"Hot Pot" – Badekultur in Island

Heiße Quelle in Island

Island

"Hot Pot" – Badekultur in Island

Island ist berühmt für seine heißen Quellen. Die sogenannten "Hot Pots" – auf Deutsch: "heiße Töpfe" – sind über die ganze Insel verteilt. Das Wasser wird durch die vulkanische Aktivität unterirdisch erhitzt und tritt als heiße Quelle wieder aus. Isländer nutzen diese Quellen häufig, um Schwimmbäder geothermal zu beheizen.

"Wir sehen uns im Hot Pot!"

Nauthólsvík ist das Schwimmbad der Hauptstädter. Hier trifft man sich auf einen Tratsch, zum Entspannen, oder auch zu geschäftlichen Terminen. Da kann es schon mal sein, dass beim Baden der eigene Chef, der Ministerpräsident oder ein berühmter Musiker in Badekleidung neben einem sitzt. Die Isländer nehmen das sehr gelassen.

Im Freibad Nauthólsvík haben Badegäste die Wahl zwischen einem auf 38 bis 42 Grad Celsius temperierten Pool, einer Lagune aus Meerwasser, die mit dem Zulauf von Heißwasser auf etwa zwölf Grad gebracht wird, oder einem Bad im Nordatlantik.

Die Wassertemperatur im Meer schwankt zwischen zwölf bis dreizehn Grad im Sommer und vier bis sechs Grad im Winter. Selbst bei solch eisigen Temperaturen gehen manche Isländer schwimmen. Jedes noch so kleine Dorf in Island betreibt sein eigenes, in der Regel beheiztes Schwimmbad. Dieser Hot Pot, auf Isländisch "heitur pottur", ersetzt in vielen Orten die Dorfkneipe und ist ein beliebter Treffpunkt für die Insulaner.

Schwimmen gegen die Krise

Für Isländer ist das Bad im Nordatlantik eine Form von Therapie gegen unterschiedlichste Leiden. Das eisige Salzwasser soll schönheitsfördernd sein und sogar gegen Haarausfall helfen. Nach der Finanzkrise 2008 wurde das Schwimmen im Meer besonders populär. Es soll den Insulanern geholfen haben, sich auf die wesentlichen Dinge des Lebens zu besinnen. Viele Isländer hatten sich stark verschuldet, das "Baden gegen die Krise" wurde zum Trend.

Badekultur Island Planet Wissen 28.07.2016 03:35 Min. Verfügbar bis 13.01.2020 SWR

Touristenmagnet Blaue Lagune

Die Blaue Lagune ist das größte und berühmteste Bad Islands. Es liegt inmitten eines Lavafeldes, seine Wassertemperatur beträgt bis zu 39 Grad Celsius. Das Thermalbad befindet sich zwischen der isländischen Hauptstadt Reykjavík und dem internationalen Flughafen Keflavik.

Mit über 100.000 Besuchern im Jahr ist es das beliebteste Touristenziel Islands. Selbst bei winterlichen Außentemperaturen ist es gut besucht.

Das Geothermalbad Blaue Lagune

Das Geothermalbad Blaue Lagune

Badewasser aus einem Kraftwerk

Die Blaue Lagune entstand als Nebenprodukt des seit 1976 betriebenen Geothermalkraftwerkes Svartsengi. In dem Kraftwerk wird Meerwasser in eine Tiefe von ungefähr zwei Kilometern gepumpt und kommt mit einer Temperatur von 240 Grad Celsius an die Erdoberfläche zurück.

Zunächst dient das heiße Wasser der Stromerzeugung im Kraftwerk, danach fließt es abgekühlt in das umliegende Lavafeld. Mit der Zeit entstand in dem Gebiet ein großer Salzwassersee. Seine blaue Farbe wird durch Kieselsäure hervorgerufen, denn Kieselsäure reflektiert vor allem den blauen Wellenbereich der Sonnenstrahlen.

Das Wasser der Blauen Lagune enthält Kieselerde-Schlamm, Mineralsalze und blaugrüne Algen. Die Nährstoffe sollen heilende Wirkung bei Hautkrankheiten wie Schuppenflechte haben. Die mineralhaltige Paste, die auf der Wasseroberfläche der Blauen Lagune entsteht, wird als Körperpeeling genutzt. Aus dieser Schlammpaste werden auch kosmetische Produkte hergestellt.

Schlamm-Gesichtsmaske aus der Blauen Lagune in Grindavik

Schönheitselixier aus der Blauen Lagune

In Islands Bädern geht es ungezwungen zu. Doch strikte Regeln gelten auch hier: In jedem Bad findet sich ein Piktogramm, das dem Besucher zeigt, an welchen Stellen der Körper zu waschen ist, bevor der Badende ins Wasser steigt. Auf Isländisch, Englisch, Dänisch, Deutsch und Französisch steht geschrieben: "Alle Gäste müssen sich mit Seife ohne Badeanzug waschen, ehe sie in das Schwimmbad gehen. Danke."

Westfjorde: Ein Paradies für natürliches Baden

Unzählige heiße Quellen liegen auf der Halbinsel der Westfjorde. Diese "natürlichen Badewannen" liegen in traumhafter Landschaft, sind aber wegen ihrer Algen manchmal sehr schlammig. Doch das nimmt gerne in Kauf, wer von der schönheitsfördernden Wirkung der Hot Pots überzeugt ist.

Das Bad in unbekannten heißen Quellen ist allerdings mit Vorsicht zu genießen, denn an manchen Stellen steigt das Wasser mit über 200 Grad Celsius an die Erdoberfläche.

Für Naturliebhaber ist Krossneslaug im Norden der Westfjorde das schönste beheizte Freibad Islands. Vom Beckenrand aus schweift der Blick über schneebedeckte Berge, grüne Wiesen und den angrenzenden Nordatlantik.

Autorin: Ana Rios

Stand: 22.07.2016, 13:00

Darstellung: