Die Frauenkirche – Triumph über den Tod

Frauenkirche in Dresden

Dresden

Die Frauenkirche – Triumph über den Tod

Von Claudia Kracht

Ein "Symbol des Sieges der Versöhnung über Krieg und Vernichtung": So wurde die Dresdener Frauenkirche bei ihrer Wiedereröffnung am 30. Oktober 2005 gefeiert. Das barocke Gotteshaus wurde in zwölf Jahren Arbeit originalgetreu wieder aufgebaut.

In den Augen vieler Besucher ist die Kirche mehr als nur ein architektonisches Meisterwerk von Weltrang, mehr als nur das bedeutendste protestantische Gotteshaus in Deutschland. Die Frauenkirche hat auch eine große Symbolkraft und verkündet durch ihre Erneuerung eine positive Botschaft: Sie wirkt wie ein Triumph des Lebens über den Tod.

Monumentales Meisterwerk

Rund um die Frauenkirche liegt die Keimzelle der Stadt Dresden. Hier, an einem Marktplatz auf einem hochwasserfreien Plateau nahe der Elbe, kreuzten sich im Mittelalter wichtige Handelsstraßen. Am Rande des Platzes stand die Kirche "Unser lieben Frauen" – errichtet zu Ehren der Gottesmutter Maria.

1726 war die alte Kirche baufällig. So begannen die insgesamt nicht weniger als 17 Jahre dauernden Arbeiten an der neuen, für die damalige Zeit monumentalen Frauenkirche. Sie war 95 Meter hoch; ihre Kuppel hatte einen Durchmesser von 23,5 Metern.

Weithin sichtbar überragte sie alle anderen Gebäude der Stadt. Das Gotteshaus bot nicht nur der wachsenden Kirchengemeinde mehr Platz, sondern es unterstrich auch den Stolz und den Repräsentationswillen der sächsischen Fürsten.

Der Baumeister George Bähr hatte auf weiten Reisen durch Italien die mächtigen Kuppelbauten in Rom und Florenz kennengelernt. Davon inspiriert vermochte er sein Konzept beim Stadtrat durchzusetzen. Die Fertigstellung der Kirche erlebte er allerdings nicht mehr – er starb 1738.

Kolossal – und doch verspielt

Johann Georg Schmid, Bährs Schüler und Nachfolger, konnte die Arbeiten 1743 vollenden. Die Dresdener Frauenkirche galt bald als Ebenbild der Peterskirche in Rom, wenn auch in deutlich kleinerem Maßstab.

Das Werk Bährs vereinigt perfekt die Einflüsse des üppigen italienischen Barock mit der eher kühleren Formensprache des aufkommenden Klassizismus. Die Architektur folgte einer der Leitlinien des protestantischen Glaubens, wonach die Predigt der wichtigste Bestandteil des Gottesdienstes ist.

Also versammelte sich die Gemeinde rund um die Kanzel in einem zentralen Kirchenschiff. Dieses ist bei der Frauenkirche kreisrund, eingefasst von acht Pfeilern, in deren Zwischenräumen sich die dreigeschossigen Emporen befinden. Taufstein, Altar, Kanzel und die wundervolle Orgel sind in einer Achse angeordnet.

Durch großzügige Fenster fällt viel Licht auf die zarten Pastellfarben: Gold, Rosé, Hellgrün, Himmelblau, Vanillegelb. Überall Blätter, Blüten, Ornamente. Daher wirkt der Innenraum trotz der insgesamt kolossalen Baumasse freundlich, leicht, heiter – fast schon verspielt.

Innenansicht der vergoldeten Kuppel der Frauenkirche mit Malereien.

Die Kuppel von innen

Mahnmal nach dem Flächenbrand

Mehr als 200 Jahre lang erfreute das barocke Bauwerk die Gläubigen und Kunstverständigen – bis zu jener grauenvollen Bombennacht gegen Ende des Zweiten Weltkrieges, als am 13. Februar 1945 auf einer Fläche von 15 Quadratkilometern jedes Leben in der Dresdener Innenstadt ausgelöscht wurde.

Wo zuvor die Frauenkirche stand, war eine graue Wüste, in der sich ein riesiger Trümmerberg erhob. Lediglich zwei Reststümpfe des alten Kirchengebäudes ragten noch einsam empor – "betende Hände", wie sie manche Christen nannten; ein "Mahnmal für den Frieden", wie sie offiziell zu DDR-Zeiten genannt wurden.

Viele Gläubige hofften damals im Stillen, dass die Kirche eines fernen Tages wieder im alten Glanz erstrahlen würde. Eine Hoffnung, die erst seit 1982 bei den alljährlichen Gedenk-Veranstaltungen zum Jahrestag des Bombenangriffs greifbar wurde: Seither wurden an jedem 13. Februar stille Prozessionen veranstaltet, erleuchteten Tausende Kerzen die dunkle Kirchenruine. Aber erst der Zusammenbruch des sozialistischen Regimes 1989 machte den Weg frei für konkrete Überlegungen zum Wiederaufbau.

