Internationale Bauausstellung Emscher Park

Ein turmartiger Gebäuderest, auf dem ein Baum steht. An der Frontseite sind Scheiben. Aus der rechten Seite ragen dort, wo früher die Trenndecken der Etagen waren, Eisenreste aus der Wand.

Innenhafen Duisburg

Internationale Bauausstellung Emscher Park

Die Umwandlung des Duisburger Innenhafens von einem Industrieareal zu einem modernen Arbeits-, Wohn- und Freizeitviertel war ein Projekt der Internationalen Bauausstellung Emscher Park (IBA). Zehn Jahre lang - von 1989 bis 1999 - widmete sich die IBA dem ehrgeizigen Ziel, das Ruhrgebiet ökologisch und ökonomisch zu erneuern und durch zahlreiche Einzelmaßnahmen die Lebens- und Wohnqualität zu verbessern.

Darum geht's:

  • Bauausstellungen: bautechnische Neuerungen und zeitgemäßen Städtebau bekannt machen
  • Die IBA Emscher Park zeigt die ökologische und ökonomische Erneuerung des Ruhrgebietes.
  • 17 Kommunen beteiligen sich an der Ausstellung.
  • Schwerpunkt: Erhalt wichtiger Zeugnisse der Industriekultur
  • Die IBA hat das Image des Ruhrgebiets stark aufpoliert.

Tradition der Bauausstellungen

Die Idee hinter Bauausstellungen ist, bautechnische Neuerungen und zeitgemäßen Städtebau einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen. Die erste Bauausstellung fand 1901 in Darmstadt statt. Nach dem Krieg gab es in Berlin zwei Ausstellungen. Die erste präsentierte 1957 das Hansaviertel, ein Wohnviertel in der Nähe des Tiergartens, an dessen Wiederaufbau gut 50 Architekten aus 13 Ländern beteiligt waren. Die zweite IBA Berlin stellte 1987 Stadtreparatur in den Mittelpunkt.

Von diesem Ansatz ließen sich auch die Planer der IBA Emscher Park inspirieren, als sie die ökologische und ökonomische Erneuerung des Ruhrgebietes zum Thema machten. Die IBA Emscher Park betrat dabei insofern Neuland, als sie sich anders als die bisherigen Bauausstellungen nicht auf eine Stadt oder einen Stadtteil beschränkte, sondern auf eine ganze Region bezog.

Puzzle aus Einzelprojekten

Die IBA Emscher Park wurde im Jahr 1989 vom Land Nordrhein-Westfalen als zehnjähriges "Zukunftsprogramm" gegründet. Sie hatte das Ziel, die Emscherregion, "den früheren Hinterhof des Ruhrgebiets auf Vordermann zu bringen". Das heißt das nördliche Ruhrgebiet, ein 800 Quadratkilometer großes Gebiet, ökologisch und städtebaulich zu erneuern. Dabei sollte die IBA Konzepte wie Wirtschaftsförderung, Denkmalschutz, Ästhetik und Lebensqualität unter einen Hut bringen.

Die Zeche Zollverein beleuchtet bei Nacht.

Die Zeche Zollverein gehört zum Unesco-Weltkulturerbe

Die 17 Kommunen der Emscherregion beteiligten sich an der Bauausstellung: Duisburg, Oberhausen, Mülheim an der Ruhr, Bottrop, Essen, Gladbeck, Bochum, Gelsenkirchen, Recklinghausen, Herne, Herten, Castrop-Rauxel, Waltrop, Lünen, Dortmund, Kamen und Bergkamen. In diesen Kommunen entstanden in den zehn Jahren der IBA Emscher Park insgesamt gut 120 Einzelprojekte. Mal wurden neue Gebäude errichtet, mal Landschaft umgestaltet, mal bestehende Bauten unter großem Aufwand erhalten – ganz nach Bedarf im Einzelfall.

So wurden unter anderem heruntergekommene Bergarbeitersiedlungen restauriert, Tausende neue Wohnungen gebaut, ein Netz von Rad- und Wanderwegen angelegt sowie Gewerbe- und Technologiezentren ins Leben gerufen.

Ein Schwerpunkt der IBA Emscher Park war der Erhalt wichtiger Zeugnisse der Industriekultur. Die vermeintlich nutzlosen Relikte der vergangenen Industrieepoche sollten nicht – wie sonst oft geschehen – einfach abgerissen, sondern erhalten, umgebaut und anderweitig genutzt werden. So wurden unter anderem der Gasometer Oberhausen und die Essener Zeche Zollverein vor dem Abriss bewahrt – zwei Industriegebäude, die nun als spektakuläre Ausstellungsorte Besucher anlocken und zu Wahrzeichen ihrer Städte geworden sind.

Finale nach zehn Jahren

In die IBA-Projekte sind insgesamt rund fünf Milliarden Mark geflossen. Davon kamen zwei Drittel von der öffentlichen Hand und ein Drittel aus privaten Investitionen. Das Festhalten der IBA-Planer an alten Zechen, Fabriken und anderen Bauwerken aus der industriellen Vergangenheit löste in den ersten Jahren der IBA im Ruhrgebiet oft Kopfschütteln aus. Doch in der Rückschau werden diese Industriedenkmäler als eines der größten Verdienste der Bauausstellung gewürdigt, weil sie entscheidend zum neuen Selbstbewusstsein der Region beigetragen haben.

Blick von oben in das Innere des Gasometer Oberhausen. Das Bodenrondell wird diagonal von einer überdimensionalen Wand aus farbigen Fässern geteilt, die der Künstler Christo dort aufgestellt hatte.

Christos "The Wall" - Höhepunkt im Gasometer Oberhausen

Insgesamt hat die IBA das Image des Ruhrgebiets stark aufpoliert und dafür gesorgt, dass das Revier als spannende ehemalige Industrieregion im Wandel wahrgenommen wird, die mehr zu bieten hat als die bekannten "Ruhrpottklischees".

Doch der IBA-Geschäftsführer Karl Ganser schlug am Ende der Bauausstellung 1999 auch kritische Töne an: Die vielen Einzelprojekte müssten in den folgenden Jahren und Jahrzehnten erst noch zum angestrebten Emscher Landschaftspark zusammenwachsen. Außerdem seien Projekte wie einige Gewerbeparks Investitionen in die Zukunft. Darum könnten sie die erhofften Ziele, wie zum Beispiel neue Arbeitsplätze zu schaffen, möglicherweise erst viel später erreichen.

Autor: Christoph Teves

Stand: 11.08.2017, 10:00

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