Nationalparks in den USA

Die rötlichen Felsen des Grand Canyon. Im Vordergrund das türkisblaue Wasser des Colorado Rivers, in dem sich die Felsen spiegeln.

Nordamerika

Nationalparks in den USA

Die atemberaubende Schlucht des Grand Canyon, heiße Quellen im Yellowstone oder Alligatoren in den Everglades in Florida – bei Touristen sind die Nationalparks in den USA ein Renner. Rund 270 Millionen Besucher werden hier pro Jahr gezählt, darunter Gäste aus aller Welt. Doch die Parks sollen auch die Naturschätze Amerikas schützen und erhalten. Das ist nicht immer ein leichtes Unterfangen, denn bisweilen gibt es handfeste wirtschaftliche Interessen, die mit dem Naturschutz in Konflikt geraten.

Zum Nutzen und Vergnügen

Der amerikanische Pulitzer-Preisträger Wallace Stegner lobte Nationalparks als "die beste Idee, die wir je hatten. Absolut amerikanisch, absolut demokratisch, spiegeln sie unsere beste Seite wider, nicht unsere schlechteste".

Das Gebiet des Yellowstone National Parks war das erste, das vom US-amerikanischen Kongress im Jahr 1872 als Nationalpark ausgewiesen wurde - als erster Nationalpark, den es überhaupt auf der Welt gab. Dabei dachten die Abgeordneten jener Tage noch nicht an den Naturschutz im heutigen Sinn.

Ziel des als "Yellowstone National Park Act" verabschiedeten Gesetzes war vielmehr, die Gegend zum "Nutzen und Vergnügen der Menschen" zu bewahren, wie es damals hieß.

In einer kargen Landschaft steigt die Fontäne eines Geysirs hoch in den blauen Himmel.

Ausbruch des Old-Faithful-Geysirs im Yellowstone

Zwei Expeditionstrupps hatten die unwegsame Gegend in den heutigen Bundesstaaten Wyoming, Montana und Idaho bereist und anschließend im Kongress eindrucksvoll von Geysiren, heißen Quellen und anderen Naturwundern berichtet.

Als zweiter Nationalpark entstand 1890 der Sequoia National Park in Kalifornien mit seinen teilweise mehrere Jahrtausende alten Mammutbäumen. Im selben Jahr wurde außerdem der Yosemite National Park gegründet sowie ein weiterer, der später im Gebiet des King's Canyon aufging.

Schlachtfelder und Freiheitsstatue

Doch nicht nur Naturwunder erschienen den US-Amerikanern des ausgehenden 19. Jahrhunderts als schützenswert, sondern auch die Stätten und Wahrzeichen ihrer noch jungen Geschichte.

So wurden 1890 die Austragungsorte bedeutsamer Schlachten aus dem amerikanischen Bürgerkrieg zu "National Military Parks" erklärt.

Zu sehen ist der Oberkörper der amerikanischen Freiheitsstatue vor blauem Himmel.

Auch die Freiheitsstatue ist ein National Monument

Ab 1906 erlaubte ein Gesetz dem amerikanischen Präsidenten, auch ohne Zustimmung des Kongresses ein Gebiet zum "National Monument" zu bestimmen.

Ursprünglich dazu gedacht, vor allem kulturelles Erbe zu bewahren, nutzte Präsident Theodore Roosevelt die Möglichkeit jedoch gleich, um den Monolithen Devils Tower in Wyoming zu schützen.

Ebenfalls 1906 erklärte Roosevelt die indianischen Felsenwohnungen von El Morro zum National Monument. Auch spätere Präsidenten ernannten mal imposante geologische Formationen zum Schutzgebiet, mal aber auch Bauwerke oder andere historische Zeugnisse. 1924 erhielt die Freiheitsstatue den Status eines nationalen Monuments.

Schützen, Erhalten und Erholen

Seit 1916 werden die amerikanischen Nationalparks sowie ein Großteil der anderen schützenswerten Stätten und Gebiete vom National Park Service (NPS) verwaltet. Der Service nennt als seine obersten Ziele "conservation, preservation and recreation", sinngemäß also "schützen, erhalten und erholen".

Die 59 Nationalparks (Stand 2013) nehmen dabei gegenüber den anderen Schutzgebieten nach wie vor eine besondere Rolle ein. Es sind Naturräume mit einer Vielzahl von einzigartigen geologischen oder biologischen Schätzen, in denen häufig bedrohte Tier- und Pflanzenarten ein letztes Refugium finden.

Schroffe Felsen, Wasserfälle, bizarre Gesteinsformationen oder auch ein meterdicker Baumstamm, durch den ein Tunnel führt - jeder Park hat seine ganz eigenen Attraktionen, mit denen er die Besucher begeistert.

Ein älterer Mann in Ranger-Uniform hat sich neben einem kleinen Jungen in der Hocke niedergelassen und erklärt ihm etwas über ein Tierfell.

Im persönlichen Kontakt wird Wissen vermittelt

Der National Park Service hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Besonderheiten nicht nur zu bewahren, sondern sie für den Einzelnen direkt erfahrbar und erlebbar zu machen. "Connection" nennen das die Mitarbeiter - einen persönlichen Bezug herstellen.

Nicht ohne Grund: Die Touristen in den Nationalparks sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für das Land: zehn Milliarden Dollar Mehreinnahmen bescheren sie den Unternehmen in Nachbarschaft der Schutzgebiete, so schätzt der National Park Service.

Unzureichender Schutz?

Die Schutzbedingungen für die Naturschätze sind allerdings offenbar nicht in allen Nationalparks optimal. So bemängelte ein Gutachten des "Environment California Research Policy Center" im Jahr 2008 beispielsweise die Situation in den acht kalifornischen Nationalparks.

Die Gutachter kritisierten Planungen für eine Mülldeponie nahe dem Joshua Tree National Park und für den Bau eines Ferienparadieses mit Golfplatz und Skihängen in der Nähe des Lassen Volcanic National Park. Beide Vorhaben könnten die empfindlichen Ökosysteme der Schutzgebiete gefährden.

Zwischen grauem Steingeröll steigt weißer Dampf nach oben. Im Hintergrund ist ein Wald vor blauem Himmel zu sehen.

Schwefelquelle im Lassen Volcanic Park

Die Forscher wiesen außerdem auf die knappen Budgets der meisten Parks hin. Dadurch könnten zum Beispiel nicht genügend Programme zur Erhaltung bedrohter Arten umgesetzt werden.

Im ebenfalls in Kalifornien gelegenen "Sequoia National Park" kämpfen Naturschützer seit Jahrzehnten gegen die Holzindustrie, die mitten im Schutzgebiet Bäume fällen lässt. Sie sehen dadurch den Bestand an teilweise mehrere tausend Jahre alten Mammutbäumen als akut gefährdet an.

Autorin: Christina Lüdeke

Stand: 09.06.2017, 12:45

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