Banderas als Don Alexandro de la Vega alias Zorro umarmt in einer Szene aus dem Film "Die Legende des Zorro" Catherine Zeta Jones als seine Ehefrau Elena

Masken

Vermummte Gestalten: berühmte Maskenträger

Von Barbara Garde

Chirurgen und Schweißer tragen sie, beim Bankraub oder der Sexorgie bleibt man mit ihr unerkannt, Literatur- und Leinwandhelden führen mit ihrer Hilfe ein erfolgreiches Doppelleben – die Maske ist in verschiedenen Lebenslagen ein nützliches Utensil.

Zorro – Kämpfer für die Gerechtigkeit

Er ist der klassische Maskenträger – Zorro, der Beschützer der Armen und Unterdrückten, der im Kalifornien des 19. Jahrhunderts für Freiheit und Gerechtigkeit kämpft.

Aus dem Nichts taucht er auf, immer versteckt hinter einer schwarzen Augenmaske. Sein zweites Markenzeichen ist das Z, das er in einer eleganten Bewegung mit seinem Degen auf Häuserwände, Bäume und manchmal auch in die Körper seiner Feinde ritzt.

Dabei ist Don Diego de la Vega, so der richtige Name des Zorro, selbst einer der reichen Landbesitzer. Im normalen Leben ist er ein Taugenichts, ein Lebemann ohne Ehrgeiz und ohne Gewissen, der vom Geld seines Vaters lebt.

Seine Angebetete Donna Elena verachtet ihn deswegen. Aber wenn er sich ihr in der Zorro-Maske nähert, erglüht sie vor Leidenschaft.


Johnston McCulley schrieb den ersten Zorro-Roman 1919 und seitdem bevölkert der maskierte Held die Leinwände der Welt: Douglas Fairbanks, Tyrone Power und andere Hollywood-Womanizer haben den Mann mit den zwei Seiten gespielt.

Eine der jüngsten Verfilmungen lieferte eine neue Variante: In "Die Maske des Zorro" spielen gleich zwei Superstars den Helden: Antonio Banderas und Anthony Hopkins.

Der alte Zorro Hopkins überträgt hier dem jungen Banderas seine Aufgabe und nutzt dabei einen großen Vorteil der Maske: Maskenträger sind nicht nur stark, sexy und gefürchtet, sondern auch austauschbar und damit unsterblich.

Batman – das Technik-Wunder von Gotham

Unter anderem Michael Keaton, George Clooney und Christian Bale haben den Fledermausmann gespielt. Dabei ist Batman, wie viele seiner maskierten Kollegen, ursprünglich eine Comicfigur. Bob Kane kreierte ihn 1939 und seitdem führt der maskierte Held mit dem schwierigen Liebesleben sein anstrengendes Doppelleben:

Im Alltag ist Bruce Wayne Millionär und ein angesehener Bürger seiner Vaterstadt Gotham. Nachts fliegt er jedoch in seinem extra für ihn konstruierten Fledermaus-Kostüm durch die Straßen auf der Jagd nach den Mördern seiner Eltern und nach dem Bösen schlechthin.

Die Wahl seiner Maskierung erklärt er selbst in einem frühen Batman-Comic so: "Kriminelle sind immer ein feiges, abergläubisches Pack. Meine Verkleidung muss sie in Angst und Schrecken versetzen. Ich muss eine Kreatur der Nacht sein – schwarz und schrecklich…"

Batman marschiert im Fledermaus-Kostüm in einem Schwarm von Fledermäusen.

Der Kämpfer für das Gute auf dem Weg zur Arbeit


Aber Batman ist nicht der einzige Maskierte in Gotham: Ihm zur Seite stehen Batwoman und sein Schüler und treuer Gefährte Robin. Auch in Batmans Welt ermöglicht die Maske einen reibungslosen Personalaustausch:

Allein drei unterschiedliche Persönlichkeiten verkörpern in den Comics Robin und als Batman einmal eine ganze Weile kampfesmüde ist, übernimmt Robin sogar seine Rolle, indem er in sein Kostüm schlüpft.

