FC Bayern München – Vom Rebellenclub zum Serienmeister

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FC Bayern München – Vom Rebellenclub zum Serienmeister

Von Tobias Aufmkolk

Kein anderer Fußballverein polarisiert in Deutschland so sehr wie der Fußballclub (FC) Bayern München. Jedes Jahr stellt sich erneut die Frage, welche andere Mannschaft den Bayern die anvisierte Meisterschaft streitig machen kann. Seit seiner Gründung 1900 hat der FC Bayern einen bemerkenswerten Wandel vom Schwabinger Stadtteilclub zum größten Sportverein Deutschlands mit mehr als 100.000 Mitgliedern vollzogen. In den 1970er Jahren eroberten sich die Bayern die Vormachtstellung im deutschen Fußball, die sie seitdem nicht mehr abgegeben haben.

Gründung aus Protest

Als am Abend des 7. März 1900 ein paar junge Fußballer in der Schwabinger Gaststätte "Gisela" zusammenkommen, können sie noch nicht ahnen, was sie in der deutschen Fußballlandschaft verändern werden. Sie wollen nur ein bisschen Anerkennung für ihren Sport, der um die Jahrhundertwende im nationalistisch geprägten Deutschland noch als "englische Krankheit" bezeichnet wird.

Die Fußballer kicken schon seit drei Jahren unter dem Dach des "Männerturnvereins München von 1879 (MTV 1879)". Nun wollen sie dem "Verband Süddeutscher Fußballvereine" beitreten und um die Meisterschaft mitspielen. Die Hauptversammlung spricht sich jedoch dagegen aus. Kurzerhand verlassen elf Rebellen den Tagungsort und gründen in einer benachbarten Gaststätte aus Protest einen eigenen Verein: den FC Bayern München.

Im ihrem ersten offiziellen Spiel fegen die jungen Bayern die Mannschaft des MTV 1879 mit 7:1 vom Platz – eine besondere Genugtuung. Bis zum Ersten Weltkrieg etabliert sich der Verein in München und Umgebung. Er wird schnell zur ersten Adresse in der Stadt und feiert zahlreiche Stadtmeisterschaften.

Der Erste Weltkrieg bringt den Spielbetrieb jedoch fast vollständig zum Erliegen. Von den 415 Vereinsmitgliedern sind mehr als 300 an der Front, 61 davon sterben bis 1918 auf den Schlachtfeldern.

Aufstieg und Niedergang

Nach dem Krieg setzt der FC Bayern notgedrungen auf die Jugend. Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten. Nach der Zusammenführung der nord- und südbayerischen Liga im Jahre 1923 werden die Bayern bereits drei Jahre später Süddeutscher Meister.

Nach einer weiteren Süddeutschen Meisterschaft 1928 und einigen erfolglosen Teilnahmen an der Endrunde zur Deutschen Meisterschaft ist der Verein 1932 endlich am Ziel. In einem spannenden Endspiel besiegt der FC Bayern die Frankfurter Eintracht mit 2:0 und ist zum ersten Mal Deutscher Meister.

Spielszene von 1928 in Schwarzweiß: Mehrere Spieler in schwarzen und weißen Trikots stehen vor einem Tor. Der Torwart boxt den Ball gerade über die Latte.

Endrunde um die Deutsche Meisterschaft 1928

Doch lange können sie sich über den Triumph nicht freuen. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten geht es dem "Juden-Club" an den Kragen. Der jüdische Vereinspräsident Kurt Landauer legt bereits am 22. März 1933 sein Amt nieder. Kurz darauf verlassen weitere jüdische Funktionäre, Trainer und Spieler den Verein. Die Mannschaft blutet aus. Bis 1945 verliert der FC Bayern nicht nur seine nationale Bedeutung, selbst in München spielt er keine große Rolle mehr.

Mit der Jugend zum Erfolg

1945 kehrt die alte Führungsriege an die Spitze des Vereins zurück, doch der sportliche Erfolg bleibt für die nächsten 15 Jahre aus. Erst Anfang der 1960er Jahre stabilisiert sich die Mannschaft und wird zweimal nacheinander Dritter in der Oberliga Süd, einer der fünf gleichberechtigten höchsten Spielklassen in Deutschland.

