Der kubanische Zucker

Blühendes Zuckerrohrfeld

Kuba

Der kubanische Zucker

Mit dem Zucker verbindet die Kubaner eine Hassliebe: Einerseits gehört er nach wie vor zu den wichtigsten Exportprodukten der Insel und die Zuckerindustrie bietet noch immer eine große Zahl an Arbeitsplätzen. Andererseits ist Kuba gefährlich abhängig von der Monokultur: Schwankungen der internationalen Zuckerpreise oder schlechte Ernten wirken sich immer auf die gesamte Wirtschaft der "Zuckerinsel" aus.

Die Zuckerrohrpflanze

Das Zuckerrohr ist eine schilfähnliche mehrjährige Pflanze und stammt ursprünglich aus Südostasien. Sie gehört zur Familie der Gräser. Wie der Bambus hat sie knotige Verdickungen am Stängel. Diese enthalten etwa 15 Prozent Zucker. Das Rohr kann bis zu vier Meter hoch werden. Nach der Aussaat dauert es zirka zwölf Monate, bis das Zuckerohr geerntet werden kann.

Die Pflanze wächst in der Regel 20 Jahre lang nach. Sie braucht Tagestemperaturen von 25 bis 30 Grad Celsius um gut zu gedeihen. Zuckerrohr hat einen hohen Wasserbedarf. Auf Staunässe reagiert es jedoch sehr empfindlich. Das tropische Seeklima Kubas ist für das Gras ideal.

Die Verarbeitung

Die Haupternte des Zuckerrohrs fällt in die Monate April bis Juli. Früher wurden die Pflanzen per Hand mit Macheten geerntet, heute fräsen Maschinen die Felder. Das Rohr muss umgehend verarbeitet werden, da es sonst austrocknet. Lange Zeit hat man auf Kuba die Zuckerrohrfelder vor der Ernte abgebrannt, um das Stroh zu entsorgen. Doch es hat sich herausgestellt, dass darunter der Zuckergehalt der Pflanzen leidet.

Maschinen ernten Zuckerrohr

Bei der Ernte kommen heute Maschinen zum Einsatz

Nach der Ernte werden die Blätter entfernt und die Stängel werden in den Zuckermühlen zermahlen und ausgepresst. Dabei entsteht Rohsaft, der gereinigt und eingekocht wird. Anschließend wird er durch Kühlung auskristallisiert. In Zentrifugen wird die dunkle Melasse vom gelblichen Rohzucker getrennt.

In den kleinen Zuckerplantagen (Cachimbos) wird in der Regel nur der braune Zucker hergestellt. Um weißen Zucker zu erhalten, muss das Produkt weiter raffiniert werden – einige kubanische Fabriken verfügen inzwischen über Weißzuckeranlagen.

Nicht nur der Zucker selbst, sondern auch Nebenprodukte wie Pflanzenfasern oder die Melasse werden weiterverarbeitet. Aus den Pflanzenrückständen werden zum Beispiel Möbel oder Brennmaterial gefertigt. Die Melasse dient als Grundlage für Medikamente, als Viehfutter und wird bei der Rumdestillation verwendet.

Die Geschichte der kubanischen Zuckerproduktion

1523 brachten die Spanier die Pflanze von den Kanarischen Inseln mit. 1603 wurde die erste Zuckerrohrplantage der Insel errichtet. Sklaven aus Afrika schufteten bei glühender Hitze auf den Feldern und in den Zuckermühlen: Die Zuckerrohrpflanzen mussten mit der Machete abgeschlagen und in den Siedehäusern zu Sirup gekocht werden.

Holzstich: Zuckerrohrernte mit der Machete

Die Arbeit auf den Zuckerrohrfeldern war hart

Ende des 18. Jahrhunderts eröffneten die USA den Handel mit der Insel. Aus Haiti flüchteten rund 30.000 französische Pflanzer vor den Sklavenaufständen nach Kuba. Damit war der Grundstein für den Zuckerboom im 19. Jahrhundert gelegt. Im Jahre 1850 zählte man auf der Insel 14.000 Zuckerrohrplantagen. Damals war Kuba der größte Zuckerproduzent der Welt. Die kubanische Zuckeraristokratie wurde durch die Produktion zum Teil steinreich.

Zu Beginn des US-Embargos 1960 wurden alle Zuckerfabriken in Staatsbesitz überführt. Kuba versuchte in diesen Jahren, unabhängiger von der Monokultur zu werden. Diese Bestrebungen führten dazu, dass die Deviseneinnahmen einbrachen. Die Sowjetunion versuchte zu helfen, indem sie den kubanischen Zucker zu Vorzugspreisen abnahm. Die Zuckerindustrie rückte wieder ins wirtschaftliche Zentrum. 1970 erreichten die Kubaner mit einer Ernte von 8,5 Millionen Tonnen das beste Ergebnis der Geschichte, vernachlässigten dafür aber andere Wirtschaftszweige.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und durch die weiter sinkenden Weltmarktpreise ging die Zuckerproduktion auf Kuba stark zurück. Im Jahr 1999 wurden auf Kuba gerade noch 3,5 Millionen Tonnen geerntet. Ein erneuter Aufschwung der Zuckerindustrie war lange nicht in Sicht – im Jahr 2003 musste sogar mehr als die Hälfte aller kubanischen Zuckermühlen schließen. Bis zum Jahr 2010 sank die Produktion immer weiter. Erst danach stieg sie langsam wieder an und soll sich in den nächsten Jahren weiter steigern.

Trinidad – Stadt der Zuckerbarone

Vor allem in der Stadt Trinidad im Westen Kubas hinterließ das "Goldene Zeitalter" des Zuckerbooms und des damit verbundenen Sklavenhandels seine Spuren. Das malerisch gelegene Trinidad, 1514 vom kubanischen Gouverneur Diego Velásquez errichtet und drittälteste Stadt Kubas, spiegelt den Glanz und die Dekadenz der Kolonialzeit wieder wie keine andere. 1988 wurde der Ort von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt.

Restaurant in Trinidad

Trinidad – die Hauptstadt des Zuckers

Besonders die prachtvollen Paläste an der Plaza Mayor zeugen noch heute vom Reichtum der "Zuckerbarone". Diese versuchten, den Luxus und den Baustil Havannas zu imitieren und zu übertreffen. In ihren Palästen, die oft in der Tradition der spanisch-maurischen Mudéjar-Architektur errichtet worden waren, wurde eine Salonkultur mit Theater, Philosophie, Kunst und französischer Sprache gepflegt. Heute werden die alten Paläste in erster Linie als Museen genutzt.

Östlich von Trinidad liegt das Valle de los Ingenios, das Tal der Zuckermühlen. Mitte des 19. Jahrhunderts lag hier das Zentrum der kubanischen Zuckerindustrie. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war Trinidad nicht an das überregionale Schienen- und Straßennetz angeschlossen, was den Handel nahezu zum Stillstand kommen ließ. Die Stadt fiel in einen langen Dornröschenschlaf, aus dem sie erst der aufkommende Tourismusboom Anfang der 1990er Jahre wieder erweckte.

Autorin: Annette Holtmeyer

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Stand: 06.06.2018, 10:03

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