Aber nicht nur die Guten tragen Masken, auch das Böse kommt in Gotham maskiert daher: Der Massenmörder Joker, der Pinguin und der ursprünglich ehrenwerte Staatsanwalt Harvey Dent, der sich in den gemeinen Two Face verwandelt.

Das Renaissance-Wort "Jedem seine Maske" scheint in Gotham Gesetz zu sein: Jeder Mensch hat auch eine unbekannte andere Seite, die er erst mithilfe der Maskierung ausleben kann.

Spider-Man – ein Held mit Problemen

Nicht nur Schutz und Anonymität, sondern auch die Verpackung übernatürlicher Kräfte bietet die Maske den Superhelden wie Spider-Man. Im richtigen Leben ist Spider-Man der eher schüchterne Teenager Peter Parker. Durch den Biss einer radioaktiv verseuchten Spinne verfügt er über die Fähigkeiten einer riesigen menschlichen Spinne.

Kopf der Comicfigur Spider-Man im roten Kostüm mit großen Insektenaugen

Spinne mit Identifikationspotenzial

Zunächst nutzt er die übernatürlichen Kräfte zur Taschengeldaufbesserung bei Ringkämpfen. Als jedoch sein Onkel getötet wird, nimmt auch er den Kampf gegen das Böse auf, weil "in dieser Welt große Macht mit großer Verantwortung gepaart sein muss!"

Spider-Man erschien erstmals 1962 als Comic und war von Anfang an ein schwieriger Held: Spinnen sind keine Sympathieträger. Aber Peter Parker war ein so menschlicher und oft auch Mitleid erregender Held – etwa wenn er sich sein erstes Spider-Kostüm selbst näht und sich dabei immer in den Finger sticht – dass er schnell eine treue Fangemeinde fand.

Er ist der Einsamste der Maskierten: Niemand soll von seinem Spinnen-Doppelleben erfahren, und niemals wird er das ersehnte ganz normale Familienleben haben, denn der Auslöser seiner Superkräfte, die radioaktive Verseuchung, verbietet ihm jede Hoffnung auf Partnerschaft und Fortpflanzung.

Spider-Man ist hinter seiner Maske für alle Zeiten ein armer Tropf.

Don Juan DeMarco – der größte Liebhaber der Welt

Und noch ein maskierter, frustrierter Teenager – in einem Film von 1995: Ein liebeskranker junger Mann, der sich mit Augenmaske und Flattermantel in den Tod stürzen wollte, wird in die Psychiatrie eingewiesen. Er behauptet, Don Juan DeMarco zu sein, der größte Liebhaber der Welt, der 1000 Frauen verführte, ohne die Richtige zu bekommen.

Die Zwangsvorstellung entpuppt sich als reale Kunst. Der maskierte Don Juan versteht es, immer mehr Psychiatrieangestellte in seine Welt der Verführung hinüberzuziehen.

Auch wenn er zum Schluss die Maske ablegt und seine reale durchschnittliche Existenz zugibt, begreifen letztlich alle Beteiligten, dass ein maskiertes Leben vielleicht das bessere sein könnte.

Johnny Depp mit schwarzer Augenmaske als verführerischer Don Juan DeMarco mit schöner junger Frau.

Mit Maske noch geheimnisvoller: Johnny Depp

Johnny Depp als maskierter Latin Lover demonstriert die erotische Kraft der Maske: Selbst im Moment der absoluten Nacktheit wahrt das Gegenüber ein Geheimnis. Man weiß nie, mit wem man sich wirklich einlässt. Dieses Geheimnis, das Spiel mit dem Möglichen und Unmöglichen, ist die Triebfeder der Erotik.

Die Maske verbirgt aber nicht nur die Identität des Gegenübers, sie verändert und fokussiert gleichzeitig den Blick des Trägers und ermöglicht so eine andere, neue Sicht auf die Dinge des Lebens – nicht nur in der Liebe.

