Bergmassiv in Südtirol

Südtirol

Südtiroler "Rekorde"

Von Annette Holtmeyer

Der längste "Kinofilm" der Welt

Zugegeben, wer das Südtiroler "Knottnkino" besucht, muss auf viele der sonst in Lichtspielhäusern üblichen Annehmlichkeiten verzichten: kein Popcorn- oder Limonadeverkauf, keine Heizung und auch kein Parkhaus um die Ecke.

Im Gegenteil: Die Zuschauer müssen mit einer guten halben Stunde Fußmarsch vom Feriendorf Vöran aus rechnen, um das Kino auf dem Rosteinkogel ("Roatstoanknottn" heißt der Berg bei den Einheimischen) in 1465 Metern Höhe zu erreichen.

Das Kino mit seinen 30 Sesseln aus Kastanienholz und Edelstahl wurde im Jahr 2000 vom Künstler Franz Messner errichtet und zeigt seitdem einen Film mit grandiosen Hauptdarstellern: den weißen Riesen der Texelgruppe (ein Gebirgszug der Alpen), den aus Lava geformten Tschöggelberg und das Etschtal. In den Nebenrollen: Himmel und Wolken; die Regie führen Sonne und Schatten.

"Eine Oscar-reife Aussicht auf die Südtiroler Bergwelt", nannten Kritiker diesen unendlichen Naturfilm, der ohne Leinwand und frei von Werbung vor den Augen der Kinobesucher abläuft. "Die Abwechslung kommt mit dem Sitzenbleiben", schrieb eine Südtiroler Journalistin.

Auch wenn sicher nicht alle Besucher die Muße zum stundenlangen Gucken haben – der Blick für das Naturschauspiel vor der eindrucksvollen Bergkulisse wird im Knottnkino allemal geschärft.

Das Foto zeigt mehrere Reihen von Stühlen aus Stahl und Holz auf einer sandigen Fläche unter freiem Himmel. Dahinter sind hohe grüne Bäume und ein begrünter Felsen zu sehen.

Das Knottnkino hat eine einzigartige Lage

Die größte Sonnenuhr der Welt

Genau wie der "längste Kinofilm" ist auch die "größte Sonnenuhr" der Welt Natur pur: Neuner-, Zehner-, Elfer-, Zwölfer- und Einserkofel heißen die Berge, die das Fischleintal im Osten Südtirols abschließen. Ihre ausgeprägten Spitzen bilden eine geschlossene Kette, die "Sextner Sonnenuhr".

Sie heißt nicht zufällig so: Zur Wintersonnenwende steht die Sonne um 12 Uhr Ortszeit genau auf der Spitze des Zwölfers und eine Stunde später genau über dem Einserkofel. Noch heute genügt angeblich vielen Sextner Einheimischen ein Blick auf die Bergspitzen, um die Tageszeit am Stand der Sonne bestimmen zu können. Ein Ausflug zur "größten steinernen Sonnenuhr der Welt" lohnt sich allein wegen der traumhaft schönen Landschaft des Fischleintals.

Und im Gegensatz zu vielen anderen Touristenattraktionen der Superlative gibt es in Südtirol sowohl den längsten Kinofilm der Welt als auch den Blick auf die größte Sonnenuhr umsonst.

Verschneite Berge im Hintergrund, vorne herbstlich gefärbter Wald.

Teile der Sextner Sonnenuhr

(Erstveröffentlichung 2008. Letzte Aktualisierung 29.09.2020)

Quelle: WDR

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