Papiertheater

Eine Miniaturbühne aus farbigem Papier zeigt eine Szene aus Schillers Bühnenstück 'Wallensteins Lager'.

Deutsches Theater

Papiertheater

Von Alfried Schmitz

Ihren Ursprung hatten die Papiertheater im frühen 18. Jahrhundert. Diese Miniaturmodelle dienten den Kulissenbauern als Vorlage für die spätere Bühneneinrichtung. Man konnte damit maßstabgetreu die plastische Wirkung der Aufbauten prüfen. Aber auch Stellproben von Großrequisiten und von Akteuren ließen sich mit Hilfe von Pappfiguren im Vorfeld der Aufführung auf einfache Weise bewerkstelligen.
Mit der Zeit entwickelten sich diese Theater in Kleinformat zum begehrten Spielzeug und zu Sammelobjekten in den bürgerlichen Familien des 19. Jahrhunderts. Ein ganzer Gewerbezweig entstand, der Theaterszenen zu allen gängigen Werken lieferte.

Besonders gefragt waren natürlich die Bühnenszenen zu den beliebten Stücken großer Dichterfürsten. Allen voran Goethe, Lessing, Shakespeare oder Schiller. Von Friedrich Schiller stammt auch "Wallensteins Lager", das oben im Bild dargestellt ist.

Die Handlung führt zurück ins Jahr 1634, mitten hinein in den Dreißigjährigen Krieg. Vor der böhmischen Stadt Pilsen, im Hintergrund zu erkennen, hat Feldherr Wallenstein sein Heerlager aufgeschlagen. Dieser Einakter ist die historische Einführung in eine Trilogie, zu der noch die "Die Piccolomini" und "Wallensteins Tod" gehören.

Ein Historiendrama, in dem Schiller den berühmten Wallenstein, seine Widersacher und seine Zeit beschreibt und analysiert. Ein Bühnenwerk von großer literarischer und theatergeschichtlicher Bedeutung, denn es zählt zu den ersten Charaktertragödien deutscher Dichtkunst. Im Vordergrund stehen die Persönlichkeitsbeschreibung der Hauptakteure, ihre innere Spannung und Zerrissenheit, die Tiefgründigkeit und die Unausweichlichkeit ihres Handelns und ihres späteren Schicksals.

Seit 1791 hatte sich Schiller mit diesem Stoff beschäftigt, die Trilogie dann zwischen 1796 und 1799 vollendet. Als erster fertiger Teil wurde "Wallensteins Lager" am 12. Oktober 1798 in Weimar uraufgeführt. Regie führte Schillers Freund und Förderer Johann Wolfgang von Goethe.

Unsere Abbildung zeigt ein Papiertheater, das der Bühneneinrichtung des Meininger Hoftheaters von 1881 und 1909 originalgetreu nachempfunden wurde. In diesen Jahren wurde in der thüringischen Theaterstadt unter der künstlerischen Leitung Herzogs Georg II. von Sachsen-Meiningen "Wallensteins Lager" mit großem Erfolg aufgeführt. Die Kulissen- und die Kostümentwürfe stammten vom theaterliebenden Herzog selbst.

Stand: 20.12.2019, 11:00

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