Blick auf die Trümmer der Frauenkirche. Rechts und links stehen Kräne.

Die Ruine – "Mahnmal für den Frieden"

Wiederaufbau zunächst umstritten

Bereits zwei Wochen nach dem Fall der Berliner Mauer trafen sich am 24. November 1989 Dresdener Architekten, Ingenieure und Kunsthistoriker und andere Interessierte, um die unverhoffte Gunst der Stunde eilig zu nutzen.

Bald schon bildete sich eine "Bürgerinitiative zum Wiederaufbau der Frauenkirche". Der "Ruf aus Dresden", unterzeichnet von 22 Persönlichkeiten der Stadt, wurde am 13. Februar 1990 zum Ausgangspunkt einer weltweiten Werbeaktion.

Aber es gab auch ernsthafte Bedenken gegen einen Wiederaufbau: War die Rekonstruktion nicht nur eine "Attrappe"? Könnte man die Millionen-Gelder nicht sinnvoller verwenden? Wäre ein modernes Gebäude nicht zeitgemäßer?

Selbst die Evangelisch-Lutherische Landessynode Sachsens befürwortete im März 1991 die Gründung einer Stiftung "Frauenkirche Dresden e.V." lediglich mit 43 zu 26 Stimmen.

Erst nach dem letztlich entscheidenden Votum der Dresdener Stadtverordneten-Versammlung vom 20. Februar 1992 stand der Rekonstruktion der Frauenkirche nichts mehr im Wege. Ein historischer Tag.

Das Bild zeigt Bauarbeiter, die in der Frauenkirche an einer Kuppel arbeiten.

Großbaustelle Frauenkirche

Gigantische Aufgabe – logistische Meisterleistung

Aber war den Stadtverordneten klar, welch gigantische Aufgabe das war? Es dauerte allein fast eineinhalb Jahre, bis der große, 22.000 Kubikmeter umfassende Trümmerberg neben der Frauenkirche geräumt war.

Fast 8400 Sandsteinquader wurden geborgen, geprüft, gemessen, katalogisiert. Über 3600 von ihnen waren noch verwendbar. Sie wurden in langen Regalen auf dem benachbarten Neumarkt einsortiert, später sorgfältig von hochqualifizierten Steinmetzmeistern direkt neben der Ruine behauen und repariert, dann mit Kränen vorsichtig transportiert und eingesetzt.

Der Bau besteht zu 43 Prozent aus Originalsteinen. Eine logistische Meisterleistung. Fördervereine in ganz Deutschland, aber auch in Großbritannien, Frankreich, den USA und der Schweiz unterstützten die Bauarbeiten, die insgesamt zwölf Jahre dauerten. Sie verschlangen bis zum Tag der Weihe am 30. Oktober 2005 nicht weniger als 180 Millionen Euro. Fast zwei Drittel davon, nämlich rund 110 Millionen Euro, kamen durch Spenden aus aller Welt zusammen.

Das Bild zeigt die Frauenkirche am Tag ihrer Wiedereinweihung. Tausende Schaulustige stehen vor dem Platz. Im Hintergrund sind noch Kräne zu sehen.

Oktober 2005: feierliche Wiedereinweihung

Das "Wunder von Dresden"

Gottesdienste, Konzerte, Vorträge, Andachten, musikalische Vespern: Zahlreiche religiöse und kulturelle Veranstaltungen finden heutzutage in der Dresdener Frauenkirche statt. Sie besitzt keine eigene abgeschlossene protestantische Gemeinde, sondern ist ständig offen für alle.

Hunderte Touristen aus aller Welt strömen täglich in den Innenraum. Und betagte Dresdener, die den Feuersturm von 1945 miterlebt haben, stehen immer wieder staunend vor dem neu errichteten Gotteshaus, manche mit Tränen in den Augen. "Sie ist schöner als je zuvor", so das gelegentlich gehörte Urteil.

Ohne das tatkräftige Engagement von weltweit mehr als 100.000 Spendern wäre der Wiederaufbau nicht denkbar gewesen. So wurde die Frauenkirche im weitesten Sinne von Bürgern für Bürger erbaut.

Weit mehr Spender beteiligten sich, als die kühnen Initiatoren 1992 erhofft hatten. Sie wagten damals den Neubeginn – ohne ein gesichertes Finanzierungskonzept, aber mit viel Gottvertrauen. Und wurden auf das Reichste belohnt: durch das "Wunder von Dresden".

Kirchen

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Weltbekannte Gotteshäuser

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Viele Tausend Arbeiter sollen die insgesamt elf Kirchen von Lalibela aus dem Fels gehauen haben. Entstanden sind sie im 12. und 13. Jahrhundert. Heute gehören sie zu den Touristenattraktionen in Äthiopien und sind eine beliebte Pilgerstätte für christlich-orthodoxe Gläubige.

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WDR

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