Als 1963 die Bundesliga gegründet wird, macht sich der Verein begründete Hoffnung, dabei zu sein. Auf dem Papier gehören die Bayern zu den stärksten 18 Mannschaften in Deutschland. Um so größer ist die Enttäuschung, als der Deutsche Fußball-Bund (DFB) dem Präsidium eine Absage erteilt. Die lapidare Begründung: Ein Verein aus München (der in jenen Jahren erfolgreichere TSV 1860 München) sei genug für die Liga.

Im Nachhinein stellt sich die Absage als besonderer Glücksfall dar. Während andere Vereine sich durch teure Spielereinkäufe für die Bundesliga verschulden, setzt der FC Bayern auf seine Nachwuchstalente. Der 1962 gewählte Präsident Wilhelm Neudecker krempelt den Verein komplett um.

Er setzt voll auf die Jugend und verpflichtet den erfolgshungrigen Trainer Zlatko "Tschik" Cajkovski. Dieser baut um die jungen Talente Franz Beckenbauer, Gerd Müller und Sepp Maier eine schlagkräftige Mannschaft auf und lässt die "jungen Wilden" einen bedingungslosen Offensivfußball spielen. 1965 schafft die Mannschaft dann souverän den Aufstieg in die Bundesliga.

Schwarzweiß-Foto von 'Tschik' Cajkovski. Er hat eine Schiedsrichterpfeife im Mund und einen Ball im Arm.

"Tschik" Cajkovski - Trainer mit Offensivdrang

Das goldene Jahrzehnt

In der ersten Bundesligasaison kämpft sich der FC Bayern durch sein attraktives Spiel in die Herzen der Zuschauer. Am Ende steht ein dritter Platz zu Buche und der DFB-Pokalsieg, der ein Jahr später wiederholt wird. Doch erst mit dem mehr auf Defensive bedachten Trainer Branko Zebec wird der FC Bayern 1969 zum ersten Mal Bundesliga-Meister.

In den nächsten Jahren verstärkt der umsichtige und geschäftstüchtige Manager Robert Schwan die Mannschaft um weitere junge Spieler. 1970 stoßen die gerade erst 18-jährigen Uli Hoeneß und Paul Breitner zum Team.

Die Investition in Nachwuchsarbeit zahlt sich aus. Von 1972 bis 1974 wird der FC Bayern dreimal hintereinander Deutscher Meister. Das 1972 fertig gestellte Olympiastadion verschafft dem Verein wegen seiner Größe zudem deutlich mehr Zuschauereinnahmen als den anderen deutschen Vereinen. Die Einnahmen investiert Manager Schwan in die Mannschaft, er zahlt die höchsten Spielergehälter der Liga. Der Ruf von den "reichen" Bayern ist geboren.

Als die Mannschaft auf dem höchsten spielerischen Niveau angelangt ist, ist sie auch europaweit kaum zu schlagen: Von 1974 bis 1976 gewinnen die Bayern dreimal hintereinander den Europokal der Landesmeister, was seitdem keiner Mannschaft mehr gelungen ist. In dieser Zeit manifestiert sich beim FC Bayern der Anspruch, ein Verein von Weltniveau zu sein.

Mannschaftsfoto nach dem Europapokaltriumph von 1974. Die Spieler stehen nebeneinander, drei halten den riesigen Pokal in die Luft.

Diese Mannschaft ist in Europa nicht zu schlagen

Wechselbad der Gefühle

Ende der 1970er Jahre vollzieht sich ein großer Bruch in der Mannschaft. Die großen Stars beenden entweder ihre Karriere (Uli Hoeneß) oder wechseln ins Ausland (Franz Beckenbauer, Gerd Müller). Der Verein kann jahrelang keine Meisterschaft feiern. Erst als Uli Hoeneß 1979 Manager wird, kommt der Erfolg wieder. Hoeneß baut um Karl-Heinz Rummenigge und Paul Breitner wieder eine schlagkräftige Truppe zusammen.

Von anderen deutschen Vereinen werden in der Folgezeit junge talentierte Spieler wie Lothar Matthäus verpflichtet, die sofort einschlagen. Die 1980er Jahre stehen ganz im Zeichen des nationalen Erfolgs. In nur zehn Jahren werden sechs deutsche Meisterschaften gefeiert. Nur international geht der Verein in dieser Zeit leer aus.

