Romantik

Literatur

Romantik

Die Epoche der Romantik hatte ihren Beginn Ende des 18. Jahrhunderts und reichte bis weit ins 19. Jahrhundert hinein. Sie erstreckte sich auf alle Kunstgattungen, inspirierte Maler, Musiker, Philosophen und Schriftsteller zu einzigartigen Werken. Ihren Ursprung hatte die Romantik in Deutschland. Sie ist als Antwort auf das Zeitalter der Aufklärung zu sehen, das von nüchterner Vernunft und wissenschaftlicher Forschung geprägt war. Dem stellten die Romantiker das Seelenleben der Menschen, das Magische und Mystische, das Übernatürliche und Wunderbare entgegen.

Sehnsucht nach Gefühlen

Ölgemälde 'Zwei Männer in Betrachtung des Mondes' von Caspar David Friedrich: Zwei Männer mit langen Umhängen und Hüten stehen auf einem Felsen neben einem Baum.

Epoche der Gefühle

Die Aufklärungsbewegung des 17. und 18. Jahrhunderts hatte mit ihren weitreichenden wissenschaftlichen Forschungsbestrebungen dazu geführt, dass viele Naturphänomene zu physikalisch erklärbaren Normalitäten geworden waren. Auch in der Gesellschaft jener Tage hatte ein Umschwung begonnen, denn in den wichtigsten europäischen Herrscherhäusern, Habsburg und Preußen, wehte ein neuer Wind.

Den Untertanen wurden mehr Rechte zugebilligt und die Religionsfreiheit führte zu einem Machtverlust der etablierten Kirche. Das rationale Denken und Handeln war in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst in den Vordergrund gerückt. Die Gefühlswelt der Menschen war dabei allerdings ins Hintertreffen geraten. Die Französische Revolution von 1789 und die daraus folgende Besetzung und Unterdrückung weiter Teile Europas durch die Truppen Napoleons taten ihr Übriges, um einer Sehnsucht nach Freiheit der Gefühle Vorschub zu leisten.

Eine romantische Welle erfasst das Land

Bunte Illustration zum Kunstmärchen vom 'Gestiefelten Kater'.

Der "Gestiefelte Kater": beliebtes Kunstmärchen

Die literarische Romantikbewegung lässt sich in verschiedene Phasen einteilen: die Früh- (1795 bis 1804), Hoch- (1805 bis 1815) und Spätromantik (1816 bis 1830) sowie die Biedermeierzeit (bis 1848). Anders als bei der Weimarer Klassik, die durch Goethe und Schiller begründet wurde, hatte die Romantik viele Zentren - in Jena, Berlin, Heidelberg, Dresden, Wien und München. Außerdem verteilte sie sich auf viele Schriftsteller und wurde zu einer wahren Welle, von der auch das einfache Volk erfasst wurde.

Ihren Ursprung hat die romantische Dichtung in den Jahren 1795/1796. Ludwig Tieck ist einer ihrer Pioniere. Seine Romane "Die Geschichte des Herrn William Lovell" und "Franz Sternbalds Wanderungen" gelten als Beginn der frühen Romantik, zu deren Hauptschriftsteller auch Novalis, Wilhelm Heinrich Wackenroder oder E.T.A. Hoffmann gehören. In ihren lyrischen Erzählungen, Gedichten oder den sogenannten Kunstmärchen setzten sie auf große Gefühle, auf phantastische Szenerien und auf naturverbundene Schilderungen. Auch der Begriff der Heimat, aber ebenso eine Sehnsucht nach fernen Ländern und Kulturen des Orients stand im Mittelpunkt ihrer Werke. Das Gefühls- und Seelenleben der Figuren, die in ihren Stücken die Hauptrollen spielten, wurde in den Vordergrund der Geschichten gerückt.

Flucht aus der Wirklichkeit

Eine Ölskizze zeigt den Komponisten Schubert und den Sänger Michael Vogl am Klavier. Umringt werden sie von Damen in edler Gaderobe.

In den Salons der feinen Gesellschaft wurde Kultur gepflegt

Mit seinem unvollendeten Roman "Heinrich von Ofterdingen", der 1802 posthum erschien, setzte der Schriftsteller Novalis literarische Maßstäbe. Er wurde durch seinen frühen Tod 1801 zum Mythos der romantischen Bewegung. Die in dem stark autobiografisch geprägten Roman vorkommende "blaue Blume" erlangte Symbolcharakter.

