Wissensfrage

Auf dem Bild ist das Denkmal für ''Hermann'' den Cherusker zu sehen, das in Hiddesen bei Detmold steht.

Germanen

Wissensfrage

Sind die Germanen die Ahnen der Deutschen?

Zeichnung: Germanen verschiedener Stämme

Die Völker und Stämme der Germanen waren keine Einheit

Eines ist sicher: Die Germanen sind nicht nur die Ahnen der Deutschen, sondern sie haben die Entwicklung nahezu aller Völker in Mitteleuropa beeinflusst. Einige Germanenstämme sind sogar bis auf den Balkan, auf die Iberische Halbinsel und nach Nordafrika gewandert. Germanen waren auch die Vorfahren anderer nord-, mittel- und osteuropäischer Völker. Doch wie lässt sich erklären, dass in den Köpfen vieler Menschen die Vorstellung von den Germanen als Vorfahren der Deutschen steckt?

Im 18. Jahrhundert suchte das aufstrebende Bürgertum in Deutschland nach einer nationalen Identität. Die deutsche Aufklärung fand im Vergleich zu den Nachbarländern recht spät statt. In anderen Ländern, beispielsweise in Frankreich, waren zu dieser Zeit bereits diverse Theorien und Abhandlungen über Staat, Volk und Bürgertum in Umlauf. Sie zeigten seit geraumer Zeit ihre Wirkung in den Reihen des nach politischer Macht strebenden Bürgertums. Begriffe wie Patriotismus, Republikanismus und Nationalgeist standen nun auch in Deutschland hoch im Kurs. Das aufbegehrende deutsche Bürgertum sah die "republikanische Schweiz" als großes Vorbild.

Die Theorien der Aufklärer hatten auch dem deutschen Bürgertum ideale Argumente an die Hand gegeben. Sie erlaubten nicht nur Kritik gegen den zeitgenössischen Absolutismus. Vielmehr halfen sie bei der Suche nach einer Identität und ermöglichten es dem Bürgertum gegenüber den Herrschern Forderungen zu stellen. Man verlangte mehr Einfluss auf die Staatsgeschäfte. Die Bürger wollten entsprechend ihrer wirtschaftlichen Bedeutung an der Politik ihres Landes beteiligt werden.

Gemälde von Johann Gottfried Herder.

Herder prägte den deutschen Nationalismus

Innerhalb des deutschen Bürgertums befand sich eine große Anzahl von Dichtern und Denkern, die sich dazu verpflichtet fühlten ihren Teil zur Geburt einer deutschen Nation beizutragen. Die Arbeiten Johann Gottfried Herders (1744-1803) stellt den Höhepunkt des politisierten Germanengedankens dar. Nicht nur Herder war der Meinung, dass Gewaltenteilung, Gleichheit der Stimmen, Wahlkönigtum, kultivierte Lebensformen, moralische Strenge und Gläubigkeit Charakteristika des germanischen Lebens gewesen seien.

Auf der Suche nach einer moralischen und politischen Identität berief man sich nun nicht mehr auf die Schriften der alten Griechen, sondern orientierte sich an nordischen Sagen und Überlieferungen. Die Dichter sahen in den keltischen Barden (Poeten und Sänger) ihre Vorbilder und eigneten sich deren Überlieferungen an.

Bezeichnend ist dabei, dass selbst erfundene Überlieferungen größte Wirkung erzielten. Wie ein Schwamm nahm das deutsche Bürgertum alles auf, was zur Konstruktion einer nationalen Identität geeignet schien. Dabei wurden selbstverständlich auch die Germanensagen mit einbezogen.

Schnell erfuhr Arminius neue Ehren. Der Cheruskerfürst wurde zum Nationalhelden hochgejubelt. So glaubte man, dass er sich als Ur-Deutscher dem römischen Imperium widersetzt habe und in der Schlacht im Teutoburger Wald bewies, was in den Deutschen stecke.

Das Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald

Das Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald

Dies legte die Grundlage für weitere Strömungen in Deutschland, die glaubten die Germanen für sich beanspruchen zu können. Im Jahr 1875 wurde in Hiddesen bei Detmold das Hermannsdenkmal errichtet und markierte einen weiteren Höhepunkt der Instrumentalisierung des Arminius. Die Stilisierung des Cheruskerfürsten Arminius zum deutschen Nationalhelden Hermann ist noch heute in konservativ-national denkenden Kreisen präsent.

Im 20. Jahrhundert übertrafen die Nationalsozialisten alle Vorgänger auf der Suche nach einer urdeutschen Geschichte. Sie klaubten alles zusammen, was sie für nützlich hielten, und konstruierten für ihren völkischen Wahnsinn mit Hilfe von Symbolen und Mythen verschiedener Kulturen ein neues nationalsozialistisches Trugbild der deutschen Volksgeschichte.

Autor/in: Jo Siegler/Frank Endres

Stand: 06.10.2014, 13:00

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