Jack the Ripper

Klaus Kinski in "Jack the Ripper"

Britische Schauergestalten

Jack the Ripper

Er ist einer der bekanntesten Mörder aller Zeiten – Jack the Ripper war im London des ausgehenden 19. Jahrhunderts für sechs brutale Morde an Prostituierten verantwortlich. So glaubt man zumindest. Gefasst wurde er nie. Auch darüber, wer er wirklich war, weiß man bis heute nichts. In einem Bekennerschreiben nannte er sich selbst "Jack the Ripper". Inzwischen geht man davon aus, dass der Brief das Werk eines geltungssüchtigen Journalisten ist und nicht vom wirklichen Mörder stammt. Trotzdem bleibt dieser Name bis heute mit dem unbekannten Täter verbunden und hat ihn vielleicht mehr zur Legende gemacht, als seine wahre Identität es je vermocht hätte.

Die Übersetzung

"Lieber Boss!

Ich höre immer wieder, dass die Polizei mich geschnappt haben soll, aber noch ist es nicht soweit. Es hat mich amüsiert, wie Sie so clever dreinschauten und behaupteten, auf der richtigen Fährte zu sein. Dieser Witz über die Lederschürze hat mich wirklich gefreut. Ich bin hinter Huren her und werde nicht aufhören, sie aufzuschlitzen, bis man mich schnappt.

Meine letzte Tat war ein Meisterwerk. Die Dame konnte nicht einmal mehr schreien. Wie wollen Sie mich fangen? Ich liebe meine Arbeit und möchte weitermachen. Sie werden bald von mir und meinen lustigen kleinen Spielchen hören.

Ich habe mir bei meinem letzten Job etwas von dem passenden roten Zeug in einer Ingwer-Bierflasche aufgehoben, um damit zu schreiben, aber leider wurde es so dick wie Klebstoff und ist nicht zu brauchen. Rote Tinte tut's hoffentlich auch, ha ha! Beim nächsten Mal sollte ich die Ohren der Dame abschneiden und der Polizei schicken, nur so aus Spaß, wie wäre das?

Halten Sie diesen Brief zurück, bis ich noch etwas mehr von meiner Arbeit verrichtet habe. Dann können Sie ihn veröffentlichen. Mein Messer ist so wundervoll scharf. Ich würde am liebsten sofort wieder an die Arbeit gehen, wenn sich eine Gelegenheit böte. Viel Glück

Hochachtungsvoll Jack the Ripper

So können Sie mich ruhig nennen!"

Die Mordserie

Zwischen dem 6. August und dem 9. November 1888 werden im östlichen Londoner Stadtteil Whitechapel sechs Prostituierte auf bestialische Weise getötet. Der Mörder bringt seine Opfer nicht nur einfach um, sondern verstümmelt sie auch noch. Er entfernt ihnen Organe, von denen einige an die ermittelnde Polizeidienststelle geschickt werden.

Die einheitliche Tatausführung lässt auf einen einzigen Täter schließen, der über chirurgische Kenntnisse verfügen muss, da die Verstümmelungen fachmännisch ausgeführt werden.

Die Polizei erhält diverse Bekennerschreiben, in denen der Absender die Polizei verhöhnt und sich selbst Jack the Ripper nennt. Auch wenn heute bezweifelt werden darf, dass diese Schreiben tatsächlich von dem gesuchten Mörder stammen, geben sie ihm dennoch den makabren Namen, unter dem ihn bis heute jeder kennt. Anfang November reißt die Mordserie so plötzlich ab, wie sie begonnen hat. Ein Täter wird nie gefasst.

Wer war es?

Diese Frage beschäftigt bis heute professionelle wie Hobby-Kriminologen auf der ganzen Welt. Da gibt es die abenteuerlichsten Theorien vom frauenhassenden, halbverrückten deutschen Maler bis hin zum Leibarzt von Königin Viktoria, der in deren Auftrag die Morde ausgeführt haben soll. Motiv: Rache für ihren Enkel, der sich bei einer Prostituierten mit Syphilis infiziert hatte.

Nichts davon kann je bewiesen werden, bietet aber Verschwörungstheoretikern endlosen Stoff. Hätte man den Täter seinerzeit gefasst, würde wahrscheinlich heute niemand mehr über den Fall reden. Aber dass ein Serienmörder davonkam, beflügelt bis heute die Fantasie unzähliger Menschen.

Ein Museumsmitarbeiter hält das original Messer von Jack the Ripper

Das original Messer von Jack the Ripper

Die Opfer

Die Opfer der Mordserie sind allesamt Prostituierte, die zur damaligen Zeit zuhauf im Londoner East End anzutreffen sind. Denn die Menschen, die dort leben, sind so arm, dass Prostitution oft die einzig mögliche Erwerbsquelle für Frauen ist.

Von den vier Millionen Einwohnern Londons – damals die größte Stadt der Welt – leben 450.000 unter erbärmlichsten Bedingungen in den Elendsvierteln des East End. Gewalt ist hier so alltäglich, dass die Morde vermutlich nie überregional bekannt geworden wären. Erst als klar wird, dass hier ein Serienmörder am Werk ist, sorgt der Fall für Schlagzeilen.

Bis heute ist über die Opfer, abgesehen von ihrem "Beruf", nicht allzu viel bekannt. Immer wieder sorgen Spekulationen über angebliche Verbindungen des ein oder anderen Opfers zu hochgestellten Persönlichkeiten für moralische Entrüstung im prüden England und neue Tätertheorien. Bewiesen ist davon nach wie vor nichts.

Zeitungsausschnitt mit der Überschrift "The Face of Jack the Ripper"

Theorien und Spekulatioen gab es viele, bewiesen wurde keine

Die Polizei

Viele Autoren, die sich in dicken Büchern mit dem Fall beschäftigt haben, betonen immer wieder die angebliche Unfähigkeit der Polizei. Dabei wird aber selten berücksichtigt, dass die kriminalistischen Methoden damals weit entfernt von den heutigen Möglichkeiten waren. Blutgruppenbestimmungen gab es 1888 ebenso wenig wie den Vergleich von Fingerabdrücken oder gar Genanalysen.

Wenn ein Täter nicht unmittelbar auf frischer Tat erwischt wurde, war ihm selbst dann kaum etwas nachzuweisen, wenn er mit völlig blutverschmierter Kleidung gefasst worden wäre.

Hinzu kommt, dass die Londoner Polizei damals personell vollkommen unterbesetzt war. Für die Untersuchung der Ripper-Morde war die Metropolitan Police zuständig, die viel zu wenig Leute hat, um die Menschen im Londoner East End ernsthaft beschützen zu können – geschweige denn den Täter zu fassen. Und bei allem Aufsehen – letztendlich waren die Opfer doch "nur" Prostituierte!

Der Ausschnitt aus einer Illustration der "Police News" aus dem Jahr 1888 zeigt die Ermordung einer Prostituierten durch "Jack the Ripper"

Polizeimeldung aus dem Jahr 1888

Autor: Stefan Morawietz

Stand: 09.07.2018, 15:55

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