Tango

Ein Paar tanzt Tango auf dem achten Vienna Ball.

Argentinien

Tango

Der Tango ist Ausdruck von Leidenschaft, Melancholie und Schmerz. Und Buenos Aires gilt als die Geburtsstadt des Tangos. Man wächst in der Hauptstadt Argentiniens quasi damit auf. Entstanden ist er in den Armenvierteln der Stadt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts – unter anderem geprägt von den musikalischen Einflüssen der damaligen Einwanderer.

Die Musik des Hafenviertels

Es war die Zeit der Einwanderer in Buenos Aires, als der Tango entstand. In Scharen kamen die Menschen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum Beispiel aus Spanien, Italien oder auch aus Osteuropa. Viele von ihnen landeten in den Armenvierteln am Stadtrand. In diesem Schmelztiegel entstand die neue Musik – unter anderem mit Einflüssen der andalusischen Folklore, von Volksliedern der eingewanderten Neapolitaner und der einheimischen Musikstile.

1865 bis 1895 gilt als die Frühzeit des Tangos. Der erste Tango, dessen Titel überliefert ist, "Dame la plata" ("Gib mir das Geld"), stammt aus dem Jahr 1888.

Zunächst galt der Tango als verrucht. Die Musik verbreitete sich in den Bordellen und am Stadtrand von Buenos Aires – hervorgebracht von der armen Bevölkerung, verrufen bei der Oberschicht. Um die Jahrhundertwende galt das Hafenviertel La Boca als Zentrum des Tangos.

Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Tango dann, nachdem er in Paris schon seinen Siegeszug angetreten hatte, auch in Argentinien gesellschaftsfähig. Neue Tanzcafés, Aufführungssäle und Tangotheater wurden finanziert. Und sogar im Kino sorgten Tango-Orchester für die musikalische Untermalung der damaligen Stummfilme.

Bunte belebte Häuserfront im Hafenviertel La Boca.

Das Hafenviertel La Boca war das Zentrum des Tangos

Ausdruck von Kritik und Schmerz

Geboren in den Bordellen von Buenos Aires, war der Tango bei der Oberschicht zunächst verpönt. Frühe Texte waren oft vulgär. Doch der Tango wurde auch Ausdruck der Arbeiter.

Viele Tangotexter stammten aus der Arbeiterklasse. In ihren Liedern ging es um die teilweise erbärmlichen Lebensbedingungen in der Vorstadt und um den Alltag der Arbeiter. Tango – das ist Ausdruck von Leidenschaft, von enttäuschter Liebe, Heimweh, Traurigkeit und Schmerz.

Hervorstechendes Merkmal des Tanzes: der Machismo. Stets führt der Mann. Und schon das Auffordern zum Tanz unterliegt gewissen Regeln: Es erfolgt nämlich ganz subtil über Augenkontakt. Für viele Argentinier ist der Tango Ausdruck der eigenen Identität und gleichzeitig eine Reise in alte Zeiten.

Aber auch gegenwärtig ist der Tango in der Stadt präsent. Die Porteños, die Einwohner von Buenos Aires, wachsen sozusagen damit auf. Tangosalons findet man in der ganzen Stadt, und im Sommer wird auch unter freiem Himmel getanzt. Tangomusik klingt aus den Läden. Es gibt Radiosender, bei denen rund um die Uhr Tangomusik zu hören ist – unter anderem von der Tangolegende Carlos Gardel.

Ein Paar tanzt eng umschlungen Tango.

Getanzte Leidenschaft

Die Tangolegende Carlos Gardel

Vielen gilt er als der größte Tangosänger aller Zeiten und als einer der größten Komponisten: Carlos Gardel. Geboren 1890 als Charles Romuald Gardés in Frankreich, wuchs er in Buenos Aires auf. Denn seine Mutter war, als Gardel drei Jahre alt war, mit ihm nach Buenos Aires aufgebrochen. Sie arbeitete dort als Büglerin.

Gardel startete seine Gesangskarriere in Kneipen. Steil bergauf ging es, nachdem er 1913 in einem schicken Restaurant in Buenos Aires auftreten durfte. Es folgten Engagements, Auslandstouren, Plattenaufnahmen. Sein bis in den Tenorbereich reichender Bariton kam an. Reichtum und Berühmtheit ließen nicht lange auf sich warten.

Seine Glanzzeit erlebte Gardel in den 1920er und 1930er Jahren – als der Star mit dem charmanten Lächeln. 1925 debütierte er in Paris. Gardel verhalf dem Tango zu Weltruhm. Einige seiner Hits waren "El día quem e quieras", "Adios Muchachos" und "Mi Buenos Aires querido".

Doch der Ruhm endete schnell und unvorhersehbar: Am 24. Juni 1935 – Carlos Gardel wollte seine Lateinamerikatournee beginnen – stürzte sein Flugzeug über Kolumbien ab. Ein Schock für Gardel-Fans. Mehr als Hunderttausend Menschen nahmen am Trauerzug der Tangolegende teil.

Begraben liegt Carlos Gardel auf dem Chacarita-Friedhof in Buenos Aires – ein Ort, zu dem noch immer die Bewunderer pilgern. Gardel ist sogar ein eigenes Museum gewidmet.

Carlos Gardel, zeitgenössische Aufnahme

Tangostar Carlos Gardel

Tango-Tourismus

Der Tango ist in Buenos Aires längst nicht mehr nur Sache der Porteños. Viele Nicht-Argentinier nutzen ihren Urlaub, um in der Wiege des Tangos den Tanz zu lernen.

Aus dem Tango-Tourismus ist ein lukratives Geschäft geworden. Ganze Reisegruppen werden zu den Milongas gekarrt, den traditionellen Tangotanzveranstaltungen. Rund 100.000 Europäer reisen pro Jahr wegen des Tangos nach Buenos Aires. Und viele Tangoschüler nehmen Unterricht in Tangoschulen oder bei Privatlehrern.

Und wer nicht allein zu einer Milonga gehen mag und dem Risiko entgehen will, nicht aufgefordert zu werden, der kann sich auch einen Tänzer mieten. Tangoerprobte Porteños bieten für solche Fälle ihre Tanzkünste an.

Tanzende Paare und Besucher an Tischen bei einer Tangotanzveranstaltung.

Bei den Milongas treffen sich Porteños und Touristen

Weiterführende Infos

Stand: 18.07.2018, 10:11

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