Fidel Castro

Schwarz-weiß-Portrait Fidel Castros mit Zigarre von 1974

Kuba

Fidel Castro

Bart und olivgrüne Uniform – so kannte man ihn: Fidel Castro. Fast 50 Jahre stand er an der Spitze Kubas. Seit der Revolution 1959 drückte er dem Land seinen Stempel auf. Sozialismus, ein vorbildliches Bildungs- und Gesundheitssystem aber auch Entbehrungen und Einschränkungen brachte er den Kubanern.

Fidel Castro – ein auffälliger Schüler

13. August 1926 – das ist das offizielle Geburtsdatum von Fidel Castro, dem Sohn des Großgrundbesitzers Ángel Castro y Argiz und dessen Haushälterin und Köchin Lina Ruz González. Das Verhältnis zum Vater gestaltete sich nicht besonders herzlich, der alte Herr war sehr autoritär.

Fidel Castro steht 1976 an einem Pult mit Mikrophonen und hält eine Rede. Einen Finger reckt er mahnend in die Höhe

Fidel Castro: Fast 50 Jahre an der Spitze Kubas

Bereits im Alter von sechs Jahren schickten seine Eltern den kleinen Fidel fort: von der heimatlichen Finca im Osten Kubas in eine katholische Schule nach Santiago de Cuba. Pflegeeltern kümmerten sich dort um den Jungen.

Seine Intelligenz und sein exzellentes Gedächtnis fielen den Lehrern schon früh auf. Mit 16 Jahren besuchte Fidel Castro das Jesuitenkolleg Belén in Havanna, ein strenges und angesehenes Internat. Castro zeigte bereits hier großen Ehrgeiz – im Unterricht und im Sport.

Schon im Internat gelangte der spätere "Máximo Líder" zu umstrittenem Ruhm, als er seinen eisernen Willen und seinen Mut unter Beweis stellen wollte: Umgebremst raste Fidel Castro mit dem Fahrrad gegen eine Steinmauer. Zunächst bewusstlos, kam er mit einer Gehirnerschütterung davon. 1945 überreichten die jesuitischen Padres ihm sein hervorragendes Abschlusszeugnis.

Vom Anwalt zum Guerillaführer

Nach dem Jesuitenkolleg wechselte Castro zum Jurastudium an die Universität von Havanna. Anwalt – das war sein Berufsziel. Damals hatten bewaffnete Banden großen Einfluss auf die kubanische Politik und auch auf dem Campus. Es war die Zeit des "Gangsterismo" und in diesem Umfeld begann Castro, sich in die Universitätspolitik einzumischen. Sowohl als Studentenführer als auch später als Rechtsanwalt stellte er sich gegen die korrupte Regierung und auf die Seite der sozial Schwachen.

Moncada-Kaserne in Santiago de Cuba

Heute beherbergt die Moncada-Kaserne eine Schule und ein Museum

1953 organisierte Castro den berühmten Sturm auf die Moncada-Kaserne in Santiago de Cuba: Etwa 160 schlecht bewaffnete Kämpfer stellten sich gegen die zweitgrößte Armee-Einrichtung des Landes – erfolglos. Castro unterlag und wurde festgenommen. Seine Bekanntheit und sein Ansehen stiegen jedoch im ganzen Land schlagartig an.

Nach der Festnahme verteidigte Castro sich selbst, hielt eine flammende Rede gegen den Diktator Fulgencio Batista. Seine Haftstrafe: 15 Jahre. Doch bereits 1955 wurde Castro vorzeitig entlassen. Er ging ins mexikanische Exil, zur Vorbereitung des bewaffneten Kampfes – seiner Revolution.

Im November 1956 starteten 82 Guerilleros auf dem Schiff "Granma" Richtung Kuba. Doch die Landung lief nicht wie geplant. In einem Hinterhalt der Armee wurden viele von Castros Männern getötet oder gefangen genommen.

