Kunstschützin Annie Oakley

Das Schwarzweiß-Foto zeigt Annie Oakley stehend mit Cowboyhut, in einem mit Blumen besticktem Kleid und mit einem Gewehr in den Händen.

Frauen im Wilden Westen

Kunstschützin Annie Oakley

Die Frauen des Wilden Westens konnten reiten und schießen. Und manche übertrafen in ihrem Können die Männer in diesen Künsten bei Weitem. Annie Oakley war eine dieser Frauen. Sie konnte phantastisch mit Schusswaffen umgehen und wurde eine Berühmtheit im Wilden Westen. Als Kunstschützin in Wildwest-Shows bereiste sie die gesamte USA und trat sogar im fernen Europa auf. Sie war Titelheldin mehrerer Filme und auch das Musical "Annie get your gun" beschäftigte sich mit ihrem Leben. Annie Oakley ist ein Paradebeispiel für die neue Rolle der Frau im Wilden Westen.

Ein außergewöhnliches Talent

Annie Oakley wurde als Phoebe Ann Moses 1860 in Ohio geboren. Als sie sechs Jahre alt war, starb ihr Vater an Lungenentzündung. Die kleine Annie musste schon früh zum Unterhalt der Familie beitragen. Dabei stellte sich schnell heraus, dass sie ein ganz besonderes Talent besaß.

Bereits mit acht Jahren stützte sie ein langes Gewehr aufs Geländer und erschoss ein Eichhörnchen. Bald konnte sie mit dem Gewehr so gut umgehen, dass sie ihre Wildbeute gewinnbringend verkaufen konnte und so die Schulden der Familie tilgen konnte.

Als Jugendliche trat sie des öfteren als Kunstschützin auf. Bei einem Schießwettbewerb schlug Annie 1879 den berühmten Kunsstschützen Frank Butler. Dieser war so beeindruckt, dass er ihr wenig später einen Heiratsantrag machte.

Ein Jahr später wurden die beiden vermählt. Da Annie aber die deutlich bessere Schützin war, trat Butler schon bald nicht mehr zusammen mit seiner Frau auf. Er wurde ihr Manager und brachte sie in der Wild-West-Show des ehemaligen Bisonjägers Buffalo Bill unter.

Shows auf der ganzen Welt

Mit der Show von Buffalo Bill bereiste Annie Oakley bald die gesamte USA. Ihr Auftritt bestand unter anderem darin, auf eine Münze zu schießen, die ihr Partner in der Hand hielt oder eine Spielkarte aus zehn Metern Entfernung zu spalten. In einer dieser Shows traf Annie ganze 943 von 1000 hochgeworfenen Glaskugeln. Wo die restlichen 57 Schüsse einschlugen, ist nicht überliefert.

Neben Annie traten noch weitere Berühmtheiten des Wilden Westens in der Show auf. Einer von ihnen war der Indianerhäuptling Sitting Bull, mit dem Annie bald eine tiefe Freundschaft verband. Er gab ihr den Spitznamen "Kleine Scharfschützin".

Die Attraktionen der Wild-West-Show hatten sich auch bald bis nach Europa herumgesprochen. In ausgedehnten Tourneen durch den alten Kontinent trat Annie unter anderem bei der englischen Königin Viktoria und Papst Leo XIII. auf. Während eines Auftritts in Deutschland ließ sich Kronprinz Wilhelm sogar eine Zigarette von ihr aus dem Mund schießen.

Porträt von "Sitting Bull", dem Medizinmann der Hunkpapa Lakota Sioux, um 1884. Der Indianer trägt einen kleinen Federschmuck und blickt aufrecht in die Kamera.

Sitting Bull nannte sie "Kleine Scharfschützin"

Ein Star auch nach dem Tod

Sechzehn Jahre trat Annie Oakley als Kunstschützin auf, bis sie 1901 bei einem Zugunglück schwer verletzt wurde. Trotz zeitwiliger Lähmung erholte sie sich wieder und zeigte einige Jahre später wieder ihr Können.

Anfang der 1920er Jahre machte sie gar Pläne, in einem Film aufzutreten doch ein schwerer Autounfall kam ihr daziwschen. Annie war über ein Jahr ans Bett gefesselt und schrieb ihre Memoiren. Sie startet zwar noch einen Versuch, ihre Karriere fortzusetzen, doch ihr allgemein schlechter Gesundheitszustand ließ das nicht zu. Am 3. November 1926 starb Annie Oakley in North Carolina. Achzehn Tage später starb auch ihr Mann Frank Butler.

Annie Oakleys Leben wurde in Romanen, Filmen, Comics und einem Musical nacherzählt. 1936 wurde sie in dem Film "Annie Oakley" von Barbara Stanwyck dargestellt, 1976 in dem Film "Buffalo Bill and the Indians" von Geraldine Chaplin.

1946 setzte ihr der Komponist Irving Berlin mit dem Musical "Annie get your gun" auch ein musikalisches Denkmal. Das musikalische Werk gelangte unter dem Titel "Annie, schieß los!" sogar bis nach Deutschland.

Irving Berlin sitzend am Flügel

Irving Berlin setzte Annie ein musikalisches Denkmal

Autoren: Claudia Heidenfelder/Tobias Aufmkolk

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Stand: 02.11.2017, 12:00

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