Krieg in den Dolomiten

Erster Weltkrieg

Der Erste Weltkrieg in den Dolomiten

In den Alpen tobte während des Ersten Weltkriegs ein erbitterter Stellungskrieg, die Gebirgsschlachten waren an Grausamkeiten kaum zu überbieten. Heute sind bei malerischen Berg- oder Bike-Touren Reste von damals zu sehen.

Kriegsfront im Gebirge

Nachdem 1914 der Erste Weltkrieg ausgebrochen war, wurden ab 1915 auch die Dolomiten an den Grenzen zwischen Österreich-Ungarn und Italien zu Schauplätzen erbarmungsloser Kämpfe, Hunderttausende verloren ihr Leben. Erst nach Jahrzehnten begann man, den Krieg im Hochgebirge aufzuarbeiten. Spuren von damals kann man auch heute noch sehen. Inzwischen gibt es entlang der einstigen Frontlinien Kriegsmuseen sowie Wander- oder Kletterrouten.

Ursprung der Friedenswege: die Fanes

Die Fanes im Herzen der Dolomiten zwischen dem Gadertal und Cortina d’Ampezzo zählt zu den besonders eindrucksvollen Gebieten entlang der einstigen Frontlinie zwischen österreichischen und italienischen Truppen: grüne Almlandschaft, weite Karstflächen und dann die von der einen Seite eher sanften, von der anderen Seite gewaltigen Gipfelformationen.

Der Gipfelkamm gegenüber den Tofanen war im Gebirgskrieg besetzt. Der kariöse Zahn aus gelbem Kalk zählt zu den eigentümlichsten Gipfelformationen in den Alpen und heißt Monte Castello. Unter dem gut 40 Meter hoch aufragenden Felsblock geduckt und gut verborgen im Fels befindet sich das Bivacco della Pace, das Friedensbiwak.

Im Gebirgskrieg kauerte hier der österreichische Artilleriebeobachter und dirigierte das Geschütz, das zehn Kilometer weiter in Pederü aufgestellt worden war. Hier am Friedensbiwak beginnt auch die Geschichte der Friedenswege "Via della Pace" von heute – entstanden zu einer Zeit, als in Südtirol noch Bomben explodierten im Streit um nationale und kulturelle Selbständigkeit.

Gegenüber ragen, getrennt durch das jähe Travenanzes-Tal, die Dreitausender der Tofanen auf. Ein Platz und ein Blick der Superlative und zugleich eine Mondlandschaft.

Strategisch wichtig: der Monte Piana

Wer von Toblach nach Cortina d’Ampezzo fährt, kommt direkt an ihm vorbei. Der Monte Piana ist ein Plateauberg, so ähnlich wie der Untersberg in Bayern. Die Grenze verlief 1915 genau durch seine Mitte. Strategisch wichtig gelegen wollten sowohl die Österreicher als auch die Italiener den Monte Piana halten. Es kam zu einem aufreibenden Stellungskrieg. Die Spuren davon sind auch heute noch überall zu sehen.

Krieg in den Dolomiten - Monte Piana

Freilichtmuseum des Ersten Weltkriegs: Monte Piana

Der ganze Berg ist ein großes Freilichtmuseum und sieht heute noch aus wie ein Schlachtfeld – Schützengräben, Stellungen, Gänge und Befestigungen. Wer sich traut, kann die Stollen hautnah erleben und sich durch die engen Gänge zwängen. Der Gipfel war den Soldaten damals ziemlich egal, dabei ist der Monte Piana ein grandioser Aussichtsberg: Hohe Geisl im Westen, Monte Cristallo im Süden, die Drei Zinnen im Osten.

Umkämpfter "Blutberg": der Col di Lana

Zu den blutigsten Schauplätzen des Gebirgskriegs zählen die Berge rund um den Valparola-Pass zwischen Alta Badia und Cortina d'Ampezzo. Von diesem Pass aus kann man auf den Gipfel des Col di Lana wandern beziehungsweise zu dem, was von diesem Gipfel übriggeblieben ist.

Österreicher und Italiener standen sich hier im Ersten Weltkrieg in Rufweite gegenüber und versuchten dreimal, sich gegenseitig aus dem Berg zu sprengen.

Krieg in den Dolomiten - Col di Lana

Erster Weltkrieg, italienische Soldaten nach der Explosion einer Mine, Col di Lana

Ausgangspunkt der Bergtour ist das alte, von Granateinschlägen zerfurchte österreichische Fort Tre Sassi direkt an der Passstraße – heute ein Kriegsmuseum, in dem, neben der Ausrüstung und den Waffen, viele Gebrauchsgegenstände der Soldaten ausgestellt sind.

Allein am Col di Lana fielen rund 8.000 Soldaten. Von den italienischen Alpini wird er deshalb "Col di Sangue" (Blutberg) genannt. Im Winter 1916/17 lag der Schnee meterhoch, an vielen Abschnitten der Front starben mehr Soldaten durch Lawinen und Kälte als im Gefecht. Auch am Col di Lana boten die Unterstände kaum Schutz.

Auf dem breiten Kamm hinauf zum Gipfel verlaufen im Zickzack tiefe Schützengräben, ein paar Drahtseile und einige Bügel helfen über die aufgerissene Bergflanke hinüber zum höchsten Punkt. Monte Pelmo, Civetta, Sorapis und Palagruppe sind von hier aus zu sehen.

Quelle: BR | Stand: 02.08.2022, 15:00 Uhr

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