Iran

Rückkehr Khomeinis 02:18 Min. Verfügbar bis 30.12.2099

Naher und Mittlerer Osten

Iran

Die iranische Geschichte der letzten einhundert Jahre ist einerseits geprägt von dem Wunsch sich der westlichen Moderne zu öffnen, andererseits von dem Bedürfnis, religiöse Traditionen zu bewahren. Shah Mohammed Reza Pahlavi, Vasall der USA, wollte sein Land Zwangsverwestlichen. Seine Nachfolger – die religiösen Fundamentalisten unter Khomeini – versuchten das Rad in Sachen Religion und Gesetz wieder zurück zu drehen.

Die Dynastie der Pahlavi

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Iran von den europäischen Großmächten England und Russland dominiert. Die konstitutionelle Monarchie, die 1905 den bis dahin vorherrschenden Absolutismus abgelöst hatte, blieb schwach. Reza Pahlavi, ein Oberst der Kosakenbrigade, machte sich durch den Staatsstreich von 1921 zuerst zum Kriegsminister und zwei Jahre später zum iranischen Premier. Durch die Reorganisierung der Streitkräfte und die Einführung einer allgemeinen Wehrpflicht wurde das Militär zu seiner Machtbasis.

1925 ließ sich Reza Chan zum Schah krönen. Sein Ziel war es, den Iran von einem agrarisch geprägten Land in eine Gesellschaft nach westlichem Vorbild umzubauen. In kurzer Zeit setzte er vielfältige Reformen durch, zu denen die Entwicklung der Industrie, die Säkularisierung des Rechts- und Bildungswesens und die Sesshaftmachung der Nomaden gehörten. Tief greifender Einschnitt in das Leben der einfachen Leute war die Zwangsverwestlichung. Frauen wurde es 1936 verboten, einen Schleier zu tragen. Der bis dahin einflussreiche Klerus sollte sich auf rein religiöse Themen und Tätigkeiten beschränken.

Außenpolitisch wurde der Iran lange Zeit von den beiden Großmächten Großbritannien und Russland beherrscht, die sich erstens durch die Ausbeutung des Öls ökonomisch am Iran bereichern und zweitens ihren politischen Einflussbereich im Mittleren Osten ausweiten wollten. 1907 hatten sie den Iran in drei Zonen, die ihren Interessenssphären entsprachen, aufgeteilt. Die nördliche Zone war russisch, die südliche britisch beherrscht. Dazwischen gab es eine neutrale Pufferzone.

Mit dem Abzug der russischen Truppen im Zuge der Oktoberrevolution blieb England die verbleibenden Macht in Iran, die sich weiter aktiv in die innenpolitischen Verhältnisse des Landes einmischte. Wenige Jahre später vergrößerte auch die Sowjetunion wieder ihren Einfluss auf das Land. Der Schah Reza Pahlavi scheiterte an dem Versuch, die Dominanz Grossbritanniens und der Sowjetunion zu brechen und während des Zweiten Weltkrieges die Neutralität des Landes zu bewahren. 1941 marschieren die zwei Grossmächte in den Iran ein. Sie zwangen Reza Chan zur Abdankung und machten seinen Sohn Mohammed Reza zum Herrscher über den Iran.

Schah Mohammed Reza Pahlavi

Der neue Schah, Vasall der Westmächte, besonders der USA und Großbritanniens, geriet Anfang der 50er Jahre in Konflikt mit dem frei gewählten Premier des Landes, Mohammad Mosaddegh. Der iranische Premierminister führte eine nationalliberale Koalition an mit dem Ziel, die anglo-iranische Ölgesellschaft zu verstaatlichen, die unter der Vorherrschaft der Briten stand. Dieser Versuch endete mit dem Boykott Irans durch fast alle namhaften Ölgesellschaften. Der Iran konnte kein Öl mehr fördern und geriet in finanzielle Not.

Der persische Kaiser Mirza Reza Pahlavi mit seinem Sohn Mohammed Reza Pahlavi und den Töchtern Prinzessin Schams und Prinzessin Aschraf

Kaiser Mirza Reza Pahlavi mit seinem Sohn Mohammed Reza Pahlavi

In dieser Krise floh der Schah ins Ausland, kehrte aber 1953 wieder in den Iran zurück, nachdem Mosaddegh durch das Militär abgesetzt worden war. Die Abhängigkeit vom Westen stieg weiter.

Während des Kalten Kriegs ging es den USA darum, den Iran als Außenposten gegen den Kommunismus in die westliche Hemisphäre einzubinden. Gestützt auf den Ölreichtum und die Petrodollars des Landes vergrößerte und modernisierte der Schah mithilfe der USA seine Streitkräfte und förderte die Industrialisierung des Landes.

Innenpolitisch setzte der Schah auf die Gleichberechtigung der Geschlechter, führte das Frauenwahlrecht und ein liberaleres Scheidungsrecht ein. Die Verwestlichung des Landes ging zunehmend zu Lasten des Klerus. Die öffentliche Religiosität im Land wurde zurückgedrängt, was immer mehr gläubige Iraner und den Klerus brüskierte.