Mit ihrer poetischen Betrachtung der Wirklichkeit, die bis zur Verklärtheit reichte, trafen die Dichter der Romantik den Nerv jener Zeit und wurden enorm populär und erfolgreich. Nicht von ungefähr wurden Begriffe wie Volkslied und Volkspoesie geprägt, die von der großen Beliebtheit und Verbreitung der Werke zeugen. Der Hang zum Unwirklichen und zum Magischen, die Rückbesinnung auf die Vergangenheit, das Wiedererstarken des katholischen Glaubens und der katholischen Kirche, die Überbetonung von Geist und Seele in der romantischen Bewegung und die große Akzeptanz der Literatur bei den Bürgern jener Zeit sind als Flucht aus der Wirklichkeit und als Kritik an der bestehenden politischen und gesellschaftlichen Situation zu deuten.

Heimatgefühl und Rheinromantik

Das bunt und aufwändig gestaltete Titelblatt von Brentanos Liedersammlung 'Des Knaben Wunderhorn' zeigt ein reich verziertes goldenes Füllhorn. Dahinter erkennt man eine romantisch anmutende Rheinkulisse mit Sonnenaufgang.

"Des Knaben Wunderhorn": populäres Werk der Romantik

Die Kulturgesellschaft in der Romantik war durch einen regen Gedankenaustausch zwischen den Vertretern der einzelnen Kunstgattungen geprägt, die sich in gemeinsam abgehaltenen Zirkeln trafen. Nicht von ungefähr vertonten viele der namhaften Komponisten jener Zeit, wie Robert und seine Frau Clara Schumann, Franz Schubert oder Felix Mendelssohn-Bartholdy, die Poesie ihrer Dichterkollegen. Auch die Damen jener Zeit nahmen an dieser romantischen Kooperation rege aktiven Anteil. Sie wurden zu wichtigen Initiatoren der Salonkultur. Ihre Salons wurden ebenfalls zu Künstlertreffpunkten.

Zu einem der bekanntesten und beliebtesten Lieder der Romantik, wurde das 1824 von Heinrich Heine verfasste und von Friedrich Silcher komponierte Loreley-Gedicht. Es wurde zum literarischen Höhepunkt der Verherrlichung des Rheins und der Rheinromantik, die der Schriftsteller Clemens Brentano einige Jahre zuvor begründet hatte. Dieser Fluss wurde zum Inbegriff der deutschen nationalen Identität hochstilisiert. Brentano war es auch, der 1805, mit "Des Knaben Wunderhorn" eine Sammlung von Volksliedern herausbrachte, die ebenfalls sehr von Naturverbundenheit und dem Heimatgedanken geprägt war und äußerst populär wurde. Die Veröffentlichung fiel wohl nicht unbeabsichtigt in das Jahr, in dem Napoleon durch seinen Sieg bei Austerlitz die endgültige Vormachtstellung in Europa erlangte und damit das Ende des "Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation" besiegelte. Ein Trauma, das seinen Niederschlag in der romantischen Literatur fand.

Romantik als Lebensgefühl

Ein romantisierendes Ölgemälde zeigt die Rheinbiegung bei St. Goarshausen und den berühmten Loreley-Felsen. Man sieht Spaziergänger und einen am Ufer liegenden Nachen. Auf dem Fluss erkennt man in der Ferne Segelschiffe.

Die berühmte Rheinbiegung bei St. Goarshausen um 1840

Die Romantiker folgten einem hohen Anspruch. Sie wollten ein neues Lebensgefühl vermitteln, in dem die Kunst und die Gefühlswelt eine wichtige Rolle spielen sollten. Ihr Ziel war es, eine neue Art des Denkens zu etablieren. "Die Welt muss romantisiert werden. So findet man den ursprünglichen Sinn wieder", lautete ein Ausspruch des Dichters Novalis. Auch das europäische Ausland wurde von dieser Welle erfasst, die in der Literaturwissenschaft durchaus als Kulturrevolution betrachtet wird.

Durch die deutsche Romantik beeinflusst, entstand bald eine ähnliche Literaturbewegung im Ausland. In Frankreich, unter anderem durch Victor Hugo, in England, unter anderem durch Lord Byron, aber auch in Osteuropa, hier unter anderem durch Alexander Puschkin begründet, setzte sich die romantische Welle durch.

Der Hang zum Phantastischen und Irrealen steigerte sich in den einzelnen Phasen der romantischen Literatur. Auf ihrem Höhepunkt dienten der Spätromantik das Skurrile, Groteske und Dämonische als Stilmittel. Auch die Schauer- und Kriminalromane nach Art des amerikanischen Schriftstellers Edgar Allen Poe erfreuten sich größter Beliebtheit. Ihr Ende fand die deutsche Literaturromantik mit dem Revolutionsjahr 1848. Ihren Einfluss findet man jedoch auch in einigen Werken der Moderne, zum Beispiel bei Thomas Mann.

Autor/in: Alfried Schmitz

Stand: 23.09.2014, 13:00

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