Hannibal Lecter – Maskenträger wider Willen

Wenn der von Thomas Harris erfundene und 1991 von Anthony Hopkins in "Das Schweigen der Lämmer" gespielte, hoch kultivierte Kannibale Dr. Hannibal Lecter seine Zelle verlässt, muss er neben Handschellen und Fußfesseln auch eine Maske als Beißschutz tragen.

Meist handelt es sich dabei um eine groteske Ledermaske, manchmal wählt die Justiz aber auch eine Art Maulkorb, die die Nase des Maskenträgers erheblich quetscht und ein gewisses Mitleid beim Betrachter hervorruft.

Und obwohl jeder Zuschauer froh wäre, wenn Hannibal bei einem persönlichen Treffen seinen Beißschutz tragen würde, entsteht doch der Eindruck, dass erst die zwangsverordnete Maske den promovierten Kannibalen zum fürchtenswerten Monster macht.

Mann mit lederner Maske. Stirn und Augen sind frei, die Mundöffnung ist vergittert

Masken machen nicht sympathisch

Darth Vader – Tyrann in eiserner Lunge

Darth Vader, Vertreter der Macht des Bösen, kämpfte früher auf der Seite der Guten. Im Kampf gegen seinen einstigen Lehrer ist Anakin Skywalkers Körper zerstört worden, und nun wird er nur durch eine Ganzkörpermaske am Leben erhalten.

Die Maske ähnelt einer klassischen Rüstung: Sie ist Schutz und Abschreckung zugleich und macht den Träger zu einer furchteinflößenden Kampfmaschine. Selten wird die Funktion der Maske als die andere Seite einer Persönlichkeit, als das "zweite Gesicht" so deutlich wie bei Darth Vader, dem dunklen Helden der Sternen-Saga "Star Wars".

Unter der grausamen Darth-Vader-Rüstung steckt immer noch der liebende Familienvater Anakin Skywalker, der erst, als ihm der Helm abgenommen wird, wieder zum Vorschein kommt.

Darth Vader mit schwarzem Helm und rüstungsähnlicher Kleidung.

Die Ganzkörpermaske beeinflusst auch den Charakter

Der Joker – wenn das Gesicht zur Maske wird

Masken machen Angst und schüchtern ein: Man weiß nicht, wer und was sich dahinter wirklich verbirgt. So ist die völlig ausdruckslose weiße Maske des Teenager-Mörders Michael Myers aus den "Halloween"-Filmen in ihrer absoluten Ausdrucks- und Alterslosigkeit für seine Opfer eine Botschaft:

Diesen Menschen kann nichts berühren – solange er die Maske als sein zweites Gesicht, seine dunkle Seite trägt.

Anders ist eine Maske, die direkt mit dem Gesicht verwachsen ist: Hier gibt es keine andere Seite der Persönlichkeit mehr. Die Alptraumgestalt Freddy Krueger ist so unwandelbar grausam wie Batmans Gegenspieler, der Joker.

Der Bösewicht Jack Napier, genannt der Joker, entstand in den 1940er Jahren in den Batman-Comics. Der Massenmörder, der sein wahres Gesicht bei einem Säureunfall und einer anschließenden missglückten Gesichtsoperation verloren hat, wurde im Laufe der Zeit – nicht zuletzt durch seine Filmdarsteller – zum Inbegriff des anarchistischen Bösewichts.

Jack Nicholson spielte ihn als dauergrinsenden Anarchoclown. Heath Ledgers Joker war ein schmierig-charmanter Psychopath, der seinen Gegenspieler selbst mit Fledermausmaske blass aussehen ließ.

Der Joker: ein Mann mit verschmierter Clownsbemalung.

Kann man diesen Augen trauen?

Das Clowngesicht als Maske des Bösen ist eine verbreitete Erscheinung. Schon Fritz Lang schickte seinen Erzschurken Dr. Mabuse als Clown unter die Leute.

Stephen King schockt sein Publikum durch Verderben bringende Spaßmacher. Nichts scheint grauenerregender als eine grundsätzlich positiv besetzte, vertraute Maske, hinter der sich das absolut Böse verbirgt.

Stand: 13.02.2019, 09:01

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