Nur eine kleine Truppe, darunter Che Guevara und Raúl Castro, konnte sich mit Fidel in die Berge der Sierra Maestra retten. Von hier aus wuchsen Castros Rebellenarmee und sein Einfluss gegen Batista stetig. Die Guerilla-Truppen kämpften immer erfolgreicher. Am 1. Januar 1959 machte sich Batista ins Exil davon. Castro hatte den Sieg errungen.

Der Sieger der Revolution

Am 8. Januar 1959 zog Fidel Castro unter Jubelrufen in Havanna ein. Von Anfang an verstand er es, die Massen zu mobilisieren und sie in seinen Bann zu ziehen. Nach dem Sieg der Revolution fackelte Castro nicht lange. Er ließ Batista-Unterstützer in öffentlichen Schauprozessen hinrichten, die Mieten, Strom und Telefon wurden günstiger. Die Löhne, besonders die der Zuckerrohrarbeiter, stiegen.

Archivfoto: Soldaten in der Schweinebucht (1961)

Kampf in der Schweinebucht

Castro enteignete die Großgrundbesitzer und führte amerikanische Unternehmen in kubanisches Eigentum über. Das quittierten die Amerikaner mit einem Handelsembargo. Der Revolutionsheld aber blieb bei seinem Konfrontationskurs. Der Konflikt zwischen den USA und Kuba gipfelte 1961 in der Invasion in der Schweinebucht, als die Amerikaner erfolglos versuchten, die Castro-Regierung zu stürzen.

Gleich nach der Revolution reformierte Fidel Castro das Bildungs- und- Gesundheitssystem. Gleiche und kostenlose Versorgung für alle war die Devise, die große Alphabetisierungskampagne war da nur ein Schritt. Dieses Vorgehen galt vielen Ländern als vorbildlich. Am 1. Mai 1961 rief Fidel Castro den "sozialistischen Staat" aus. Es ist ein Sozialismus kubanischer Prägung oder einfach: "Fidelismus".

Kuba-Krise

1962 stand die Welt in der Kuba-Krise am Rande eines Atomkrieges. Fidel Castro hatte sich einen starken Verbündeten gesucht: die Sowjetunion. Er hatte den Sowjets gestattet, auf Kuba Mittelstreckenraketen zu stationieren. Eine Einigung der Regierungsspitzen der beiden Supermächte verhinderte die weitere Eskalation der Krise.

Fidel Castro – der Staatschef

Die Auflösung der Sowjetunion stürzte Castros Kuba in der 1990er Jahren in eine tiefe Wirtschaftskrise. Viele kehrten Castro den Rücken, der "Máximo Líder" blieb bei seinem sozialistischen Kurs. Querdenker und Regimekritiker, darunter viele Künstler, ließ Castro oft einsperren oder trieb sie mit seiner Politik ins Exil. Dennoch genoss Castro die Unterstützung der Mehrheit der Bevölkerung.

Im Laufe seiner Regierungszeit gab es immer wieder zaghafte Lockerungen des Systems innerhalb des Landes, aber auch zwischen den USA und Kuba. Insgesamt blieb Fidel Castro jedoch bei seiner harten Linie. Er wurde und wird wegen Menschenrechtsverletzungen und seinem verschwenderischen Lebensstil kritisiert.

Raúl Castro in Uniform.

Raúl folgte seinem Bruder Fidel

Fidel Castro stand fast 50 Jahre an der Spitze Kubas. Erst 2006 übertrug er seine Amtsgeschäfte nach einer Darmoperation vorläufig seinem Bruder Raúl Castro. Im Februar 2008 zog sich der "Máximo Líder" aus gesundheitlichen Gründen endgültig zurück, Raúl wurde sein Nachfolger. 2016 starb der kubanische Revolutionsführer und ehemalige Staatspräsident im Alter von 90 Jahren in Havanna.

Autorin: Martina Schuch

Weiterführende Infos

Stand: 06.06.2018, 10:20

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