Karl-Heinz Rummenigge, Paul Breitner und Pal Csernai halten bei der Meisterschaftsfeier 1981 einen Pokal und die Schale des Deutschen Meisters in die Kamera.

Die 80er Jahre - Meisterschaften en masse

Vom Ende der 1980er Jahre bis Anfang der 1990er Jahre muss der FC Bayern zahlreiche Leistungsträger wie Brehme, Matthäus, Reuter und Kohler nach Italien ziehen lassen. Die Gehälter, die jenseits der Alpen gezahlt werden, kann kein deutscher Verein mehr aufbringen. Es folgen magere Jahre, national wie international. Dazu kommen zahlreiche Fehleinkäufe, die zwar hohe Gehälter beziehen, aber kaum den Erwartungen entsprechen.

Italienrückkehrer wie Jürgen Kohler, Stefan Reuter und Matthias Sammer wechseln lieber zur ambitionierten Borussia nach Dortmund, die mittlerweile höhere Gehälter zahlt als die Bayern. Von 1991 bis 1998 wird der FC Bayern "nur" zweimal Deutscher Meister und zweimal DFB-Pokalsieger.

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

1998 landet der FC Bayern eine spektakuläre Trainerverpflichtung: Ottmar Hitzfeld wechselt vom Erzrivalen Borussia Dortmund an die Isar. Hitzfeld weiß den Ansprüchen in München gerecht zu werden. Um seinen "Leader" Stefan Effenberg baut er eine äußerst erfolgreiche Mannschaft aus erfahrenen Spielern und jungen Talenten zusammen.

Die Erfolge unter Hitzfelds sechsjähriger Amtszeit können sich sehen lassen: viermal Deutscher Meister, zweimal DFB-Pokalsieger, Champions-League- und Weltpokal-Sieger.

Ottmar Hitzfeld in schwarzem Anzug und Spieler nach dem Gewinn der Champions-League 2001

Mit Hitzfeld kommt der internationale Erfolg zurück

Mit Hitzfeld und dessen Nachfolger Felix Magath findet der FC Bayern den Weg in die Erfolgsspur zurück. Unter Magath werden die Bayern 2005 und 2006 deutscher Meister und Pokalsieger. Anschließend übernimmt Hitzfeld wieder Magaths Posten und kann 2008 das Double wiederholen. Die Anforderungen für alle Nachfolger Hitzfelds sind also hoch. Sie werden sich an seinen Erfolgen messen lassen müssen.

International wird es jedoch immer schwerer zu bestehen. Der FC Bayern kann und will sich jahrelang keinen der absoluten Superstars des Fußballs leisten. Das große Geld wird nicht in der Bundesliga verdient, sondern in den Ligen Spaniens, Englands oder Italiens. Dort sind die Einnahmen an Fernsehgeldern um ein Vielfaches höher als in Deutschland. Zudem können sich gerade spanische und italienische Vereine deutlich höher verschulden als die Bundesligisten.

Erst mit der Saison 2007/08 fährt das Management einen anderen Kurs. Mit Franck Ribéry, Luca Toni oder Miroslav Klose werden Spieler verpflichtet, die internationale Hochkaräter sind. Der Verein will mit dieser Einkaufspolitik auf Dauer in Europa wieder konkurrenzfähig werden.

Der Einzug ins Champions-League-Finale 2010 und 2012 und der Gewinn der Champions League 2013 bestätigt die Vereinsstrategie. Mit Trainer Jupp Heynckes gelingt 2013 sogar das legendäre Triple: der Gewinn der Deutschen Meisterschaft, des DFB-Pokals und der Champions League.

Sein Nachfolger Pep Guardiola kann diesen Erfolg zwar nicht wiederholen, wird aber dreimal Meister, zweimal Pokalsieger, einmal Uefa-Supercup-Sieger und erreicht dreimal das Halbfinale in der Champions League. Nach Carlo Ancelotti und Jupp Heynckes wird Niko Kovač 2018 Trainer beim FC Bayern.

Stand: 14.03.2018, 16:00

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