Mohammed Reza Pahlavi entfernte sich immer weiter von der eigenen iranischen Bevölkerung und den Verhältnissen im Land. Zusammen mit einem Hofstaat lebte er in einer Luxuswelt, die märchenhafte Züge annahm. Der Ölreichtum des Landes und der wirtschaftliche Aufschwung kamen nur wenigen Iranern zugute. Auch hatte der Schah jegliche demokratische Mitbestimmung und Meinungsäußerung in Iran verhindert, sodass sich sogar die westlich gesinnten Iraner gegen ihn stellten. Religiöse Opposition blieb die einzige Form von Widerstand, die in Iran möglich war. Der Sturz des Schahs war unausweichlich.

Am 16. Januar 1979 musste der Schah fluchtartig das Land verlassen. Der einst im Ausland hoch angesehene Monarch fand zunächst kein Land, das ihm und seiner Familie Zuflucht gewährte. Ägypten erklärte sich schließlich bereit, die Pahlavis aufzunehmen.

Ayatollah Khomeini

Am 1. Februar 1979 kehrte Ayatollah Khomeini aus seinem Pariser Exil in den Iran zurück. Begeistert wurde er von den Massen am Flughafen von Teheran empfangen. Als religiöse Autorität führte er die islamische Revolution an, die den Iran fundamental veränderte. Ayatollah Khomeini war der Sohn kleiner Landeigentümer. Er hatte im geistlichen Zentrum Ghom studiert und gelehrt. Unter der Herrschaft von Mohammed Reza Pahlavi hatte man ihn ins Exil gezwungen.

Ayatollah Khomeini

Ayatollah Khomeini

Bereits in den 60er Jahren forderte er die Absetzung des Schahs. Durch die Rückbesinnung auf den Islam, die eine mächtige Waffe im Kampf gegen den Schah war, und durch die Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit konnte er die Massen hinter sich vereinen.

Innerhalb von zehn Jahren baute Ayatollah Khomeini ein repressives System in Iran auf. Zur Rückbesinnung auf den Islam gehörte auch, dass sich vor allem die Situation der Frauen extrem verschlechterte. Die Scharia, das islamische Gesetz, wurde eingeführt. Das Tragen des Schleiers wurde zur Pflicht, die Frau wurde gegenüber dem Mann rechtlich stark benachteiligt. Alkohol trinken wurde verboten.

Ayatollah Khomeini gelang es, die linke und liberale Opposition, die die Herrschaft der Geistlichen ablehnte, auszuschalten. In den 80er Jahren wurden viele Oppositionelle erschossen. Außenpolitisch war der Iran isoliert. Gerade auch in der arabischen Welt hatte der Iran viele Feinde.

Der erste Golfkrieg

Eines der einschneidenden Ereignisse unter der Herrschaft Ayatollah Khomeinis war der erste Golfkrieg. Im September 1980 überfiel der Irak den Iran. Den Angreifern ging es um die Vorherrschaft am Persischen Golf und letztlich um die Besetzung der iranischen Ölfelder im Süden des Landes. Unterstützt wird der Irak mit Waffenlieferungen aus dem Westen. Dennoch konnte der Iran die irakischen Truppen bald zurückdrängen, das Regime lehnte aber ein Friedensangebot ab. Die Kämpfe wurden brutal weitergeführt.

Irakische Soldaten vor dem brennenden iranischen Ölhafen Khorramschar 1980

1980 überfiel der Irak den Iran

Nach acht Jahren endete der erste Golfkrieg mit einem Waffenstillstand. Einen Sieger gab es nicht. Die Bilanz des Krieges war erschreckend: Insgesamt eine Million Tote waren auf beiden Seiten zu beklagen. Im Inneren nahmen während des Krieges die staatlichen Repressionen gegen das eigene Volk zu. Es kam zu einer erheblichen Einschränkung der Meinungsfreiheit. Wissenschaft und Kultur bluteten aus. Viele, gerade intellektuelle Iraner emigrierten.

Der Iran nach Ayatollah Khomeini

1989 starb der große geistige Führer des Irans, Ayatollah Khomeini. Nach verschiedenen inneren Machtkämpfen trat Ayatollah Chamenei als neuer religiöser Führer in die Fußstapfen seines Vorgängers.

Ayatollah Chamenei

Ayatollah Chamenei

Nach dem Tod Khomeinis bildeten sich innerhalb des islamischen Systems verschiedene Machtzentren, die sich gegenseitig austarierten. Ein starker, machtbewusster Präsident war Akbar Haschemi Rafsandschani, der auf die gesellschaftliche Liberalisierung des Staates setzte und sogar die Pressezensur lockerte. Seine Politik stieß in den 90er Jahren auf den massiven Widerstand konservativer Kreise, die das Land nahezu vollkommen beherrschen.

1997 kam mit Mohammad Chatami ein weiterer Reformpräsident, den die Mehrheit der iranischen Bevölkerung gewählt hatte, ans Ruder. Doch jeder zaghafte Liberalisierungsversuch wurde vom eigentlichen Machtzentrum, den Mullahs, im Keim erstickt. Die Hoffnungen der Gesellschaft auf politische Reformen wurden bitter enttäuscht.

Mit Mahmud Ahmadinedschad betrat ein radikal-konservativer Präsident die politische Bühne, der seine Politik streng am Islam orientiert. Ahmadinedschad stützteseine Macht wesentlich auf das Militär und die Bassidsch, eine paramilitärische Organisation, die vor Gewalttaten nicht zurückschreckt.

Bei den Wahlen im Juni 2013 wurde Hassan Rouhani zum iranischen Präsidenten gewählt. Rouhani gilt als gemäßigt.

Autorin: Sabine Kaufmann

Stand: 26.08.2016, 15:00

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